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16. September 2009, 20:40 Uhr

Geheimsache "Arctic Sea"

Arctic Sea, Russland, Waffen, Piraten

Festnahme der Piraten: Die Entführer waren stiernackig, brutal und gut vorbereitet© Reuters TV/RTR

Drei Versorgungsschiffe, ein Atom-U-Boot und eine Fregatte

Der Kreml setzte zum Auffinden der "Arctic Sea" drei Versorgungsschiffe der Schwarzmeerflotte, ein Atom-U-Boot und die Fregatte "Ladni" ein. Zudem war der Militärgeheimdienst GRU involviert. Viel Aufwand für ein paar Tonnen Holz im Wert von 1,3 Millionen Dollar. Präsident Dmitri Medwedew erklärte, die Rettung der russischen Mannschaft sei ihm jeden Aufwand wert. Es war schließlich die Fregatte "Ladni", die die "Arctic Sea" 400 Seemeilen vor den Kapverdischen Inseln stellte. Der Kapitän ließ die Geschütze auf den entführten Frachter richten und drohte über Funk: "Aufgeben, oder wir schießen!"

Die Piraten entschlossen sich zum aufgeben. Sie wurden festgenommen und zusammen mit elf der fünfzehn Besatzungsmitglieder von den Kapverden Sal nach Moskau geflogen. Dazu schickten die Russen zwei Iljuschin Il-76-Transportflugzeuge nach Sal, wo die Rote Armee noch zu Zeiten des Kalten Krieges eine riesige Landebahn in den Wüstensand betoniert hatte. So eine Il-76 kann bis 40 Tonnen Last transportieren, sieben Mann sind nötig, um sie zu fliegen. Zwei Maschinen für 19 Passagiere - auch das beflügelt die Spekulationen um einen Waffenschmuggel, der vertuscht werden soll.

Gespräche fanden unter Bewachung statt

In Moskau wurden die Piraten und ebenso die Besatzung ins FSB-Gefängnis im Stadtteil Lefortowo gebracht. Fast zwei Wochen hielt man die Seeleute in dem unscheinbaren rosafarbenen Zellenblock fest. Der Kreml wollte geklärt wissen, ob sie in die Affäre verwickelt sind. Ihre Angehörigen durften sie nur hin und wieder von einer Geheimnummer anrufen; die Gespräche fanden unter Bewachung statt und dauerten nie länger als anderthalb Minuten. Am 29. August wurden die Männer, lediglich mit alten Armeeuniformen am Leib, in Zug Nr. 324 nach Archangelsk gesetzt. Alle stammen aus der maroden Hafenstadt im Norden. Bei ihrer Ankunft am Bahnhof fragten Lokaljournalisten, wie es im FSB-Gefängnis gewesen sei. "Nicht besonders", antworteten sie schmallippig.

Ansonsten schwiegen die Seeleute. Die "Arctic Sea"-Affäre ist ein schwebendes Verfahren, es geht um die nationale Sicherheit - da wird Geheimnisverrat mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft. Nur die Ehefrauen lassen sich davon nicht einschüchtern. Sie sind erbost, dass ihre Männer wie Verbrecher verhandelt wurden. "Dabei waren sie doch Opfer", sagt Vera Potechin, Frau des 43-jährigen Matrosen Michail Potechin. Ihrem Mann hätten die Piraten die Hände so fest mit Plastikschnüren zusammengebunden, dass sie beinahe abgestorben wären. "Er wurde bei hohem Wellengang über die Bordwand gehängt, weil er den Schiffsnamen überpinseln sollte. Oben stand immer einer mit einer Waffe." Scheinhinrichtungen hätten die Piraten durchgeführt und dabei in die Luft geschossen. "Den Schock hat mein Michail noch nicht überwunden."

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Holzladung war uninteressant, außerdem sind die Gewässer vor Schweden viel zu riskant für Piraten

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