Vielleicht auch das. Sicher aber auch, um den Druck auf den Iran zu erhöhen. Doch verantwortliche Führer einer großen Demokratie wie die Vereinigten Staaten sollten sich nicht solch dummer und aufrührerischer Demagogie bedienen. Das muss letztlich zu Konflikten führen. Der Krieg im Irak müsste die Bush-Administration eigentlich genau das gelehrt haben.
Ja. Sanktionen können schmerzhaft sein. Und partiell auch wirksam. Doch wissen wir, ob sich alle Länder daran halten würden?
Ich befürchte, dass Sanktionen vor allem einen Effekt haben: Sie führen zu einer Verschmelzung von iranischem Nationalismus und iranischem Fundamentalismus. Und dann würde der Iran immer unversöhnlicher. Es würde immer schwieriger, mit ihm zu verhandeln.
Theoretisch ja. Aber die Folgen wären katastrophal. So wie jetzt im Irak. Der Krieg hat die Glaubwürdigkeit der USA zerrüttet, ihre Legitimität untergraben und stellt ihre moralische Überlegenheit infrage. Und der Irak ist ein verwüstetes Land. Es ist eine gescheiterte Besatzung. Und das dank der Entscheidungen einer kleinen Gruppe wahrer Gläubiger, die keinerlei Verantwortung für Fehler und sogar für Verbrechen übernimmt.
Wenn wir davon ausgehen könnten, dass solche Entscheidungen nach einer kühlen und rationalen Interessenabwägung erfolgen, dann kann es gar keine militärische Option geben. Aber ich bin eben überhaupt nicht sicher, dass Entscheidungen so rational getroffen werden.
Beides ist falsch. Noch nicht einmal zu Zeiten des Korea- oder des Vietnamkrieges haben amerikanische Präsidenten so etwas behauptet. Nein, all das entspringt einer Atmosphäre der Polarisierung, die durch eine falsche Darstellung der Realität regelrecht genährt wird. Sie trägt so zu einer Weltsicht bei, die Angst fördert und uns von anderen isoliert.
Ein polnischer Emigrant Kalter Krieger und Kritiker von US-Präsident Bush
Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen gilt als einer der einflussreichsten Ex-Politiker der USA. Zbginiew Brzezinski, in Warschau geboren, wuchs in Frank-reich und Deutschland auf. 1938 ging er mit seiner Familie nach Kanada. Der 78-Jährige mit den kantigen Gesichtszügen machte sich als Kalter Krieger einen Namen - dabei engagierte er sich für die Demokratische Partei und beriet schon John F. Kennedy. Unter Präsident Carter wurde er 1977 Nationaler Sicherheitsberater. Er setzte sich für "Moral" in der Außenpolitik ein und forderte das Ende der Entspannungspolitik mit der Sowjetunion. Als US-Botschaftsangehörige 1979 in Teheran als Geiseln genommen wurden, drang er auf eine Seeblockade des Iran. Brzezinski arbeitet heute am renommierten "Zentrum für strategische und internationale Studien" in Washington.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 18/2006