Auf der anderen Seite wurden die Proteste der Kriegsgegner in den USA vor allem von den Fernsehsendern lange ignoriert. "Die Medien haben die Antikriegsproteste in beklagenswerter Weise bis vor kurzem ignoriert", stellt der Herausgeber des Fachblattes "Editor & Publisher", Greg Mitchell, in der Zeitung "USA Today" fest. Selbst bei den großen Friedensdemonstrationen Mitte des Monats hatten die amerikanischen Fernsehsender vor allem nach Europa geblickt, und die Kriegsgegner im eigenen Lande weit gehend ignoriert. Der konservative Sender Fox News sprach auch angesichts Zehntausender protestierender Amerikaner nur von den "üblichen Demonstranten".
Angesichts dieses Desinteresses setzen die Kriegsgegner nun auf neue Wege. Die Gruppe "Win Without War" schaltete teure Werbekampagnen im Fernsehen, und die von Hollywoodstars wie Martin Sheen unterstützte Organisation Moveon.org rief zum virtuellen Marsch auf Washington auf. Nach einer im Internet organisierten Kampagne bombardierten Zehntausende Protestler die Senatoren und das Weiße Haus mit Anrufen, Faxen und E-Mails - eine Aktion von der sich die Organisatoren mehr Medieninteresse erwarteten.
Die Sorge der Fernsehsender vor einer kritischen Berichterstattung wurde auch bei der Grammy-Verleihung am Wochenende deutlich. Nach Medienberichten hatte der Fernsehsender CBS alle Künstler ermahnt, sich nicht kritisch zum Krieg zu äußern. Rockerin Sheryl Crow setzte deshalb auf stillen Protest. Auf dem Gurt ihrer Gitarre stand "No War".