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25. Februar 2003, 10:02 Uhr

Amerika marschiert

Einer von rund einem Dutzend F16 Fightern des 52. Jagdgeschwaders startet von der US Air Base Spangdahlem in der Eifel in Richtung Golfregion. Soldaten salutieren zum Abschied© AP

Jesse Bishop und Thomas Aguilar gehören zu jenen 65 Prozent der Amerikaner, die glauben, dass Saddam Hussein etwas mit den Anschlägen vom 11. September zu tun hat. Sie gehören zur großen Mehrheit im Land, die glaubt, dass Gott dem Präsidenten in diesem Krieg zur Seite stehen wird. Und zur kleinen Minderheit, die ab und zu mal ein Wort mit dem Bürger Bush, ihrem hemdsärmligen, Unkraut jätenden Nachbarn, wechseln. Über Unkraut. Und Gott. Und Amerika. "Ich sehe in Ihren Augen, wie sehr Sie unser Land lieben", hat Aguilar ihm neulich zu ihm gesagt. "Ja, das stimmt", hat Bush geantwortet. "Ich sehe in Ihren Augen, dass Sie auch Gott unendlich lieben", hat Aguilar nachgeschoben. "Sie haben so Recht", hat der Präsident gesagt.

Er hatte feuchte Augen, der Präsident. Wenn George Bush am Wochenende in Begleitung dreier Hubschrauber auf seine 1600 Morgen große "Prairie Chapel Ranch" nach Crawford fliegt, steht Thomas Aguilar im Garten, zwischen einer großen amerikanischen und einer noch größeren texanischen Flagge, und salutiert. Der Landschaftsarchitekt lebt mit seiner Frau und drei Kindern in einem Haus am Ortsrand, in dem es mehr Bibelsprüche gibt als Staubflecken. "Die Welt ist viel einfacher, als man immer glaubt", sagt Aguilar. So wie er ab und zu seine Kinder mit einem Gürtel schlagen müsse, wenn sie nicht gehorchen, müsse man auf Saddam einschlagen. "Gott hat schon so manches böse Volk auslöschen lassen", sagt er mit sanfter, friedvoller Stimme. Nur eines, sagt Thomas Aguilar, bringe ihn um den Verstand: "Ich würde so gern für mein Land kämpfen. Oh, Lord, ich wäre so gern dabei."

Gott ist allgegenwärtig in diesen spannungsgeladenen Wochen. Der Präsident zitiert Gott am Morgen und am Abend und am Kabinettstisch. Viele protestantische Kirchen vor allem im Süden der USA schlagen sich auf die Seite der Militärpolitik. Die katholische Bischofskonferenz kommt in einem "Statement on Iraq" zu dem Schluss, der Einsatz von Militär müsse "eindeutige Erfolgsaussichten haben" und dürfe keinen Schaden anrichten, der größer sei als der, den das "Böse" verursacht habe. Es ist ein schwammiges "Ja, aber" zum Krieg.

Father John Grange hat seinen Standpunkt. Er steht in der St. Jerome`s Church, südliche Bronx, und tauft ein Kind. Er predigt in fließendem Spanisch. In der Predigt fallen immer wieder die Worte "Guerra" und "Paz", Krieg und Frieden. Er fühlt sich dem Frieden verpflichtet. Grange, 64 Jahre, rötliche Haare, irische Abstammung, ist ein Mann der Straße. Aufgewachsen in der Bronx, Priester aus Leidenschaft. Es ist eine arme Gegend, geprägt von Immigranten, die nicht viel mehr mitbrachten als einen Traum. Sie lieben ihn dort. Der Father sagt Dinge, die die amerikanischen Kardinäle und Bischöfe so nicht sagen würden. Er erinnert an Don Camillo: Hört, was die Kirche zu sagen hat - und tut dann das Gegenteil.

Nach der Messe sitzt er in seiner Wohnung und löffelt mexikanische Suppe aus dem Stehrestaurant gegenüber. Er schüttelt den Kopf: "Die Kardinäle haben keine Eier. Diese Leute gehören in den Vatikan, hinter Schreibtische. Sie haben den Kontakt verloren zu den Menschen." Father Grange hat die jungen Männer der Bronx in den Krieg ziehen sehen - "die Armen voran" - und nicht mehr zurückkehren. "Die Reichen sterben seltener im Krieg. Sie gehen erst gar nicht hin."

 
 
 
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