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5. Januar 2009, 08:09 Uhr

Tödliches Morgenrot

Wie Maja und ihre Familie müssen sich momentan eine Million Israelis in Bunkern aufhalten, die meisten von ihnen übernachten auch in den improvisierten Räumen, oft rücken Verwandte und Bekannte zusammen, denn nicht jeder hat einen eigenen Schutzraum. Wen die Platzangst packt, darf in den Alarmpausen zwar raus, muss sich aber in unmittelbarer Nähe aufhalten. Je nachdem, wo sie leben, haben die Menschen zwischen 15 und 45 Sekunden Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen.

Die Schrapnelle trafen ihren ganzen Körper

Immer weiter reichen die Raketen ins israelische Kernland. Normalerweise schießt die Hamas mit den so genannten Kassams, die die Mitglieder in Handarbeit in provisorischen Kellerlabors herstellen. Zusehends werden auch die weiterreichenden Grad-Raketen abgefeuert, offenbar durch Tunnel zu Ägypten ins Hamas-Gebiet geschmuggelt. Sie reichen bis nach Aschdod, mit 230.000 Einwohnern Israels fünftgrößte Stadt. Damit sind sie lediglich noch 20 Kilometer von der Metropole Tel Aviv entfernt. Seit Sonntag herrscht eine andere Realität in Aschdod, der Stadt, die eigentlich berühmt ist für ihre kilometerlangen Sandstrände am Mittelmeer. Tatsächlich glitzert auch in diesen Tagen das blaue Nass verführerisch in der Wintersonne, doch Augen dafür hat niemand.

Gaza-Streifen, Israel, Hamas, Krieg, Nahost-Konflikt

"Die Raketen werden eines Tages sicherlich auch nach Tel Aviv kommen, wenn diejenigen, die dafür verantwortlich sind, nicht gestoppt werden", erklärt Aschdods Bürgermeister Yechiel Lasri, nachdem wieder eine eingeschlagen ist. Diesmal gibt es glücklicherweise nur eine Leicht-Verletzte. Die beiden Frauen, die am vergangenen Montag aus dem Fitnessstudio kamen, hatten kein Glück: Gerade, als Irit Schitrit und ihrer Schwester Ajelet in ihr Auto gestiegen waren, knallte neben ihnen eine Gradrakete in den Boden. Zwar schaffte es Irit noch, sich unters Auto zu werfen, doch die Schrapnelle trafen ihren ganzen Körper. Sie starb noch am Unglücksort, ihre Schwester wurde verletzt.

"Das Leben ist so kein Leben"

Das Leben sei so kein Leben, meint Levi nachdenklich. Das Gefühl, ständig in Gefahr zu sein, bestimme nach einer Weile alles. Während des Alarmzustandes ist der Alltag streng reguliert, Flugblätter und Radiodurchsagen informieren die Menschen rund um die Uhr. So darf es außerhalb der Bunker keine Menschenansammlungen geben. Keine Schule, keine Gottesdienste, keine Konzerte oder sonstige Veranstaltungen. Noch nicht einmal eine kleine Geburtstagsparty.

Bei einem besonders schweren Hamas-Angriff auf Sderot im März des vergangenen Jahres verlor der neunjährige Oscher Twito ein Bein, auch sein Bruder wurde schwer verletzt. Eigentlich wollte Oscher Profi-Fußballer werden, doch das geht jetzt nicht mehr. Die Familie kehrte ihrer Heimatstadt den Rücken, zog ins 25 Kilometer nördlich gelegene Aschdod, in der Annahme, hier endlich Ruhe und Frieden zu finden. Ihre Hoffnungen wurden enttäuscht. Jetzt sitzen Oscher und sein Bruder wieder im Bunker und beten, dass sie nicht noch eine Rakete trifft.

Von Sabine Brandes, Sderot
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