. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
1. August 2008, 10:47 Uhr

Des Kaisers neue Spione

Russlands Präsident Dmitri Medwedew kritisiert Putin ohne seinen Namen zu nennen© Yuri Kochetkov/EPA/DPA

Hinter dem Angriff auf Mechel stehen die großen Rivalen des Konzerns. Vor allem Wladimir Lisin, Chef des Novolipetzker Hüttenkombinats NLMK, hatte bei seinem Freund Putin interveniert, weil Mechel im Frühjahr seine Kokskohlelieferungen an ihn eingestellt und sich fortan geweigert hatte, langfristige Verträge abzuschließen. Auch andere Stahlgießer schlossen sich der Klage an und warfen Sjusin vor, "die heimische Industrie zu schädigen", sagt Wladimir Schukow, Analyst bei Lehman Brothers in Moskau.

Die Verstöße, die Mechel begangen haben soll, könnten zu Strafsanktionen in Höhe von 50 bis 200 Millionen Dollar führen, schätzen Analysten. Eigentlich kein Problem für ein hochprofitables Unternehmen dieser Größe. Viele Investoren glauben aber, Mechel werde die Attacken nicht überleben. "In dem von Präsident Putin geschaffenen System wird die Bürokratie seine Worte als Signal wahrnehmen, um Mechel zu vernichten und die staatliche Kontrolle in der Branche zu verstärken", sagt Dmitri Butrin, Journalist der Internetzeitung "Gazeta.ru".

Behörden ermitteln wegen Steuerhinterziehung

Längst ist Mechel eingekreist: Das Antimonopolkomitee untersucht seit Mai die Preisgestaltung, die Steuerfahndung ermittelt wegen Steuerhinterziehung, das Arbeitsministerium will die von der Explosion betroffene Zeche schließen, und das Umweltministerium wirft der Firma vor, Kohle außerhalb des lizensierten Gebiets zu fördern.

Die Lage erinnert an die Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos, dessen Chef Michail Chodorkowski es gewagt hatte, die Politik des damaligen Präsidenten Putin zu kritisieren. Der ehemalige Vorstandschef sitzt seit fast fünf Jahren hinter Gittern. Der Kreml ließ Yukos zwangsversteigern - den Zuschlag gewann die staatliche Ölfirma Rosneft, in dessen Aufsichtsrat Putins Vertrauter, der Ex-Geheimdienstler und heutige Vize-Premier Igor Setschin, sitzt. Just dieser Mann wurde nun von Putin beauftragt, die Stahl- und Bergbauindustrie in Russland zu "überprüfen". Der staatliche Konzern Rostechnologii soll Interesse an Mechel haben. Er wird von Sergei Tschemesow angeführt, einem ehemaligen Geheimdienstler - und ein Freund Putins.

Regierung braucht mehr Einfluss und Kontrolle

Der Fall Mechel scheint mehr zu sein als der Angriff auf ein einzelnes Unternehmen. Es ist der Versuch einer "Redefinition der Geschäftsmethoden in der Bergbauindustrie", sagt Ronald Smith, Chefanalyst der Moskauer Alfa-Bank. "Die Regierung plant eine Umstrukturierung des Metallurgiesektors, sie will langfristige Lieferverträge einführen", sagt Olga Mitrofanowa, Metallexpertin bei Unicredit Aton. "Dafür braucht sie mehr Einfluss und Kontrolle."

Alte Seilschaften kommen ans Tageslicht - sie bestimmen maßgeblich darüber, wer in der russischen Wirtschaft das Sagen hat. "Wir dürfen uns keine Illusionen über die Macht von Wirtschaft und Politik machen", sagt Roland Nash, Chefstratege der Investmentbank Renaissance Capital in Moskau. In einem Land mit schwachen Institutionen spiele die informelle Kommunikation eine große Rolle. Die meisten russischen Oligarchen, die in der Chaosherrschaft von Boris Jelzin ihr Vermögen rafften, kennen die Bedeutung der guten Vernetzung.

