Nun soll Russlands Armee schlagfähiger, schlanker und vor allem moderner werden. Ministerpräsident Wladimir Putin und Staatspräsident Dimitri Medwedew haben eine Reduzierung der Soldatenzahl beschlossen. Die Streitkräfte werden langfristig auf 700.000 Mann verkleinert und zu einer Berufsarmee umgebaut. Noch ist Russlands Armee mit einer Mannschaftsstärke von über einer Millionen die viertgrößte der Welt, nur die Chinesen mit rund 2,1 Millionen, die Amerikaner mit 1,5 und die Inder mit 1,3 Millionen haben mehr Soldaten.
Doch die Mannschaftsstärke ist heute nicht mehr entscheidend. Im Quartettspiel der Militärmächte zählen vor allem Hightech-Waffen. Satellitengesteuerte Präzisionsbomben etwa, oder mit Raketen bewaffnete Drohnen, moderne Aufklärungsflugzeuge mit Stealth-Technologie, die für das feindliche Radar unsichtbar sind, und Eliteeinheiten, deren Spezialisten in asymmetrischer Kriegsführung geschult sind. Auf allen diesen Gebieten hat Russland große Mängel.
Um mit den USA gleich zu ziehen, kündigte die russische Regierung ein großes Aufrüstungsprogramm an. Bis 2015 will das Verteidigungsministerium für die Modernisierung der russischen Streitkräfte fünf Billiarden Rubel - rund 197 Milliarden US-Dollar ausgeben. Das Militärbudget Nordamerikas umfasst jedoch jährlich rund 580 Milliarden US-Dollar. Es sieht nicht danach aus, dass Russland ein neues Wettrüsten gewinnen könne.
Dennoch will das Land bis 2020 sechs Flugzeugträger bauen lassen. Momentan verfügt Russland nur noch über eines dieser riesigen Schiffe - die USA setzen elf Träger auf den Weltmeeren ein. Und neue Atom-U-Boote sollen in den russischen Werften vom Stapel laufen, die genaue Anzahl hält die Admiralität noch geheim.
Lediglich bei der Zahl der Panzer und im Bereich der Nuklearwaffen ist Russlands führend. 5614 Atomsprengköpfe lagern in russischen Bunkern, damit besitzt das Land offiziell mehr Kernwaffen als die USA. Doch auch die meisten russischen Trägerraketen sind in die Jahre gekommen. Die Einsatzzeit der Raketen beträgt zwei Jahrzehnte. "Heute stehen über 60 Prozent der Bewaffnungsmuster schon seit zehn Jahren und einige seit 30 Jahren und mehr im Dienst", gestand der Chef der Raketentruppen vor Journalisten ein. Was die Amerikaner im Kalten Krieg nicht geschafft haben, erledigt der Rost: Russland entwaffnet sich auf Dauer langsam selbst.