. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
4. April 2009, 10:56 Uhr

Berlusconi brüskiert Merkel und Co.

Stress für die Protokollabteilungen

In dieser Woche reiht sich ein Gipfel an den anderen. G20-Gipfel in London, Nato-Gipfel in Straßburg, Kehl und Baden-Baden, EU-USA-Gipfel in Prag. Prime Time für die Regierungschefs. Für die Protokollabteilungen ist so eine Woche wie Weltmeisterschaft und Championsleague-Finale an einem Fußballabend. Die Planungen sind kompliziert. Für den Nato-Gipfel begannen mehr als 60 deutsche Diplomaten vor einem halben Jahr mit den Vorbereitungen.

Die Protokollabteilung im deutschen Außenministerium hat dabei bei Gipfeln die Oberhand. Steinmeiers Truppe entscheidet, wo Frau Merkel an diesen Tagen zu stehen und zu sitzen hat. "Jeder Schritt muss koordiniert werden", heißt es im Auswärtigen Amt. Steinmeier sagt, wo´s langgeht - zumindest in Fragen von Hotelauswahl, Menüfolge und Stadtrundgang.

Planung bis auf die Minute

Deutsche Regierungsmitglieder sind es gewohnt, dass ihr Tag in Fünf-Minuten-Intervallen getaktet wird. Bei Gipfel und Staatsbesuchen gelten verschärfte Bedingungen. Im Idealfall werde fast auf die Minute genau geplant, heißt es aus dem Außenministerium. Ein Puzzle müsse zusammengesetzt werden, das sei "durchaus kompliziert". Aber: Das Protokoll kann schnell auch wieder Makulatur sein, etwa wenn das Wetter nicht mitspielt und, zum Beispiel, der Spaziergang im Park nicht stattfinden kann.

Kompliziert ist etwa die Auswahl des Hotels: Die Suche nach der passenden Herberge ist extrem aufwendig. Die Wege zum Veranstaltungsort müssen kurz sein, die gesamte Entourage soll unterkommen, der Standard darf nicht zu niedrig sein, die Sicherheit muss gewährleistet sein, und schlussendlich muss die Technik auch vorhanden sein: Staatschefs müssen permanent für alle wichtigen Nachrichten erreichbar sein. Das kann auch gehörig schiefgehen. Weil seine Beamten zu spät mit der Hotelsuche angefangen hatten, musste Gerhard Schröder bei einem Gipfel in New York einmal zweitklassig absteigen, der Teppich war fleckig. Denn die besten Hotels am Platze hatten sich bereits andere Staatschefs gesichert. Schröder soll getobt haben.

Aufstellen beim Foto: genau geregelt

Das Protokoll überlässt gewöhnlich nichts dem Zufall. Es regelt etwa genau, wie sich Staats- und Regierungschefs aufstellen, beispielsweise bei Fototerminen. Das sind formale Vorgaben, die sich im Laufe der Jahrzehnte zwischen den Staaten eingespielt haben. Die üblichen Aufstellungsregeln gehen so: Staatsoberhäupter kommen grundsätzlich vor Regierungschefs. Horst Köhler steht als Bundspräsident also immer vor Angela Merkel, der Kanzlerin. Barack Obama kann sowieso vorneweg gehen: Er ist sowohl Staatsoberhaupt wie auch Regierungschef.

Doch was tun, wenn mehrere gleichrangige Politiker aufeinander treffen - wie bei den Gipfeln dieser Woche? Wer darf vor wem auftreten? Oder bei Pressekonferenzen sein Statement zuerst abgeben? Das Protokoll regelt: In alphabetischer Reihefolge bitte. Aber es zählt nicht der Nachname, sondern der jeweilige Landesname. Und auch da bleiben Unklarheiten. Protokollarbeit ist eine Wissenschaft für sich.

Eitelkeiten können jedes Protokoll durcheinander bringen

In Falle der Rangfolge mussten sich die Diplomaten über die Frage einigen, welches Alphabet ausschlaggebend ist. Deutschland landet beispielsweise auf unterschiedlichen Plätzen: Ganz vorne als "Allemagne", im Mittelfeld als "Deutschland", weiter hinter als "Germany". Lange galt hier die französische Übersetzung - so konnte der deutsche Vertreter immer zuerst auftreten. Doch nach dem Ersten Weltkrieg erschien das anderen Nationen irgendwie unpassend. Seitdem gilt der Name in der Übersetzung des Heimatlandes.