Potanin kämpft um die Kontrolle

Einer von ihnen ist Wladimir Potanin, der 1995 die Nickelschmelze im sibirischen Norilsk privatisierte. Seit einem halben Jahr kämpft er um die Kontrolle beim Nickelproduzenten. Oleg Deripaska, Haupteigner des Aluminiumimperiums Rusal, hat sich mit 25 Prozent bei Norilsk eingekauft und möchte den Konzern nun mit Rusal verschmelzen.

Potanin setzt auf eine ungewöhnliche - und riskante - Strategie: Jüngst schlug er Putins Vertrauten Wladimir Strschalkowski zum Generaldirektor von Norilsk vor. Der ehemalige KGB-Offizier aus St. Petersburg ist Chef der staatlichen Tourismusbehörde. "Wenn der Staat sein Augenmerk auf die Metallindustrie wirft, muss man in der Führung Leute haben, die einen guten Draht nach ganz oben haben", sagt ein Moskauer Analyst. Der Markt scheint die Lage ähnlich zu beurteilen. Die Aktien von Norilsk stiegen nach der Bekanntgabe der Kandidatur um fast vier Prozent.

Unternehmen "Steine in den Weg" werfen

Auch andere Firmen versuchen, das politische Risiko nach dem Modell von Potanin zu senken. Agro-Invest, einer der größten Agrarholdings Russlands und die Tochtergesellschaft des schwedischen Unternehmens Black Earth Farming, ernannte kürzlich den Duma-Abgeordneten Wasili Schestakow zum Chefberater. Schestakow hat einen klaren Auftrag. Er soll im Auftrag von Agro-Invest russische Bürokraten künftig daran hindern, dem Unternehmen "Steine in den Weg" zu werfen.

Schlagkräftige Argumente hat der neue Mann zuhauf: Er gehört seit Jahren zum "inneren Kreis" des Regierungschefs - auch, als der noch Präsident im Kreml war. 2004 veröffentlichten die beiden gemeinsam ein Buch: "Judo. Geschichte. Theorie. Praxis." Beide tragen den schwarzen Gürtel - und wissen allzu gut, wie sie den Gegner zu Boden ringen.

Von Andrzej Rybak und Verena Diethelm
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
undueberhaupt (02.08.2008, 16:33 Uhr)
Russland
Spätestens wenn in Osteuropa US-Radarstationen und Raketen stehen, und die neu eingekleidete Russenarmee vor der aus den Löchern hervorkriechenden Schrottbundeswehr steht, wissen wir was die Föderation will.
ecomoc4u (02.08.2008, 16:19 Uhr)
@zaxxon
...zwischen glauben und wissen liegen welten.
.
empire of the city - ring of power
.
...danach sprechen wir uns nochmal.
zaxxon (02.08.2008, 15:18 Uhr)
@ecomoc4u
ich glaube sie wissen weder was das eine noch das andere ist!
ecomoc4u (02.08.2008, 14:34 Uhr)
putin
putin ist ein demokrat. bush ist ein nazi.
.
kleiner aber feiner unterschied.
Josh67 (02.08.2008, 14:27 Uhr)
Quatsch!
Lieber Stern,
was ist an Putin anders als an westlichen "Investoren" und z.B. dem Bush Clan?
Wen diese ganze Industriekomplexe besitzen und beherrschen, spricht man nicht von Oligarchen!
Außerdem kann ich den Schwachsinn vom " LIBERALEN MARKT " nicht mehr hören.
Wer kennt die Definition von Liberalismus?
HIER:
Liberalismus
Der Begriff Liberalismus stammt von dem lateinischen Wort liberalis -die Freiheit betreffend - und ist die Denkrichtung und Lebensform, die Freiheit, Autonomie, Verantwortung und Entfaltung des Einzelnen vertritt. Liberalismus ist ein sehr umfassender Begriff und deshalb bedarf seine Definition , wie sie im Wörterbuch steht, noch weiterer Erklärung und Differenzierung.
1 Grundlage
Die Grundlagen des Liberalismus sind rationalistische Ideen, die sich mit dem Individualismus der Romantik verbunden haben.
2 Forderungen
Die wichtigsten Forderungen des Liberalismus sind:
2.1 Bürgerrechte:
2.1.1 Freie Wahlen
2.1.2 Parlamentarische Volksvertretung
2.2 Gewaltenteilung
2.3 Freiheitsrechte: Presse-, Meinungs-, Versammlungs-, Religions- und Koalitionsfreiheit
2.4 Abschaffung der Stände
2.5 Rechtsgleicheit
2.6 Vereinheitlichung der Gesetze
2.7 Bildung
2.8 Gewerbefreiheit und Freier Handel *gerne wird Liberalismus nur hierauf reduziert*

