Nach wie vor genießt Zelaya, gegen den Ermittlungsverfahren wegen Verschwendung öffentlicher Gelder und Verfassungsbruch anhängig sind, in der Bevölkerung selbst keinen großen Rückhalt. Doch die Zahl der Putsch-Gegner ist groß und die Sorge wächst, dass es zu weiteren blutigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten kommt, die bislang drei Todesopfer gefordert haben. Tausende von Polizisten und Soldaten patrouillieren in den Straßen der Hauptstadt.
Einflussreiche Kirchenmänner wie Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga, einer der letzten Vertreter der lateinamerikanischen Befreiungstheologen, und unverdächtig, mit Putschisten zu sympathisieren, hatte früh vor einer Rückkehr Zelayas nach Honduras gewarnt. Früh hatte er auf das Risiko blutiger Zusammenstöße hingewiesen. Inzwischen bezeichnet auch der US-Botschafter Lewis Amselen die Rückkehr Zelayas als unverantwortlich und kritisiert somit all jene Staaten, die Zelayas Rückkehr nach Honduras unterstützten. Allen voran Brasilien.
Je länger der Konflikt schwelt, desto größer wird seine überregionale Bedeutung. Ein Zeichen für die zunehmende Isolation ist die Tatsache, dass die Tochter des Interimspräsidenten bereits aus den USA ausgewiesen wurde. Die internationale Entwicklungshilfe für den Staat Honduras ist bereits eingestellt. Und der Stillstand der Wirtschaft und des Handels kostet das nach Haiti ärmsten Land Mittelamerikas täglich um 20 Millionen Euro. Die Frage ist, wie lange das Unternehmertum, das sich hinter dem Transportunternehmer Micheletti als Strohmann vereint, dies noch mitmacht.
Micheletti selbst mangelt es offenbar an einem Plan, wie die Krise zu lösen sei. Stattdessen hat er sich dafür entschieden, die Flucht nach vorne anzutreten. Den Ausnahmezustand hat er in Sachen Medien bereits weidlich ausgenutzt. Am Montag früh um fünf Uhr ließ er die zwei einzigen Oppositionssender - Radio Globo und die TV-Station Canal 36 von Militärs stürmen und Sendeanlagen beschlagnahmen.
Nur verbal befindet sich der Übergangspräsident auf dem Rückzug und hat sein Volk inzwischen um Verzeihung dafür gebeten, dass er per Notverordnung die Bürgerrechte eingeschränkt habe. Er kündigte an, diese zurück zu nehmen. "Bis zum Wochenende werden wir das erledigt haben", sagt er. Das nährt die Hoffnung, dass er sich möglicherweise doch irgendwann mit der Berufung eines Übergangspräsidenten und der Ausrichtung der Wahlen unter internationaler Aufsicht bereit erklärt. Dies scheint internationalen Beobachtern als die beste Möglichkeit, wie Honduras geholfen werden kann.
Doch soweit ist es noch lange nicht. Denn international ist das Problem noch längst nicht gelöst. Nach außen setzt Micheletti auf Aggression. Seine Regierung forderte Brasilien ultimativ dazu auf, binnen zehn Tagen Zelaya als politischen Flüchtling anzuerkennen oder ihn auszuliefern. Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Die Drohung Michelettis, die brasilianische Botschaft würde sonst ihren diplomatischen Status verlieren, schüchtert die Brasilianer nicht ein.
"Brasilien ist zu einem Beschützer eines demokratischen, legitimen Präsidenten eines Landes geworden", sagt Brasiliens Außenminister Celso Amorim. Man dächte auch nicht daran, die verbliebenen Diplomaten abzuziehen. "Wir können das nicht tun", so der Außenminister, "dies wäre erstens ein Zeichen der Feigheit und zweitens ein Zeichen der Missachtung der Demokratie und ein Anreiz für weitere Staatsstreiche auf dem Kontinent".