So war die Leitlinie für diesen Abend bald gesetzt: Obama griff an, Romney stimmte zu.
So nah wie bei keiner Debatte zuvor waren sich diesmal die Kandidaten. Sie saßen mit dem Moderator an einem mächtigen Schreibtisch und waren fast gezwungen, sich ständig in die Augen zu blicken. Diesmal aber war es nicht Obama, sondern Romney, der oft nach unten blickte, wenn er sich fieberhaft Notizen machte. Obamas Blick war fast ohne Unterbrechung aufmerksam. Er sah aus wie ein Leopard, der seine Beute nicht aus den Augen lässt.
Doch die Nähe war nicht nur räumlich. Romney konnte selten genau sagen, was er außenpolitisch anders machen würde als der Präsident. Lediglich beim Thema Iran warf er Obama vor, zu nachgiebig zu sein. Die nukleare Bedrohung durch Iran sei die größte militärische Bedrohung für Amerika.
Romney gelang es nach 37 Minuten, das Gespräch erstmals auf die Wirtschaft zu lenken, ein Thema, in dem er sich deutlich wohler fühlt. Ausgerechnet dort aber holte er sich den heftigsten Konter des Abends ab. Als er Obama vorwarf, er wolle die Ausgaben für das Militär kürzen und ihm vorwarf, die US-Navy habe heute schon weniger Schiffe als 1916, holte der Präsident genüsslich zum Gegenschlag aus: "Wir haben heute auch weniger Pferde und Bajonette. Das Militär hat sich verändert, wir haben heute Flugzeugträger, auf denen Flugzeuge landen und wir haben diese Boote, die unter Wasser tauchen, die nennen wir nukleare U-Boote." Romney war sichtlich getroffen und sprachlos. Obama sah so aus, als hätte er sich dafür am liebsten selbst Beifall geklatscht.
Mitunter hat man bei Obama das Gefühl, dass er keine Lust hat, seine Politik zu erklären. An diesem Abend war das Gegenteil der Fall. Auf Romneys Gesicht waren in diesen Momenten Schweißperlen zu sehen, bei Obama keine. Er fühlte sich wohler von Minute zu Minute. Romney wirkte nervös und verwechselte einige Namen. Seine Souveränität aus der ersten Debatte hat er nicht wiedererlangt.
Barack Obama ist nach Punkten der Sieger des Debattenmarathons, er hat zwei von drei Duellen gewonnen. Sein Problem aber könnte sein: das entscheidende, nämlich das erste, hat er verloren. Es war das, das Mitt Romney nach einem Umfragetief nach oben spülte. Seitdem liefern sich die Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Daran hat auch die letzte Debatte nichts geändert.