2.9 Trennung von Kirche und Staat und Einführung der Staatsaufsicht über Kirche
3 Wurzeln:
Die ersten liberalen Gedanken finden sich bei:
3.1 Thomas Hobbes, der die Idee des aufgeklärten Absolutismus vertrat, daß Bürger untereinander einen Vertrag schließen, einen Herrscher bedingungslos anzuerkennen!
3.2 Montesqiueu, der die Idee der Konstitutionellen Monarchie vertritt, daß die Bürger mit dem Herrscher einen Vertrag schließen und daß in einer Gewaltenteilung Legislative von Exekutive und Judikative getrennt wird.
3.3 Rousseau, der die Idee einer demokratischen Republik hatte, daß alle Menschen von Geburt an gleich sind und gleiche Rechte haben, daß Volkssouveränität herrscht, daß eine Identität zwischen Obrigkeit und Volk nur durch Wahl geschaffen werden kann und daß der gemeinsame Wille den Staat bestimmt.
4 Verwirklichung
Die ersten Verwirklichungen liberaler Ideen waren:
4.1 The Bill of Rights 1688 in England, in der u.a. Grundrechte und eine Art der Gewaltenteilung geschaffen worden ist.
4.2 Die Verfassung der USA 1787, in der u.a. Volkssouveränität und Gewaltenteilung geschaffen worden ist.Freiheit des Individuums und der Menschenrechte.
4.3 Die Französischen Revolution, durch die 1789 Bürger- Freiheits- und Gleichheitsrechte, Trennung von Kirche und Staat und Gewerbefreiheit geschaffen worden sind.
Diese ersten Verwirklichungen dienten späteren liberalen Bewegungen als Vorbilder.
So!
Also wer hier von einer liberalen Marktwirtschaft spricht hat keinen blassen Schimmer.
Wir haben im Moment ein von wenigen Großkonzernen DIKTIERTE Wirtschaft, in der die Politik ebenfalls in die Konzerne itegriert sind, aber nicht als Herrscher, wie Putin, sondern als Marionetten um den "Souverän" zu beherrschen.
ALSO LIEBE REDAKTEURE UND REDAKTEURINNEN, erst Hirn einschalten dann schreiben.
Bitte denken Sie mal über Definitionen nach, sonst sind Sie ebenfalls Werkzeug für eine wirtschaftsfreundliche Propaganda.
utospatz (02.08.2008, 14:14 Uhr)
Frag mal einen Rentner in Moskau
auf der Parkbank, der lacht sich aus Freude schon der Frage wegen tot! Und wenn du ihm zeitgleich erklärst, dass er den Gazprom-Gerd aus Deutschland als Busenfreund dabei hat, ist er schon vor dem morgentlichen Aufstehn,"Schachmatt"!
Klaus_P (02.08.2008, 13:44 Uhr)
Was wollt Ihr denn?
Putin ist ein "lupenreiner Demokrat" - das hat Schröder nicht nur einmal gesagt. Wir müssen uns also keinerlei Sorgen machen. Ich meine ein ehemaliger Bundeskanzler wird doch nicht seinem Volk was böses wollen...
cba38 (02.08.2008, 13:23 Uhr)
Drama
Es ist schon schwierig, in Russland den Auswüchsen des Turbokapitalismus bei zu kommen.
Aber mit welchen Mafia- und KGB Methoden, praktisch mit der Brechstange, Putin die Inlandswirtschaft zu "lenken" denkt, ist zunehmend so abschreckend für ausländisches Kapital, das seine Rechnung ein teures Fiasko werden könnte.
Nur mir Drangsalierungen und Drohungen kann man kann man keine Wirtschaft lenken. 80 Milliarden Dollar Kapital durch die ausgelöste Panik verbrannt. Aber es ist ja nicht sein Geld, rechnen konnten die Russen noch nie.
Statt hilflos mit der Brechstange zu agieren (welch ein Armutszeugnis!), wäre es endlcih an der Zeit, Strukturen und geordnete Verhältnisse zu schaffen, damit mehr Rechts- und Investitionssicherheit herrscht. Aber da zeigt die russische Politik zur Zeit ihr ganzes Unvermögen, Korruption, Seilschaften, Mafiamethoden ohne jegliches Gewissen.
