
Auch nach der Verkündung eines Waffenstillstands war die Situation im Südkaukasus am Mittwoch äußerst angespannt. Auch die militärische Lage war unklar. Georgische Medien berichteten über Plünderungen in der weitgehend zerstörten und von den Bewohnern verlassenen Stadt Gori. Russland dementierte jedoch, Gori angegriffen zu haben. Das Rote Kreuz beklagte verheerende Zustände im Krisengebiet. In weiten Teilen Südossetiens sei die Infrastruktur zerstört.
Am Mittwochvormittag hatte nach Russland auch der georgische Staatspräsident Michail Saakaschwili einer von Frankreich vermittelten Waffenruhe zugestimmt. Dem Plan zufolge müssen beide Seiten ihre Truppen auf die Stellungen vor Beginn der Kämpfe zurückziehen.
Die Europäische Union zeigte sich bereit, Beobachtern nach Georgien und in das abtrünnige Südossetien zu senden. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sagte nach einem Krisentreffen der EU-Außenminister in Brüssel, möglicherweise werde später auch eine bewaffnete EU-Friedenstruppe nötig. Dies sei jedoch nur mit einem Mandat des Weltsicherheitsrats möglich, in dem Russland ein Vetorecht hat.
Bundeskanzlerin Angela Merkel reist in der kommenden Woche nach Tiflis zu Gesprächen mit Saakaschwili. Am Freitag trifft Merkel den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Auch dabei geht es um den Konflikt im Kaukasus.
Georgien hatte in der Nacht zum vergangenen Freitag einen Militäreinsatz gestartet, um die Kontrolle über seine abtrünnige Provinz Südossetien zurückzugewinnen. Moskau reagierte mit einer starken Gegenoffensive, die russische Armee drang dabei auch in georgisches Kernland vor. Nach russischen Angaben starben bei den Kämpfen 2000 Zivilisten sowie 74 russische Soldaten. Wegen des Konflikts mussten nach UN-Angaben etwa 100.000 Menschen fliehen.