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10. Dezember 2009, 17:08 Uhr

Obamas gerechter Krieg

Ein Etappensieg für Obama

Heute war Obama, der internationale Staatsmann, dran. Der Präsident und Oberbefehlshaber. Er lieferte eine ebenso furiose wie nachdenkliche Regierungserklärung als Präsident des Planeten Erde. Sein Auftritt wurde ein wichtiger Etappensieg in seiner globalen Glaubwürdigkeitsoffensive. Und zugleich die Rechtfertigung eines Mannes, der nun befehlen muss, dass seine Soldaten andere Menschen töten. Oder selbst getötet werden.

Da stand ein grundvernünftiger Mann vor der Welt, selbstbewusst, klug, konzentriert. Weder Messias noch Hoffnungsapostel und nur ein bisschen sentimental. Und schon in der vierten Minute kam er auf den Krieg zu sprechen, auf die beiden Kriege, die er nun führen muss. "Was ist ein gerechter Krieg?" fragte er: "Ich bezeuge die moralische Kraft des Gewaltverzichts. Aber gewaltfreie Bewegungen hätten Hitlers Armeen nicht aufgehalten. Und stelle mich der Welt, wie sie ist. Ich muss mein Land schützen. Ja, Krieg ist manchmal erforderlich. Aber er ist zugleich auch immer Ausdruck menschlichen Scheiterns. Ja, Krieg spielt eine Rolle bei der Bewahrung des Friedens. Der Krieg selbst aber ist ohne Glanz."

Da präsentierte sich ein Präsident im Krieg, der kein Kriegspräsident sein will. Dieser Präsident wird auch in Zukunft Gewalt anwenden - als rational und humanitär begründete ultima ratio: "Dass Gewalt manchmal notwendig ist, ist kein Zynismus, sondern Anerkennung historischer Tatsachen." Kein patriotisches Gefasel, keine Kriegslügen mehr wie noch von George W. Bush - und zugleich die klare Absage an "heilige" Kriege aller Art. Er werde internationale Normen einhalten, im Frieden wie im Krieg.

Neue Bescheidenheit

Und so legte Barack Obama einmal mehr ein Bekenntnis zu den USA als einer weltweit engagierten Supermacht ab, die sich in neuer Bescheidenheit übt. Ein glaubwürdiger Appell an Dialog, Vernunft, über Grenzen, Religionen, Ideologien hinweg. Denn globale Probleme lassen sich am besten gemeinsam lösen. Pragmatisch, in Kompromissen. Zu dieser Gemeinsamkeit bekannte er sich. Er hat diesen Krieg geerbt, Afghanistan, Pakistan, Al Kaida, eine ganze Region, die auf dem Pulverfass lebt. Erbte sieben verlorene Kriegsjahre, in denen sich Amerika um seine Glaubwürdigkeit brachte. Jetzt muss Obama in Afghanistan faktisch noch einmal neu anfangen, mehr als 100.000 US-Soldaten sollen die wiedererstarkenden Taliban nun in ihre Grenzen weisen. Es ist die Strategie der Eskalation, die sein Vorgänger George W. Bush in höchster Not schließlich im Irak anwandte: die "surge", eine Flutwelle amerikanischer Soldaten, die die Bevölkerung solange schützen sollen, bis Militär und Polizei selbst für Sicherheit sorgen können. Im Irak funktioniert es - mehr schlecht als recht. Die US-Truppen aber ziehen ab. Von einem Sieg in Afghanistan sprach Obama wohlweislich auch heute nicht. "Stabilisierung" lautet die offizielle Sprachregelung. Er weiß ja, er wird Afghanistan keinen Frieden bringen.

Doch dafür braucht er Partner. Sein Amerika, Obamas Amerika, fordert Verantwortung, Engagement und "Opfer" auch von anderen. Und so redete er einmal wieder seinen Freunden in Europa ins Gewissen: "Wir haben Fehler gemacht. Aber die simple Wahrheit ist auch: Wir haben seit 60 Jahren zur Sicherheit in der Welt beigetragen. Mit unseren Waffen und mit dem Blut unserer Bürger. Amerika kann den Frieden nicht allein sichern", sagte er. "Wir können nicht alleine handeln. Auch in Afghanistan nicht."