Dabei dürfen die Planungsprofis die Eitelkeiten mancher Politiker nicht unterschätzen. Beim Vorbereitungstreffen zum G20-Gipfel musste Angela Merkel einspringen, um einen diplomatischen Eklat mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu verhindern. Auf der Abschlusspressekonferenz erteilte sie überraschend dem tschechischen Ministerpräsidenten das Wort, bevor sie als Gastgeberin ihre Sicht der Dinge vorstellte. Nach der ursprünglich geplanten Reihenfolge sollte erst Merkel (als Gastgeberin), danach der britische Premierminister Gordon Brown (als Ausrichter des Weltfinanzgipfels) und dann der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek (als amtierender Ratspräsident der Europäischen Union) zu Wort kommen. Sarkozy, schließlich Vertreter der "Grande Nation", lehnte es aber brüsk ab, hinter dem Vertreter eines kleinen Osteuropastaates aufzutreten. Merkel ließ Topolanek daraufhin den Vortritt. Das musste Sarkozy schlucken.

Sarkozy, die Diva

Auch beim Nato-Gipfel sorgte der kleine Franzose für Aufregung im Diplomatenkorps. Im Bündnis gilt gewöhnlich die Sitzordnung, wonach sich die Staatsvertreter in alphabetischer Reihenfolge um den Nato-Generalsekretär platzieren. Doch weil die französische Stadt Straßburg Mitausrichter ist, wünscht Sarkozy direkt neben dem Generalsekretär im Rampenlicht zu sitzen.

Im Gegensatz zur langen Tafel sind beim Essen kleine, runde Tische einfacher. "Ein runder Tisch macht alle gleich", erklärt Jürgen Hartmann, Autor des Standardwerkes "Staatszeremoniell"* und langjähriger Protokollchef unter Helmut Kohl. Damit der Gesprächsstoff nicht ausgeht, bereiten die eigenen Diplomaten der Kanzlerin eine Kurzschrift - auch "Turbo" genannt - über ihren Tischnachbarn vor. Ein bisschen Plauderei gilt als das Mindeste. Ein paar Angaben zum Lebenslauf, zur politischen Lage in der Heimat, aber auch zu Hobbys und Kindern sind da vorsorglich vermerkt. "Willy Brandt konnte zwei Stunden neben seinem Tischnachbarn sitzen, ohne etwas zu sagen", sagt Hartmann, "das konnte unhöflich wirken."

Aber bei der jetzigen Weltwirtschaftskrise sollten die Themen nicht ausgeht. Im Zweifel geht ja immer: Und was macht die Krise aus ihrer Heimat?

