
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee liegt in den Umfragen vorn. Früher war er ein Teleprediger© Keith Bedford/Reuters
Andererseits kennt er auch keine Rücksichtnahme, wenn er Kritik an den herrschenden Verhältnissen übt. Präsident Bush bescheinigt er "arrogante Bunker-Mentalität." Anders als die republikanische Mehrheit will er den Kindern illegaler Einwanderer Zugang zum amerikanischen Schulsystem gewähren. Das sieht er als seine Christenpflicht. "Man sollte Kinder nicht für die Sünden ihrer Eltern bestrafen." Und in der Diskussion um so genannte "harte Verhörmethoden" der Bush-Regierung bezog er eindeutig Position: das so genannte waterboarding, das Fast-Ertränken, bezeichnet er als "Folter."
Mike Huckabee, 52, gibt Amerikas Evangelikalen eine neue Stimme. Und die ist nicht zu unterschätzen. Zwar weiß er noch nicht, woher er die Millionen für einen größeren Wahlkampf nehmen soll. Er hofft auf Spenden der Glaubensbrüder und Agitation durch die Prediger in den Kirchen. Seine Fans sehen ihn schon auf dem Siegeszug: ein Sieg in Iowa, gutes Abschneiden in New Hampshire, und dann, am 19. Januar, ein Sieg in South Carolina. Ein Sieg im religiösen, Süden. Dort, wo die konservative Basis zu Hause ist. Dann ginge bei den Republikanern nichts mehr ohne ihn.
Er wird geboren in Hope, einem winzigen, armen Örtchen in Arkansas, wie ein Anderer, der später berühmt werden würde: Bill Clinton. "Der verließ Hope, als er sieben war", sagt Huckabee. "Ich aber blieb."
Sein Vater ist Mechaniker und Feuerwehrmann ohne Schulabschluss, er erzieht seinen Sohn so streng, dass der Angst vor ihm hat. Die Familie lebt in einem winzigen Häuschen, immerhin - es gibt kein Außenklo mehr. Jeden Sonntag geht seine Mutter Mae mit ihm und seinem Bruder Pat in die Missionarskirche. Dort lernt Mike schon früh, dass die Evolutionslehre eine falsche Lehre sei und Homosexualität eine Todsünde.
Mike ist klein, er ist schüchtern, er wird der Klassenclown, man lacht über ihn, und man lacht ihn aus. Er findet erste Bestätigung als Gitarrist in einer Rock-n-Roll-Band. Und er hat ein großes Talent: Mike Huckabee kann reden. Mit 14 fängt er als Ansager im örtlichen Radio an. Und heiratet seine Jugendliebe Janet.
Karriere aber macht er als Berufs-Prediger. Er studiert an einer Baptisten-Universität, arbeitet als Radioansager, dann wird er von dem einflussreichen Tele-Evangelisten James Robinson entdeckt. Der kauft ihm den ersten anständigen Anzug und setzt ihn vor eine Fernsehkamera. 1993 leitet Huckabee die rund 500.000 Mitglieder zählende Baptisten-Vereinigung in Arkansas, als er von dort aus den Sprung in die Politik wagt. Er absolviert drei Amtszeiten als Gouverneur von Arkansas. Im eher demokratischen geprägten Bundesstaat gilt dies als großer Erfolg für einen Republikaner.
Man mag ihn, er baut neue Strassen, er hat das Herz am rechten Fleck, und er kann ja gut reden. Wie ein Alleinunterhalter, immer für eine selbstironische Pointe gut. Und immer in leicht verdaubaren 45-Sekunden-Häppchen präsentiert. Schließlich war er ja mal Teleprediger.
Doch er gilt auch als dünnhäutig, oft stellt er Kritiker mit anstößigen Witzen bloß. Während seiner Amtszeit akzeptiert er Geschenke im Wert von mindestens 150.000 Dollar - das tut er als Petitesse ab. Als seine Frau Janet 2002 für ein hohes politisches Amt kandidiert, wird es selbst den geduldigen Wählern in Arkansas zuviel - sie bescheren ihr eine verheerende Niederlage. Und man nahm auch übel, dass er früher Rednerhonorare aus einem undurchsichtigen Fonds erhalten hatte, der offenbar zu großen Teilen von einem großen US-Tabakkonzern finanziert wurde.
Er wolle Amerikas Größe wiederherstellen, sagt er, als er Anfang dieses Jahres in den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur einsteigt. Seine Strategie? "Wie beim Autorennen", sagte er einem Journalisten der New York Times. "Man wartet, bis die anderen, die Schnelleren gegen die Mauer gefahren sind." Er läuft unter dem Radarschirm der öffentlichen Wahrnehmung - bis er im August bei einer ersten Testwahl im Bundesstaat Iowa überraschend auf Platz zwei landet. Danach, sagt Huckabee, "bestürmte mich die Presse wie Britney Spears nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis."
Er hatte einen Nerv bei den verunsicherten Wählern in Iowa getroffen - anders als seine Konkurrenten Romney und Giuliani griff Huckabee auch die wirtschaftlichen Probleme der Menschen auf. Und jetzt präsentiert er sich als "christlicher Führer". Prinzipen seien wichtiger als die Politik einer Partei. Schaltet Fernsehwerbung, in dem im Hintergrund Bücher zu sehen sind, aufgebaut wie ein christliches Kreuz. Lockt mit seinen einfachen, netten Botschaften, ein Kandidat von nebenan, der sich nicht verstellen muss. So füllt er das Vakuum dieses monströsen Wahlkampfes, befriedigt die Sehnsucht nach Authentizität.
Er zitiert die Bibel so oft, so leidenschaftlich, dass man sich in einer Predigt glaubt. Redet sich charmant um kritische Fragen herum: Wäre Jesus für die Todesstrafe gewesen? "Jesus wäre viel zu klug gewesen, jemals für ein öffentliches Amt zu kandidieren", sagt er. Und hat die Lacher auf seiner Seite.
"Dieser Wahlkampf ist ein Marathonlauf", sagt er. Die erste Etappe führt durch Iowa. Und er liegt gut im Rennen.