Und eine schlief ganz friedlich

Und dann ist da noch der Rest der Welt. Der Nahe Osten, Israel und seine Siedlungen, die Palästinenser und ihre Hamas, der Iran und seine Atombombe. Nordkorea, China, der Hunger, die Armut, die Klimakatastrophe. "Er kommt mir vor wie ein Schach-Großmeister, der sechs Partien simultan spielt", so Henry Kissinger über Obamas außenpolitische Herausforderungen. "Er hat allerdings noch kein einziges Spiel beendet."

Er hat wenig Zeit, er weiß, ein paar Jahre nur. Eigentlich wäre er am liebsten sofort wieder zurückgeflogen nach Washington. Doch das Protokoll gebietet das Staatsbanquet am Abend, einen Blick auf den Fackelzug zu seinen Ehren.

Barack Obama hatte ein paar Freunde nach Oslo mitgebracht, auch den Schauspieler Will Smith mit Frau und der kleinen Tochter Willow. Das Mädchen schlief, als Obama vom göttlichen Funken in der Seele jedes Menschen predigte. Sie schlief, ganz friedlich an Papas Schulter.

Von Katja Gloger
Seite 1: Obamas gerechter Krieg
Seite 2: Ein Etappensieg für Obama
 
 
KOMMENTARE (10 von 91)
 
Administrator (11.12.2009, 10:18 Uhr)
Liebe User,
Wir schließen die Debatte an dieser Stelle, da es nicht möglch scheint, vernünftig und sachlich zum Thema zu diskutieren!

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins


Malt (11.12.2009, 10:12 Uhr)
@laketahoe
"Das kommt dabei heraus, wenn Amerikaner ständig als schlecht schulgebildet, prüde und nationalistisch in der Wolle gefärbt dargstellt werden"
.
Nicht dargestellt werden - sich selbst darstellen wäre richtig! Also wenn ich drüben bin stellen sich die Amis immer exakt so dar wie von Ihnen geschildert... wobei ich Ignoranz, Oberflächlichkeit und egoistisch noch ergänzen würde.
kldrkur (11.12.2009, 10:04 Uhr)
Beschämend
Die Vergabe dieses Friedensnobelpreises ist einfach lächerlich. Sie belegt aber auch den simp-
len Geist der Jurymitglieder, denn diese
Entscheidung beruht einzig und allei darauf, dass der Wechsel vom angeblichen Bösmenschen Bush zum angeblichen Gut-
menschen ( Halbgott ) Obama belohnt werden soll. Die bisherige Amtsausführung Obamas unterscheidet
sich von der Bushs nämlich nur durch das Gerede von besseren Zeiten, nicht durch Taten.
Malt (11.12.2009, 10:04 Uhr)
Ich finde....
....dass dieser Preis, gerade weil ihn Leute, die sich und Ihr ganzes Leben in den Dienst für den Menschen gestellt hatten wie Mutter Teresa, Leuten wie Obama, der eigentlich NOCH NICHTS geleistet hat, schlcihtweg nicht zusteht! Man hättte sicherlich einen besseren Preisträger gefunden der ihn mehr verdient hätte. Und er weiß das auch. Wenn er Rückrat hätte, hätte er die Annahme des Preises dankend abgelehnt.... naja, aber was will man schon von jemanden erwarten, der momentan den Versuchballon für einen "Weltpräsidenten" spielen muss, ne? Fällt das eigentlich irgendwem sonst noch auf? Dass man beim Obama schon während seiner Wahl dauernd das Gefühl hatte, dass man ihn nicht nur den Amerikanern verkaufen wollte, sondern auch uns und anderen?
laketahoe (11.12.2009, 10:02 Uhr)
Antiamerikanismus - vs - Kritik
Möge jeder zur Vergabe des Preis an Obama denken, wie er will.

Aber aus vielen Argumenten lese ich den selben Antiamerikanismus heraus, der hierzulande noch immer salonfähig ist.

Das kommt dabei heraus, wenn Amerikaner ständig als schlecht schulgebildet, prüde und nationalistisch in der Wolle gefärbt dargstellt werden.

Nicht, dass es das junge Deutschland nötig hätte, auf solche Stereotype zurückzugreifen - aber wirklich abgeschüttelt wird diese Art Rassismus auch nicht.

Zur Sache habe ich mich schon geäußert - also hier nur noch kurz: Natürlich war die Vergabe des Friedensnobelpreis an Barack Obama sehr richtig, weil weitsichtig gedacht vom Komite. Manchmal nützen Weisheit und Abstraktionsgabe eben mehr als die gängige 1:1 Schwarzweissdenke.

