
Beteiligungen von Berlusconi und seiner Holding Fininvest: Der Ministerpräsident ist Italiens reichster Mann© stern
Die leichte Muse steht ihm ebenfalls zu Gebote. Seine Karriere hat Italiens reichster Mann als Sänger auf einem Kreuzfahrtschiff begonnen, wo er - damals noch mit voller Haarpracht - ältere Damen angurrte. Noch heute erfreut er gern mit Proben seines Könnens. Oft ist es "I did it my way" von Frank Sinatra, mal "Au revoir, Paris" (mit dem er während eines Staatsbesuchs den sich windenden französischen Präsidenten Mitterrand beglückte). Zusammen mit einem Neapolitaner verfasst der Mann aus Norditalien noch heute Liebeslieder im südlichen Dialekt und gibt sie dann vor den Staatsmännern dieser Welt zum Besten - Silvio hat eben für jede Situation das rechte Gespür.
Südlich von Neapel hat er die blindesten Gefolgsleute. Kalabresische Abgeordnete seiner Partei "Forza Italia" haben Berlusconi schon allen Ernstes mit Leonardo da Vinci, mit dem Sonnenkönig Ludwig XIV., sogar mit Michael Schumacher verglichen und ihn - erfolglos - für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Alle, alle, lieben ihn, außer ein paar hartnäckigen Altkommunisten natürlich, sagt Silvio, er sei nun mal ein "entusiasmatore", einer, der Begeisterung erzeuge. Schon 1993, zu Beginn seiner Politkarriere, landete er in einer Umfrage unter jungen Italienern vor Jesus Christus und Arnold Schwarzenegger. "Nicht nur, dass ich der Bekannteste war", erklärte er einem Reporter des "New York Times Magazine", "nein, ich war der Meistgeliebte."
"Berlusconi braucht Liebe, das ist der Schlüssel zu seinem Wesen", sagt der Journalist Giuliano Ferrara, einer seiner getreuesten Paladine. Er sieht sich als Edelmann und lässt sich Cavaliere nennen, seit er irgendwann einmal den Ehrentitel "Cavaliere del Lavoro", Ritter der Arbeit, abgestaubt hat.
"Berlusconi ist eine Art unbewusster Lügner, ein autosuggestiver Lügner", schrieb Indro Montanelli, der vor zwei Jahren verstorbene Grandseigneur des italienischen Journalismus, "einer, der seine Lügen gegen allen Augenschein als Tatsachen wahrnimmt." Zum Beispiel ist er sich sicher, dass "85 Prozent" der italienischen Journalisten kommunistisch sind und wild gegen ihn anschreiben (von den Richtern, diesen ehemaligen Sympathisanten der Roten Brigaden auf dem Marsch durch die Institutionen, und ihrer Hetzjagd auf ihn gar nicht zu reden!).
Dem Cavaliere gehören die drei größten TV-Privatsender Italiens, und als Regierungschef hat er auch direkten Zugriff auf die Programme des Staatsfernsehens RAI. Berlusconi besitzt den Großverlag Mondadori, dazu ein paar Zeitungen und Wochenmagazine. Trotzdem klagt er, die Journaille sei gegen ihn: "Die Journalisten meiner Fernsehsender sind regelrecht von der Angst besessen, ihre Kollegen könnten ihnen Kriecherei vor dem Boss vorwerfen. Das Ergebnis ist, dass sie mir kritisch gegenüberstehen."
Enzo Biagi und Michele Santoro, zwei liberale Star-Journalisten der RAI, mussten gehen, als sie den Cavaliere und seine Forza Italia angriffen. Den damals 85-jährigen Montanelli, Chefredakteur des Berlusconi-Blattes "Il Giornale", schasste er, als der sich gegen die politischen Abenteuer seines Brötchengebers aussprach. Von Plato bis Abraham Lincoln Von seinen Angestellten erwartet Berlusconi den fortgeschrittenen Umgang mit der Wahrheit. Um jemanden zu überzeugen, müsse man nur ein Zitat erfinden und es einer berühmten Person zuschreiben, empfiehlt er: "Das geht so: Wie Plato sagte...Wie Abraham Lincoln sagte...Wer macht sich denn schon die Mühe und schlägt im Lexikon nach? Die Leute sind unglaublich gutgläubig."