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21. Dezember 2007, 09:00 Uhr

Die wahre Berufung eines Predigers

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee liegt in den Umfragen vorn. Früher war er ein Teleprediger© Keith Bedford/Reuters

Andererseits kennt er auch keine Rücksichtnahme, wenn er Kritik an den herrschenden Verhältnissen übt. Präsident Bush bescheinigt er "arrogante Bunker-Mentalität." Anders als die republikanische Mehrheit will er den Kindern illegaler Einwanderer Zugang zum amerikanischen Schulsystem gewähren. Das sieht er als seine Christenpflicht. "Man sollte Kinder nicht für die Sünden ihrer Eltern bestrafen." Und in der Diskussion um so genannte "harte Verhörmethoden" der Bush-Regierung bezog er eindeutig Position: das so genannte waterboarding, das Fast-Ertränken, bezeichnet er als "Folter."

Mike Huckabee, 52, gibt Amerikas Evangelikalen eine neue Stimme. Und die ist nicht zu unterschätzen. Zwar weiß er noch nicht, woher er die Millionen für einen größeren Wahlkampf nehmen soll. Er hofft auf Spenden der Glaubensbrüder und Agitation durch die Prediger in den Kirchen. Seine Fans sehen ihn schon auf dem Siegeszug: ein Sieg in Iowa, gutes Abschneiden in New Hampshire, und dann, am 19. Januar, ein Sieg in South Carolina. Ein Sieg im religiösen, Süden. Dort, wo die konservative Basis zu Hause ist. Dann ginge bei den Republikanern nichts mehr ohne ihn.

Huckabee hat das Talent zum Reden

Er wird geboren in Hope, einem winzigen, armen Örtchen in Arkansas, wie ein Anderer, der später berühmt werden würde: Bill Clinton. "Der verließ Hope, als er sieben war", sagt Huckabee. "Ich aber blieb."

Sein Vater ist Mechaniker und Feuerwehrmann ohne Schulabschluss, er erzieht seinen Sohn so streng, dass der Angst vor ihm hat. Die Familie lebt in einem winzigen Häuschen, immerhin - es gibt kein Außenklo mehr. Jeden Sonntag geht seine Mutter Mae mit ihm und seinem Bruder Pat in die Missionarskirche. Dort lernt Mike schon früh, dass die Evolutionslehre eine falsche Lehre sei und Homosexualität eine Todsünde.

Mike ist klein, er ist schüchtern, er wird der Klassenclown, man lacht über ihn, und man lacht ihn aus. Er findet erste Bestätigung als Gitarrist in einer Rock-n-Roll-Band. Und er hat ein großes Talent: Mike Huckabee kann reden. Mit 14 fängt er als Ansager im örtlichen Radio an. Und heiratet seine Jugendliebe Janet.

Wie ein Alleinunterhalter

Karriere aber macht er als Berufs-Prediger. Er studiert an einer Baptisten-Universität, arbeitet als Radioansager, dann wird er von dem einflussreichen Tele-Evangelisten James Robinson entdeckt. Der kauft ihm den ersten anständigen Anzug und setzt ihn vor eine Fernsehkamera. 1993 leitet Huckabee die rund 500.000 Mitglieder zählende Baptisten-Vereinigung in Arkansas, als er von dort aus den Sprung in die Politik wagt. Er absolviert drei Amtszeiten als Gouverneur von Arkansas. Im eher demokratischen geprägten Bundesstaat gilt dies als großer Erfolg für einen Republikaner.

Man mag ihn, er baut neue Strassen, er hat das Herz am rechten Fleck, und er kann ja gut reden. Wie ein Alleinunterhalter, immer für eine selbstironische Pointe gut. Und immer in leicht verdaubaren 45-Sekunden-Häppchen präsentiert. Schließlich war er ja mal Teleprediger.

Doch er gilt auch als dünnhäutig, oft stellt er Kritiker mit anstößigen Witzen bloß. Während seiner Amtszeit akzeptiert er Geschenke im Wert von mindestens 150.000 Dollar - das tut er als Petitesse ab. Als seine Frau Janet 2002 für ein hohes politisches Amt kandidiert, wird es selbst den geduldigen Wählern in Arkansas zuviel - sie bescheren ihr eine verheerende Niederlage. Und man nahm auch übel, dass er früher Rednerhonorare aus einem undurchsichtigen Fonds erhalten hatte, der offenbar zu großen Teilen von einem großen US-Tabakkonzern finanziert wurde.

Zurück zur alten Größe Amerikas

Er wolle Amerikas Größe wiederherstellen, sagt er, als er Anfang dieses Jahres in den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur einsteigt. Seine Strategie? "Wie beim Autorennen", sagte er einem Journalisten der New York Times. "Man wartet, bis die anderen, die Schnelleren gegen die Mauer gefahren sind." Er läuft unter dem Radarschirm der öffentlichen Wahrnehmung - bis er im August bei einer ersten Testwahl im Bundesstaat Iowa überraschend auf Platz zwei landet. Danach, sagt Huckabee, "bestürmte mich die Presse wie Britney Spears nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis."