Medienbeobachter (11.12.2009, 08:31 Uhr)
Mehr Tote für mehr Frieden?
@Doshi: Dass Sie der stalinistischen Fraktion der LINKEN angehören?

Auf so einen Blödsinn, sollte man nicht antworten: Dennoch, Ihre Einschätzung sagt mehr über Sie aus, als meine Kommentare über meine politische Einstellung.

@Obstmann: Ob in 2 oder 5 oder 10 ... Jahren die Amerikaner, .... aus Afghanistan abziehen, die Folgen werden die selben sein. Der Fehler, der dort gemacht wurde, ist nicht mehr rückgängig zu machen. Nach dem Abzug der Truppen werden dort Stammesfürsten, Drogenbarone und korrupte Politiker um die Macht im Land kämpfen. Das werden weder die Amerikaner, noch die Deutschen .... verhindern können. Herr Obama hat jetzt nur dafür gesorgt, dass mit noch mehr Gewalt gegen die Taliban vorgegangen wird. Mehr Tote für mehr Frieden? Das friedlichste Afghanistan wäre sicherlich ein Afghanistan ohne Afghanen ?
Gewalt erzeugt Gewalt. Mal schauen, was in 5 Jahren in Afghanistan sein wird? Die 280 000 000 000 Dollar, die Herr Obama weiterhin dort und im Irak in den Krieg investiert, wären auf andere Art und Weise bei Weitem besser angelegt.
SpringbokCT (11.12.2009, 08:27 Uhr)
@mupfeline
Ich fragte Sie nicht welche Regierungen Sie lieben und verehren, sondern nur welche Sie überhaupt mögen?

Und ob Sie den Amerikanern dankbar sind das sie uns ein Wirtschaftssystem ermöglichten, das wiederum die 1,5 Bill. Aufbauhilfe ermöglichte, Fakt ist einfach das es so ist.

Was ist eigentlich Ihr Aufreger?
"dieterschultz (11.12.2009, 04:36 Uhr) " erwähnte lediglich, dass sein Grossvater von den Amerikaner aus dem KZ befreit wurde. Was stört Sie daran?
Ansichtssache (11.12.2009, 08:24 Uhr)
Kriege sind grausam -
und können niemals gerecht sein. Es gibt nur ein Recht auf Verteidigung - mehr nicht.
Handlungen, durch die Menschen getötet, verletzt und gejagt werden, sind zu verurteilen. Egal, ob wir sie Krieg, Terror oder Kreuzzug nennen. Wer gegen das Gebot " Du sollst nicht töten " verstößt, ist kein wirklicher Christ, Moslem, Jude oder Buddhist ! Und er ist erst recht nicht würdig, den 'Friedensnobelpreis' zu erhalten.
mupfeline (11.12.2009, 07:55 Uhr)
@SpringbokCT
Seit wann muss man eine Regierung lieben? Seit wann muss man Staatsmänner verehren?

Was ist an Ami falsch? Wenn ich die Russen bevorzugt hätte - namensmässig - hätte ich den korrekten Begriff "Sowjetunion" geschrieben. Denn damals hieß dieser Staat Sowjetunion. Na sicher können Sie froh sein im westlichen Teil aufgewachsen zu sein. Nur man sollte die Geschichte nicht negieren. Und zur Geschichte gehören 4 Siegermächte.

Warum regt ihr Euch über Geld auf? In Eurem Grundgesetz steht die Einigkeit D. Für die ich übrigens sehr froh bin. Aber dankbar? Ne, wem soll ich dankbar sein - höchstens mir selber :) Und dem Gespann Gorbi/Kohl. Die Beiden haben den größten Teil der Hindernisse aus dem Weg geräumt.

Und nun schalten wir zurück nach Oslo und stellen wieder einmal fest: Einen Friedensnobelpreis - sicher wie alle Preise - sollte man sich verdienen. Durch Leistungen. Und nicht durch ein paar Reden.
SpringbokCT (11.12.2009, 07:44 Uhr)
mupfeline (11.12.2009, 06:36 Uhr)
Noch was, Sie erwähnten das Sie Russland und Putin nicht unbedingt lieben. Die amerik. Regierung mögen Sie auch nicht, egal ob Bush oder Obama. Bei der dt. verhält es sich gleich, bez. Italien wird es auch nicht anders sein.

Frage, welche Regierungen und Länder mögen Sie denn?
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