So lange die Interessen des Staates (ob man im Falle von Russland von Staat reden kann?;vielleicht trifft Zarenreich des Regenten Putin eher) und seiner Freunde nicht tangiert werden, macht doch jeder, was er will.
Wenn ausländische Unternehmen, Filialen in russischen Großstädten eröffnen wollen, muss zurerst die örtliche Mafia kontaktiert werden, dann wird ein Preis ausgemacht, und wenn das alles geklärt ist, DANN eröffnet das Unternehmen seine Filialen, aber auch N U R erst dann.
So lange Putin solche Auswüchse toleriert und nur eingreift wenn seine Interessen oder die seiner Freunde gewahrt werden sollen, so lange wird sich nichts ändern.
Im Gegenzug betreibt Russland Wirtschaftsspionage und Innovationsklau auf höchstem Niveau. Sie können nur mit Geld rumwerfen und wegen ihrer grossen Rohstoffvorkommen so auftreten. Die grösste Innovationskraft besitzt vielleicht noch die Rüstungsindustrie, aber dann ist auch schon Schluss. Genau wie China im Ausland abkopieren und wenn es irgendwie machbar ist, am besten den Technologieträger gleich aufkaufen.
Der Westen, vor allem Deutschland muss sehr aufpassen, das der Preis für sein Engagement nicht zu hoch ist. Der einzige Pfand, den Deutschland noch besitzt ist seine Innovationskraft und Technologie. Das verspielt die unfähige Regierung gerade durch eine verfehlte Bildungspolitik und fehlende Anreize für Spitzenkräfte, im Land zu bleiben.
Optimist60 (02.08.2008, 12:48 Uhr)
Russland gedeiht
Natürlich profitiert auch die Bevölkerung von dieser Wirtschaftspolitik. Seit 01.08 2008 sind die Renten bis auf 15% gestiegen. Es herrscht ein Bauboom im Lande, von dem wir nur träumen können. Arbeitskräfte sind auf Dauer rar. Die neuen Autos verkaufen sich wie verrückt. Es ist nicht alles gut da, aber mit der deutlichen Tendenz besser zu werden.
Freaker (02.08.2008, 11:39 Uhr)
@ iovialis
...keine ahnung was du uns damit sagen willt...
MEHR ZUM ARTIKEL
Handelsbeziehungen Putin setzt auf die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank soll eine zentrale Rolle beim Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und der Bundesrepublik spielen. Einem Medienbericht zufolge verspricht sich Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin gezielte Geschäftskontakte - und noch ein bisschen mehr. mehr...

Militärparade Panzer rollen auf dem Roten Platz

Um den Sieg über Nazi-Deutschland 1945 zu feiern, nehmen der russische Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin eine Militärparade ab. Bei der diesjährigen Siegerparade wurde ein Brauch wiederbelebt, den es seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr gegeben hatte. mehr...

Russland Duma bestätigt Putin als Ministerpräsident

Das russische Parlament hat Wladimir Putin als Ministerpräsident bestätigt. Für den ehemaligen Präsidenten stimmten 392 Abgeordnete. 56 votierten gegen ihn. Putin will das Land künftig gemeinsam mit dem neuen Präsidenten Dmitri Medwedew führen. mehr...

Russland Was wissen Sie über den "Russischen Bären"?

Das größte Land der Welt hält uns nicht nur mit seinem Nationalgetränk, dem Wodka, sondern auch mit Menschenrechtsverletzungen und skandalösen Morden in Atem. Wie gut kennen Sie sich aus mit der russischen Föderation? Testen Sie Ihr Wissen! mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe