
Die Polizei nimmt Jugendliche fest, die sich in einem Pferdestall versteckt hatten© Eric Vazzoler
Ein paar Hundert Jugendliche sind schon da, und bis zum Samstag, wenn Obama konferieren und lang und schönreden wird, sollen es mehrere Tausend sein. Die paar Hundert, die sich ein "Rodeo" mit der Polizei lieferten, so nannte die Lokalzeitung die Krawalle, werden nicht viel davon mitbekommen, da viele von ihnen am Ende auf dem Boden lagen, mit Kabelbindern gefesselt. Ein französischer Polizist sammelte die Ausweise ein und sagte: "Jetzt machen wir es wie in der Schule." Die Hand hoch, wer aufgerufen wird. Dann ab in den Wagen. Am Abend, um 19 Uhr, endeten die ersten großen Krawalle, und die Polizei war endgültig Sieger. "Die deutschen Polizisten überlegen viel zu viel", sagt ein Deutscher, der im Elsass arbeitet. Er hat sich den Einsatz vom Straßenrand aus angeguckt. "Die Franzosen hauen im Ernstfall zuerst drauf und fragen danach, ob man denn überhaupt dabeigewesen sei." Die Deutschen kontrollieren lieber Pässe, und das machen sie genauer als ihre französischen Kollegen.
Michael aus Karlsruhe, 32 Jahre alt und ohne festen Wohnsitz, sitzt seit Mittwoch in Kehl fest, auf der anderen, der deutschen Seite des Rheins. Ein Beamter hatte ihn durchsucht und laut Protokoll "eine Brille, einen Schal und ein Messer" gefunden, jene Dinge, die ihm aufgrund von "polizeilicher Gefahrenabwehr" abgenommen wurden. Michael sitzt nun mit "dem Captain", wie er seinen Kumpel nennt, auf einer kleinen grünen Wiese, die zwei Straßen trennt. Diese Handvoll Leute will den Presseleuten glaubhaft machen, dass es täglich "hunderten Kollegen" genauso ergehe. Sogar auf Güterzüge hätten sich diese geschmissen, um ins Camp zu kommen.
Die Geschäftsleute in Kehl haben derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zwei französische Polizisten halten mit ihren Motorrädern vor dem Laden von Hussein, 44. Seit mehr als fünf Jahren betreibt er einen Tabakladen, wie so viele hier in diesem Grenzort, die viel Umsatz machen mit Franzosen, die möglichst viel Tabak über die Grenze nehmen wollen. 400 Sorten habe er im Angebot. Doch außer französischen Polizisten kauft kaum jemand Zigaretten in diesen Tagen. Der Umsatz sei um 60 Prozent eingebrochen.
"Die Polizisten wissen, dass sie niemand kontrolliert", sagt Hussein. Aber die Stammkunden, vor allem die Araber und Türken aus Frankreich, die würden gar nicht mehr kommen. Die haben Angst vor den Kontrollen. Jeder mit einem muslimischen Namen werde durchsucht, weil es Warnungen vor terroristischen Anschlägen gebe, sagt Hussein. Ein Bekannter, der aus dem Irak stamme, sei vor Tagen vor seinem Laden von Beamten befragt worden. Aber so richtig, zwei Stunden lang, "der wurde 100 Prozent durchgefilzt".