Er hatte einen Nerv bei den verunsicherten Wählern in Iowa getroffen - anders als seine Konkurrenten Romney und Giuliani griff Huckabee auch die wirtschaftlichen Probleme der Menschen auf. Und jetzt präsentiert er sich als "christlicher Führer". Prinzipen seien wichtiger als die Politik einer Partei. Schaltet Fernsehwerbung, in dem im Hintergrund Bücher zu sehen sind, aufgebaut wie ein christliches Kreuz. Lockt mit seinen einfachen, netten Botschaften, ein Kandidat von nebenan, der sich nicht verstellen muss. So füllt er das Vakuum dieses monströsen Wahlkampfes, befriedigt die Sehnsucht nach Authentizität.

Er zitiert die Bibel so oft, so leidenschaftlich, dass man sich in einer Predigt glaubt. Redet sich charmant um kritische Fragen herum: Wäre Jesus für die Todesstrafe gewesen? "Jesus wäre viel zu klug gewesen, jemals für ein öffentliches Amt zu kandidieren", sagt er. Und hat die Lacher auf seiner Seite.

"Dieser Wahlkampf ist ein Marathonlauf", sagt er. Die erste Etappe führt durch Iowa. Und er liegt gut im Rennen.

Von Katja Gloger, Washington
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KOMMENTARE (10 von 25)
 