* Jürgen Hartmann: "Staatszeremoniell", Heymanns, 408 Seiten, 68 Euro

Von Axel Hildebrand
Seite 1: Berlusconi brüskiert Merkel und Co.
Seite 2: Stress für die Protokollabteilungen
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
kldrkur (05.04.2009, 11:53 Uhr)
Warum lügt die Presse meist?
Wo man in der Presseberichterstattung auch hinschaut, immer wieder Unwahrheiten und Halbwahrheiten. Währen andere sich mit dämlichem Grinsen (Sarkozy,Brown vor allem ) fotografieren lassen, arbeitet Berlusconi per Telefon erfolgreich daran, den Türken, der den neuen Generalsektetär wegen dessen Eintreten für die Pressefreiheit verhindern will, zum Einlenken zu bringen. Laut Stern brüskiert Berlusconi damit aber nur die anderen Teilnehmer, und laut Stern hat natürlich der göttliche Obama den Eklat verhindert. Das ist keine Berichterstattung, sondern Manpulation auf niedrigstem Niveau.Es lebe die Pressemanipulation, eh -freiheit!
Lisboa (05.04.2009, 09:03 Uhr)
Journalismus oder Hofberichterstattung?
Fuer unglaubliche Kosten und Aufwand werden wir mit Hofberichterstattung ueber die Roben der Damen und Skandaelchen zugemuellt waehrend die Probleme voellig aus dem Ufer laufen. Wodurch unterscheiden sich die ehemals hervorragenden Journalisten der Stern noch von der Regenbogenpresse, wenn sie uns mit aufgeblasenen Berichten ueber Nichtigkeiten vollkleistern?
gmathol (05.04.2009, 04:02 Uhr)
G20, Vereinbarung, Rockstars und viel dummes Zeug.
Das Volk steht eh nicht dahinter, soll aber den Blutzoll fuer die USA leisten.
Wer es jetzt noch nicht geschnallt hat den werden auch Konzentrationslager eines Tages nicht mehr stoeren.
Viel Spass und viel Glueck.
Nive (05.04.2009, 01:17 Uhr)
Mitläufer
Bravo Mitläufer!
11 Wörter richtig geschrieben, wenn ich richtig gezählt habe. Weiter so.
Johann58 (04.04.2009, 22:28 Uhr)
@cybertanne
das ist nicht erfrischend, das zeigt nur dass er ein eigebildeter Fatzke ohne Anstand ist
cybertanne (04.04.2009, 20:37 Uhr)
Erfrischend
Man mag über Berlusconis Politik und Kinderstube denken wie man will aber ich finde es erfrischend, wie er "die Mächtigen" links liegen lässt. Die Merkel war bestimmt tief beleidigt :-)
chatahootchee (04.04.2009, 19:48 Uhr)
IN DIE FALLE GETAPPT
sind doch die meisten Kommentare hier. Den Gipfel und die Reiseterroristen darf man nicht kommentieren, aber das 'Protokoll'. Der Stern setzt einen seichten Beitrag 'rein und viele fallen darauf herein.
Wirklich ernste Dinge wie die sinnlose Gewalt (Europa braucht keine Terroristen, ihr habt sie schon) oder die Konferenzergebnisse duerfen von den KommentatorInnen nicht beweertet werden, aber Haendschenhaltung und Telephonate. Billig.
mitlaeufer1it (04.04.2009, 18:34 Uhr)
BRAVO BERLUSCONI
DER IST DER BESTE ;DER SCHEISST AUF DIESER WINDBEUTEL WISTIGTOUR WAS DIE EU SCHMAROZTZER IM DEUSCHLAND UND FRANKREICH FERANSTALTET HABEN WEITER SO BERLUSCONI.
whismerh2 (04.04.2009, 15:21 Uhr)
@scheinbar bleibt es dabei
Radioberichte so weit möglich verfolgt, immer wieder die selbe Sprüche, gewaltbereite Demonstranten,
keine Silbe darüber, das es eingegrennzten Zonen gibt, orange etc. & co.
Peinlich peinlich, ich werde es auf jden Fall nicht versäumen das in nächster Woche in meinem Umfeld zu hinterfragen.
Auch wenn ich nach wie vor ein fan von obama und seiner klugen und hübschen Frau bin.
Johann58 (04.04.2009, 15:10 Uhr)
@durant2008
Ich wusste noch garnicht, dass Schroeder mit der Camorra verflochten ist. Berlusconi ist ja nun wirklich nur eine Witzfigur und ich weiss beim besten Willen nicht warum die Italiener ihn gewaehlt haben. Andererseits, die Deutschen ahaben ja auch Angela Merkel gewaehlt. So gleicht sich das dann wieder aus.
MEHR ZUM ARTIKEL
Nato-Gipfel Obama auf Partnersuche

Die US-Regierung unter Barack Obama will eine Totalreform der Nato. Damit verbunden ist natürlich mehr Engagement in Afghanistan. Doch statt direkt um mehr Soldaten zu bitten, versucht es der US-Präsident mit einer stärkeren strategischen Einbindung. Letztlich wird es aber trotzdem Obamas Krieg bleiben. mehr...

Nato-Gipfel Fahrplan für eine Welt ohne Atomwaffen

Barack Obama will für eine Welt ohne Atomwaffen kämpfen. Er werde dazu am Wochenende einen Fahrplan vorlegen, kündigte der US-Präsident an. An anderer Stelle will Obama deutlich mehr Waffen sehen: Europa muss seiner Ansicht nach kräftig aufrüsten. mehr...

Krawalle beim Nato-Gipfel Auf ein Rodeo mit der Polizei

Sie wollen mit "zivilem Ungehorsam" in Straßburg gegen das Unrecht in der Welt demonstrieren, gegen den Kapitalismus und die Nato. Nun hat es den ersten großen Knall gegeben. Ein stern-Reporter geriet zwischen die Fronten und erlebte, was französische und deutsche Polizisten unterscheidet. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe