
Mohamed El Baradei (links) bei einem Treffen mit dem iranischen Außenminister Kamal Kharazi: "Das beunruhigt uns sehr"© EPA
Dies beunruhigt uns sehr. Sollte sich herausstellen, dass Iran sein Atomprogramm nicht für friedliche Zwecke nutzt, könnte dies fürchterliche Folgen haben.
Sie sagen, es handle sich um Gas-Ultrazentrifugen, die bereits bei der Lieferung verschmutzt waren.
Das können wir noch nicht sagen.
Wir können das nicht ausschließen. Der Iran muss alles offen legen und mit uns kooperieren.
Die Technologie ist längst da. Auf dem Schwarzmarkt handeln Länder mit Wissen und den entsprechenden Gütern. Exportkontrollen sind nicht sonderlich erfolgreich. Vor allem aber sind Atomwaffen richtig attraktiv geworden - denn es scheint auf einmal möglich zu sein, sie auch einzusetzen. Wir müssen unsere gesamte Politik des Verbots der Weiterverbreitung von Atomwaffen überdenken.
Atomwaffen verschaffen Macht. Denen, die sie haben, geben sie vermeintlich mehr Sicherheit. Sie erscheinen mehr und mehr legitim. Sie sind nicht mehr geächtet.
Da wird mit doppeltem Maßstab gemessen. Einerseits heißt es in den USA, die Verbreitung von Nuklearwaffen müsse bekämpft werden. Andererseits perfektioniert man das eigene Arsenal. Das ist nicht hinnehmbar. Denn im Atomwaffensperrvertrag verpflichten sich alle Staaten zur nuklearen Abrüstung, auch die USA. Zur Zeit passiert das Gegenteil. Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Und rüstet selbst auf. Dann werden einige wenige Privilegierte unter einem nuklearen Schutzschild stehen - und der Rest der Welt bleibt draußen. In Wahrheit aber gibt es keine guten oder bösen Massenvernichtungswaffen. Wenn wir nicht aufhören, mit zweierlei Maß zu messen, werden wir viel mehr Nuklearmächte haben. Wir stehen an einem Wendepunkt.
Noch geht es nur um Forschung. Aber das ist schlimm genug. Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie unterzeichnet haben.
Die fünf Atommächte müssen eine klare Botschaft an die Welt senden: Auch wir rüsten ab. Wir entwickeln keine neuen Atomwaffen. Entweder nehmen wir die Gefahr der Weiterverbreitung wirklich ernst. Oder wir müssen mit den Konsequenzen leben. Bislang agieren wir bestenfalls wie die Feuerwehr. Heute der Irak, morgen Nordkorea, übermorgen der Iran. Und dann?