
Viererbande: Zum Abendessen gab's Rucola Salat und Rinderfilet, dazu Nusstorte, schwer und süß. Ein lauer, freundlicher Abend, Texas at its best© Matthew Cavanaugh/EPA
Afghanistan und Pakistan, der Nahe Osten, der Irak, der deutsche Sitz im Weltsicherheitsrat ("Sie hat mir dazu einige anregende Ideen präsentiert" orakelte Bush ) und die Klimakatastrophe standen auf dem Stundenplan. Doch vor allem ging es um den Iran mit seinem Nuklearprogramm.
Merkel weiß, zu Hause, in Deutschland wartet man auf ein klares Wort von ihr - auch in der Iran-Frage. Man fürchtet eine Eskalation des Konfliktes, gar Militärschläge der USA. Und will von ihr den "Goslar-Moment", das öffentliche Bekenntnis, dass sich Deutschland in jedem Fall militärischen Abenteuern verweigert.
Aber sie ist nun mal nicht der Schröder. Würde eine derartige öffentliche Brüskierung niemals riskieren. Auf keinen Fall will sie den Anschein erwecken, man spiele nicht mit offenen Karten. Sie will Deutschlands Platzvorteil als strategischen Partner der USA sichern. Also wird die Parole "Optimismus" ausgegeben. Der Präsident wolle doch eigentlich gar keinen Krieg, heißt es. Ein militärisches Vorgehen der USA sei doch eigentlich eher unwahrscheinlich. Eigentlich.
Doch natürlich hört sie ganz genau hin, wenn Bush sagt: "Der Iran ist das wichtigste Thema meiner Agenda." Registriert aufmerksam, wenn er sein Verständnis von Diplomatie offenbart: "Ich schulde es dem amerikanischen Volk, sagen zu können, dass ich versucht habe, dieses Problem diplomatisch zu lösen."
Und runzelt dann auch mal die Stirn, wenn der Präsident während der Pressekonferenz von seiner Art des "multilateralen Ansatzes" spricht, den er schließlich auch schon in der Irak-Frage vertreten habe: "Ich finde, ich war auch schon in meiner ersten Amtszeit ziemlich multilateral. Ich bin zu den Vereinten Nationen gegangen und habe gesagt: Wir haben ein Problem."
Multilateral, gibt er zu verstehen, sind die USA auch schon in den Irak-Krieg gezogen.
Sie darf nicht untätig erscheinen, gar unentschlossen. Also kein Schäkern with Mr. President während der Pressekonferenz, ein kurzes Lob über das "wunderbare Fleckchen Erde" hier in Crawford, und dann ruck, zuck, zur Sache, und jedes Wort, das die Dolmetscherin übersetzte, nickte sie noch mal extra ab.
Und immerhin: Zuhause kann sie ein anständiges Ergebnis präsentieren, einen diskreten Erfolg, ganz nach Merkel-Art. Sie verständigte sich mit George Bush auf einen weiteren diplomatischen Versuch in der Iran-Frage. "Wir haben die nächsten diplomatischen Schritte ins Visier genommen", sagte Merkel. "Und wir müssen nicht nur über Sanktionen reden, sondern dann muss das auch beschlossen werden."
Und sie versprach, den Druck auf die deutsche Wirtschaft zu erhöhen. Deutsche Unternehmen - die jedes Jahr Milliardengeschäfte mit dem Iran machen - sollten ihre Geschäfte einstellen, zumindest zurückfahren. Damit hat sie sich zunächst geschickt aus der Schusslinie gebracht, denn schon seit Monaten wird heftig Druck auf die deutsche Wirtschaft gemacht. Und zwar vom stellvertretenden US-Finanzminister Robert Kimmitt. Außerdem wollen die USA einseitige Sanktionen europäischer Länder gegen den Iran sehen. Doch die wird es erst einmal nicht geben.
Und dann war es auch schon vorbei. Er wolle ihr einen Hamburger braten, rief der Präsident noch. Friedlich zirpten die Vögel auf der Prairie Chapel Ranch, ein laues Lüftchen wehte an diesem Samstag in Crawford, Texas.
Nur draußen, vor den Sperrgittern der Zufahrt, hatten sich ein paar Demonstranten postiert. Sie hielten ein Plakat: "No war in Iraq" stand darauf. Das "q" hatten sie durchgestrichen. Und ein "n" darübergemalt.
P.S. In Crawfords Souvenirshop "Red Bull" sind noch viele deutsch-amerikanische Freundschaftstassen zu haben.