scully78 (23.12.2007, 13:00 Uhr)
Schwachsinn
Abtreibung als Holocaust zu bezeichnen ist der groesste Schwachsinn den ich bis jetzt gehoert hab.So ein Kommentar zeugt nur von dummer Arroganz.Und kann ja nur von einem Mann stammen.Der meiner Meinung nach dazu überhaupt nichts zu sagen hat, er ist nicht schwanger er steht nicht vor Problemen.Wer zieht sich denn gern bei Schwangerschaften schnell aus der Verantwortung???Wer drängt denn oft die Frauen eben zu einer Abtreibung????aber sowas kommt ja meistens von der Kirche.Die sich ja immer überall einmischen müssen und bestimmen wollen.Noch ein Grund warum ich nicht eintrete:))
Aber zu allgemeinen zurück.Die Intoleranz ist bei den Amerikanern nicht erst seit dem 11ten September.Der besteht schon seit sie existieren.
Luciano (22.12.2007, 20:35 Uhr)
@jack
Das Klima in meiner Umgebung IST kinderfreundlich, die Gesellschaft in der ich lebe, ist es leider nicht. Es ist aber nicht meine Aufgabe, die Zahl der Abtreibungen zu senken. Wie ich schon einmal erwähnt habe, muss jeder diesen Schritt für sich selber entscheiden. Trotdem erlaube ich mir eine Meinung zu diesem Thema zu haben, auch wenn die nicht populär sein mag. Bestimmt aber, lasse ich mir nicht vorschreiben zu welchem Thema ich zu schweigen habe und zu welchem nicht, schon gar nicht von jemandem, der lieber auf Talkshowniveau herumprollt, als sachlich zu diskutieren.
Ich bin übrigens mehrfacher Patenonkel und stehe sehr wohl zu meinen Verpflichtungen.
JackintheBox (22.12.2007, 20:00 Uhr)
@luciano
Sie sind also gegen Abtreibung? Da hab ich was für Sie: statt sich in hirnrissigem Gegeifer über Mütter, die ja "nicht ganz unschuldig" an der Schwangerschaft sind und längeren Erörterungen über Spermien sollten Sie sich fest vornehmen, alles dafür zu tun, dass die Zahl der Abtreibungen sinkt. Wie? Das ist leider nicht ganz einfach: sie müssen selber dafür sorgen, dass das Klima in Ihrer Umgebung kinderfreundlicher wird. Wenn sie in Ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis eine Frau haben, die ungewollt schwanger geworden ist, dann sichern Sie ihr Ihre Hilfe zu - und dan stehen Sie zwanzig Jahre lang zu Ihrem Wort, etwa als Patenonkel. Enthalten Sie sich moralischer Wertungen, wenn eine Frau ohne Partner schwanger ist. Seien Sie eine Stütze der Gesellschaft. Ach, zu schwierig? Dann, tut mir leid, müssen Sie wohl zu dem Thema schweigen.
Luciano (22.12.2007, 18:10 Uhr)
@km2000
Ich sehe diese Bezeichnung nicht als ignorand an, sondern als zutreffend. Ignorand ist vielmehr, sich etwas vorsetzen zu lassen (sei es nun von der Gesetztgebung oder der Bevölkerung, die in ihrer breiten Masse ja nun auch nicht gerade vor Intelligenz sprüht) und das ohne zu hinterfragen hinzunehmen. Dass die Regelungen zur Abtreibungen von der breiten Masse der Bevölkerung getragen wird, habe ich nie bestritten, nur werden sie dadurch nicht besser. Vielleich haben sie nicht genau verstanden, worauf ich hinaus wollte: Ich kritisiere ja gerade die Tatsache, dass die momentanen Regelungen der Abtreigungen in der Form von der Bevölkerung akzeptiert werden. Was die Rechte der Frau angeht: Das Recht auf Leben sollte über allem anderen stehen. Oder sollte eine Frau auch das Recht haben ihr Neugeborenes zu töten, weil es sie in ihrer persönlichen Entfaltung behindert? Da muss ich doch wieder fragen: Ab wann ist denn für Sie der Zeitpunkt gekommen, ab dem das Lebensrecht des Kindes über den Rechten der Mutter steht?
km2000 (22.12.2007, 16:44 Uhr)
@luciano
Die Bezeichnung von Abtreibung als "staatlich legalisierter Holocaust" ist ignorant und negiert die Rechte der Frau. Es gibt zu dem Thema recht präzise rechtliche Regelungen die von der großen Mehrheit der Bevölkerung getragen wird.
sportartmakler (21.12.2007, 16:34 Uhr)
es wird wohl eine frage des glaubens sein luciano
und die abtreibung als bequem zu bezeichnen ist doch wohl ein wenig überspitzt, zumal sich die meisten frauen wohl ihre gedanken machen wenn sie vor dieser entscheidung stehen. ich werte das recht auf selbstbestimmung der mutter hier eindeutig höher. außerdem müßten hier auch wieder ausnahmeregelungen her bei einem verbot der abtreibung. kinder aus vergewaltigung? behinderung die feststehen?
dann gibt es wiederum das genaue gegenteil. relativ unterbelichtete frauen( talkshowgäste sind der beweis) die ein kind nach dem anderen abtreiben. die sind grundsätzlich, auch aus meiner pro-abtreibungsposition heraus, das allerletzte. auf der anderen seite kann man froh sein dass solche frauen dann doch keine kindwer haben.
um auf meine überschrift zurück zu kommen. ich denke die zwei meinungen sind häufig durch die vorhandene, oder aber eben nicht vorhande religiösität zurückzuführen.
falls es erlaubt war sich bei diesem artikelfremden thema mal reinzuhängen;-)
ein frohes fest allen
Luciano (21.12.2007, 15:26 Uhr)
@Nightmare
Also erst einmal würde ich nicht "Eigenständigkeit" als Kriterium fürs Lebensrecht heranziehen, ein Neugeborenes ist schliesslich auch nicht eigenständig. Trotzdem ist Ihre Frage berechtigt und über eine Antwort kann man sicherlich streiten. Nun behaupte ich nicht von mir die Weisheit gepachtet zu haben, ich persönlich allerdings würde sowohl (unbefruchtete) Eizelle als auch Samen noch nicht als Leben bezeichnen, vielmehr als "Bauteile", aus denen Leben entstehen kann. Falls sie mit Zeugung, die Befruchtung der Eizelle meinen: Ich denke dies ist in der Tat der Moment, in dem Leben entsteht. Lässt man von diesem Zeitpunkt an der Natur freien Lauf, ist das Endresultat ein Lebewesen. Von diesem Moment an muss man AKTIV eingreifen um zu verhindern, dass Leben entsteht. Das trifft weder auf unbefruchtete Eizelle noch Spermium zu. Eine Frau ist somit auch keine Mörderin wenn sie nicht schwanger wird. Es gibt einen signifikanten Unterschied darin, ob man durch Passivität etwas nicht geschehen lässt oder durch Aktivität verhindert, dass etwas geschieht. Ich denke im Grunde ist jedem Menschen dieser Unterschied auch klar. Nur ist es halt einfach vieeel zu bequem ein Kind abzutreiben, wenn es einem grade nicht in dem Kram passt. Und da es vor dem Gesetz auch OK ist, ist man doch gut aus dem Schneider, oder?
nightmare_online (21.12.2007, 14:42 Uhr)
@Luciano
Nur mal so gefragt:
Wann fängt denn nun das Leben an? Bei der Zeugung? Na dann ists ja nicht "eigenständig", oder? Da könnte man ja genauso auch argumentieren das Eizelle oder Samen schon "Leben" sind.
Also wenn die Eiszelle entsteht? Wenn das Sperma entsteht?
Und ergibt sich daraus nicht die logische Pflicht einer Frau immer schwanger zu sein? Ist eine nicht-schwangere Frau nicht schon automatisch eine Mörderin? Fragen über Fragen.
chatahootchee (21.12.2007, 13:49 Uhr)
NOTRUF
Also, wenn ich diesen Dumpfsinn hier aus der Ferne lese, der 911-Anruf ist wohl die einzigste Loesung. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Unkenntnis in grossartigster Manier in Meinungs- und Stimmungsmache umgesetzt werden kann.
Roy05441 (21.12.2007, 13:28 Uhr)
"I am happy"
i standing hier, hinieden, meine Mama hat mkich nicht abgetrieben!
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