Nach dem Anschlag kam es zu Unruhen, Demonstranten stürmten die Börse in Karatchi und zündeten Polizeistationen an. Gerüchte machten die Runde, dass der pakistanische Geheimdienst ISI an dem Anschlag beteiligt gewesen sei. Dem damaligen Präsidenten Musharraf gelang es nur mit großer Mühe, die Ordnung wiederherzustellen. Er musste seine Macht mit dem Parlament teilen. Zardari nutzte die Schwäche des diktatorischen Regimes. "Demokratie ist unsere beste Rache", sagte er zu den Anhängern seiner Frau.
Seine PPP gewann die Parlamentswahl im Februar mit großer Mehrheit. Zardari ging dann eine Koalition mit Nawaz Sharif ein, dem Parteichef der "Muslimliga" und früheren Erzfeind seiner Frau. Die Muslimliga ist die zweitstärkste Partei im Parlament.
Doch harmonisch wurde es in diesem Zweckbündnis nie. Hauptstreitpunkt war die Wiedereinsetzung von kritischen Richtern, die von Musharraf entlassen worden waren. Die PPP verzögerte dies immer wieder. Sie befürchtet wohl, dass die unbequemen Richter die Korruptionsvorwürfe gegen Zardari erneuern könnten.
Und in den vergangenen Tagen stritten Zardari und Sharif auch über die Behandlung des zurückgetretenen Diktators. Die Muslimliga will Musharraf vor Gericht stellen und riskiert damit eine Machtprobe mit dem Militär. Schließlich haben Sharif und Musharraf noch eine Rechnung offen: Der Anführer der Muslimliga war 1999 Ministerpräsident, als die Soldaten putschten und die Macht an sich rissen. Zardari will Musharraf hingegen schonen. Politik-Insider behaupten, er habe dies der US-Regierung versprochen. Washington hatte das Regime Musharraf finanziell unterstützt.
Endgültig zerbrach die Koalition an der Präsidentenfrage. Die PPP, die bereits den Ministerpräsidenten stellt, kann nun mit Zardari zusätzlich den Präsidenten ernennen. Die Muslimliga schlug vergeblich vor, einen gemeinsamen, neutralen Kandidaten ins Rennen zu schicken.
Sharif, gegen den ebenfalls wegen Korruption ermittelt wurde, durfte erst am 23. August wieder nach Pakistan einreisen. Musharraf hatte ihm zuvor die Rückkehr untersagt. Er selber stellt sich nicht zur Präsidentenwahl, seine Partei schickt einen früheren Richter ins Rennen.
Auch bei der Frage, wie weit die umfangreichen Rechte des Präsidenten beschnitten werden sollen, sind die demokratischen Parteien uneins. Musharraf besaß eine undemokratische Machtfülle, er konnte das Parlament auflösen, die Regierung absetzen, Minister ernennen und entlassen und die Armeeführung bestimmen.
Zardari, der nächste Präsident Pakistans, scheint plötzlich die Macht des Staatsoberhaupts nur noch geringfügig einschränken zu wollen. Er plant Gerüchten zu Folge eine spätere Machtübergabe an seinen Sohn Bilawal. In dem 19-jährigen Studenten sehen viele Bhutto-Anhänger die Zukunft Pakistans. Als Sohn einer Märtyrerin und Enkel des hingerichteten Ministerpräsidenten soll er das Land aus dem Dunklen ins Licht führen. Die Dynastie Bhutto wird das Geschehen in Pakistan noch lange mitbestimmen.