
Von der Rivalen zu einer der wichtigsten Mitarbeiter Obamas: Hillary Clinton© Carolyn Kaster/AP
Qualifikation und persönliche Chemie schlagen in Obamas Team parteipolitische Überzeugungen. Das gilt nicht nur für Geithner, der als unabhängiger Wähler registriert ist und früher Republikaner war. In seinem Kabinett werde es auch einen waschechten Republikaner geben, kündigte Obama an. Beobachter tippen auf den derzeitigen Verteidigungsminister Robert Gates, der für die Zeit des Übergangs im Amt bleiben könnte. Gates, der den Irak-Krieg von seinem unbeliebten Vorgänger Donald Rumsfeld geerbt hat, wird von beiden politischen Lagern respektiert und liegt in vielen strategischen Fragen mit dem neu gewählten Präsidenten auf einer Linie. Dazu gehören die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo sowie die geplante Verlagerung des Einsatzschwerpunkts des US-Militärs vom Irak nach Afghanistan.
Doch ob die Vision vom "Team der Rivalen", die Obama von seinem historischen Vorbild Abraham Lincoln abgeschaut hat, aufgeht, dürfte sich weder an Republikanern noch an jungen Überfliegern entscheiden. Das große Experiment bei der Kabinettsauswahl bahnt sich im eigenen Lager an: mit der Ernennung von Hillary Clinton zur Außenministerin.
"No drama Obama", wie ihn seine Mitarbeiter nannten, ist im Begriff, die Frau zu engagieren, die als seine Rivalin gezeigt hat, dass sie alle Formen des dramatischen Fachs beherrscht. Die nach ihrer Niederlage bei der Vorwahl in Iowa ein paar Tränen zerdrückte - und damit in New Hampshire weibliches Mitleid und die Mehrheit der Stimmen gewann. Die nach jedem Sieg hysterisch lachend im Konfettiregen stand - und die nach jeder Niederlage eine verkrampfte Pseudo-Siegesrede hielt. Die noch quer durch Amerika tourte, als sie rechnerisch bereits verloren hatte - mit einem unkontrollierbaren Ehemann und Ex-Präsidenten im Schlepptau, der auch vor rassistischen Bemerkungen nicht haltmachte, um den Gegner seiner Frau zu schwächen.
Und die dem Rivalen Obama mehr als nur einmal die außenpolitische Qualifikation absprach. In einem Wahlwerbespot warnte sie vor einem Szenario, in dem ein unerfahrener Präsident den Hörer abhebe, wenn nachts um drei das rote Krisentelefon im Weißen Haus klingele. Obamas Vorschlag von Verhandlungen mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wies sie als "unverantwortlich und naiv" zurück.
Nun wird Obama am roten Telefon sitzen, neben sich wird er den außenpolitisch ebenfalls ambitionierten Vizepräsidenten Joe Biden haben. Und Clinton könnte als Außenministerin bald vor der Aufgabe stehen, die diplomatischen Ideen von Obama-Biden umzusetzen.
Etwas "Drama" scheint garantiert mit der Rückkehr der früheren First Lady, die sicher mehr sein wird als eine Erfüllungsgehilfin. Auch Ehemann Bill, dessen finanzstarke Clinton Foundation die Namen von 208.000 Spendern an das Obama-Team übergeben musste, bleibt eine Kraft mit globaler Reichweite. Das muss nicht schlecht für die internationale Zusammenarbeit sein, meinen die optimistischen Kommentatoren. Die Clintons seien bekannt und angesehen und könnten Amerika in aller Welt gut repräsentieren. Doch werden sie dabei auch Obama repräsentieren? Seit der dramatisch zelebrierten Stabsübergabe beim demokratischen Parteitag in Denver haben sich beide jedenfalls viel Mühe gegeben und für Obama Wahlkampf gemacht. Und als der Republikaner John McCain den Clinton-O-Ton, in dem sie Obama die Erfahrung absprach, im Herbst für einen Wahlwerbespot verwendete, trat die Demokratin wieder vor ein Mikrofon und sagte im offiziellen Stil der Wahlwerbespots: "Ich bin Hillary Clinton. Und ich billige diese Botschaft nicht."