Kritik an dem deutschen Militäreinsatz kommt auch von Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU). Er bezeichnete die Informationspolitik des Verteidigungsministeriums zum Luftangriff als Desaster. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er: "Der einzige Weg, um in der Nato, in Afghanistan und auch hier im deutschen Parlament wieder Vertrauen herzustellen, ist die Flucht in die Wahrheit." Es müsse eine totale Offenlegung der Entscheidungsprozesse von deutscher Seite geben. Bisher bestehe eine erhebliche Differenz zwischen den Bildern von verletzten Kindern und Frauen in Kundus und der Aussage des Verteidigungsministeriums, es seien nur Taliban getroffen worden.
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte es entscheidend, dass der Vorfall schnellstmöglich und rückhaltlos aufgeklärt werde. "Wir müssen deutlich machen, dass wir alles tun, um zivile Opfer zu vermeiden", sagte er der "Berliner Zeitung".
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntagabend zugesagt, dass die Umstände des von der Bundeswehr befohlenen Angriffs zügig aufgeklärt würden. Merkel versprach nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown in Berlin, Deutschland werde der Nato-Untersuchungskommission alle relevanten Informationen bereitstellen. Es gehe ihr darum, schnell aufzuklären, ob es auch zivile Opfer gegeben habe. Falls diese zu beklagen seien, bedauere sie das zutiefst.
Zugleich betonte Merkel, dass die deutschen Soldaten und internationalen Truppen in Afghanistan unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten. "Mir ist es sehr wichtig, dass die Soldaten wissen, dass wir hinter ihnen stehen und sie unsere politische Unterstützung haben."
Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt rief die Verbündeten in Nato und EU zudem auf, sich mit öffentlicher Kritik zurückzuhalten. "Mich irritiert, dass die Öffentlichkeit gesucht wird von anderen, obwohl sie wohl auch keinen anderen Informationsstand haben als wir", sagte er CSU-Politiker.