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12. Mai 2004, 17:53 Uhr

Die fröhlichen Folterer

Soldaten beschreiben das System der Folterungen

Gegen Frederick und fünf andere Militärpolizisten wird Anklage vor einem Militärgericht erhoben. Lynndie England durfte auf ihren Standort in den USA zurückkehren, weil sie schwanger ist. Und während US-Präsident George W. Bush den Chor anführt, dass dies bedauernswerte Einzelfälle "einer Hand voll Soldaten" gewesen seien, haben die Angeklagten bereits vor Wochen minutiös das Gegenteil zu Protokoll gegeben. In Briefen an seine Familie beschrieb Frederick das System der Folterungen: "Ich habe ein paarmal gefragt, ob das richtig sei, Gefangene nackt oder in Frauenunterwäsche in ihre Zellen zu sperren oder an die Tür zu ketten - und als Antwort hieß es, der Militärgeheimdienst wolle es so. Die haben uns befohlen, Gefangene ohne Toilette, Wasser und Kleidung für Tage in Zellen ohne Fenster oder Ventilator zu sperren."

Die Reservisten von der 372. Militärpolizei-Kompanie, die im April 2003 in den Irak gekommen waren, um Verkehrskontrollen und normale Polizeidienste vorzunehmen, und im Oktober plötzlich die Gefängnisse zu beaufsichtigen hatten, wurden planmäßig dazu eingesetzt, den Willen der Gefangenen zu brechen: sei es mit Schlägen, Scheinhinrichtungen, Schlafentzug oder Elektroden an den Genitalien. Danach begannen die Verhöre der CIA-Agenten oder Militärgeheimdienstler. Für die Vorbereitung der Häftlinge gab es, so der Beschuldigte Javal Davis als Zeuge, dann Lob von den Geheimdienstlern: "Gut gemacht! Die brechen jetzt wirklich schnell zusammen und beantworten alle Fragen!"

Um die Militärpolizisten zu Monstern werden zu lassen, bedurfte es keiner Befehle. Lob und Anregungen genügten. Soldat Jason Kennel, ein anderer Zeuge im Verfahren, war der Beteiligung an den Folterungen schlicht dadurch entgangen, dass er um eine schriftliche Anweisung gebeten hatte. Die gab es nicht. Und die brauchten Frederick und die anderen Beschuldigten auch nicht. Sie halfen gern.

Nicht über die Feinheiten der Genfer Konvention unterrichtet

Die Soldaten, heißt es nun aus Washington, seien halt nicht über die Feinheiten der Genfer Konvention unterrichtet worden, die den Umgang mit Gefangenen regelt. Als wäre es nicht auch ohne Lektionen in Kriegsrecht naheliegend, dass man Gefangene nicht schlagen oder tiefsten Demütigungen aussetzen darf - die fröhlichen Folterer waren überhaupt nicht auf ihren Einsatz vorbereitet worden, weder vor noch während ihrer Mission. Es war nicht einmal klar, wessen Kommando die Gefangenen unterstehen: dem der Gefängnisverwaltung? Oder jenem der Verhörexperten vom Militärgeheimdienst, die obendrein noch private "Spezialisten" der US-Söldnerfirma Caci angeheuert hatten? Von denen sollen sich zwei an den Folterungen beteiligt haben.

Niemand kontrollierte, was in Block A1 geschah. General Janis Karpinski, der bis vor wenigen Wochen alle Gefängnisse im Irak unterstanden, äußerte sich "zutiefst schockiert", als sie bereits im Januar die Bilder von den Misshandlungen sah. Nichts habe sie davon gewusst, beteuerte die ranghöchste Offizierin im Irak. Einen Monat zuvor hatte sie im Interview davon geschwärmt, dass "die Lebensbedingungen der Häftlinge im Gefängnis besser sind als bei ihnen zu Hause. Wir haben uns schon Sorgen gemacht, dass sie hier gar nicht mehr wegwollen."

Sagenhafte Zustände. Nur hat Janis Karpinski sie kaum je selbst in Augenschein genommen. Schon gar nicht in Block A1, denn darum hatte sie der Militärgeheimdienst gebeten: Es könnte "störend" sein für die Verhöre, wenn sie dort auftauche. US-Generalmajor Antonio Taguba notierte, nachdem er Karpinski über Stunden verhört hatte: "Besonders irritierend war ihre völlige Unfähigkeit oder ihr Unwillen zu verstehen, dass viele der Probleme aus ihrer Unfähigkeit rührten, wenigstens elementare Standards unter ihren Soldaten durchzusetzen." Karpinski, die nach Hause geschickt und nicht unter Anklage gestellt worden ist, hat sich nun ihrerseits in Interviews beklagt, zum Sündenbock gemacht zu werden: Schuld sei doch der Militärgeheimdienst.

Das Image der zivilisierten Briten ist zerstört

Die Vergehen der Militärpolizisten und das Versagen ihrer Vorgesetzten Janis Karpinski waren kaum bekannt geworden, da erschienen in London ähnliche Fotos von Soldaten des Queen's Lancashire Regiment. Auch diese haben allem Anschein nach Gefangene bedroht und misshandelt. Zerstört war damit auf einmal das Image der zivilisierten Briten, die Irakern anders als ihre amerikanischen Kollegen angeblich stets mit Respekt begegneten. Die Bilder hatte ein Soldat der Einheit dem "Daily Mirror" vor zwei Wochen übergeben. Sie zeigen ein Soldaten, der auf einen halb nackten Mann uriniert; andere, die einen Mann mit Füßen treten oder so tun, als würden sie einen Gewehrkolben in die Genitalien eines Häftlings rammen.

 
 
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