1. November 2012, 09:55 Uhr

Amerikas Wahltrickser bereit zur Schlammschlacht

Erste Chaosberichte zur Briefwahl

Obama, der vor allem von diesen frühen Wählern profitiert, ist gegen die Vorstöße der Republikaner juristisch vorgegangen. Aus gutem Grund: 2008 hatte er einen großen Vorsprung bei den Frühwählern. Und auch diesmal versucht der Präsident, sich frühe Stimmen zu sichern. Er schwört die Amerikaner bei jedem Auftritt ein, sich fix zu entscheiden. "Ihr müsst wählen gehen. Am besten jetzt sofort, gleich nach dem Event." Dabei greift er zu unorthodoxen Methoden: Er lässt die Wähler im Stile einer Kaffeefahrt im Bus zur nächsten Urne karren. Motto: "Get on the bus - early voting shuttles".

Unregelmäßigkeiten in Florida. Mal wieder

Schon vor dem offiziellen Wahltag machen erste Chaosberichte bei der Auszählung von Briefwahldokumenten die Runde. Ein Druckfehler auf Stimmzetteln in Florida führt dazu, dass mehrere zehntausend Exemplare manuell abgeschrieben werden müssen, damit sie von den Scannern erfasst werden können. Florida? Da war doch was.

Mehrfach spielte der "Sunshine State" eine unrühmliche Rolle bei Wahlen. Besonders 2000 als George W. Bush dort hauchdünn vor Al Gore gewann. Die Auswertung durch die Wahlmaschinen war so problematisch, dass manuell nachgezählt werden musste. Es dauerte mehr als vier Wochen, bis das Ergebnis in Florida und damit der Präsident feststanden. Bush siegte mit einem Minivorsprung von 537 Stimmen und sicherte sich dadurch um Haaresbreite den Chefsessel im Weißen Haus. Bis heute ist das Ergebnis umstritten.

Gerade das Votum per Post öffne Fehlern und Betrug Tür und Tor, heißt es in einem Bericht der "New York Times". Die Zeitung führt als Beispiel die republikanische Vorwahl in Florida auf. Damals stritten die Auszähler darum, ob das "R" in der Unterschrift nun dem "R" entsprach, wie es laut der Aufzeichnungen aussehen sollte. Auf Grundlage dieser Diskussion wurde am Ende entschieden, ob der Stimmzettel mitgezählt wird oder nicht.

Demokratie zum Abgewöhnen

Natürlich wäre Amerika nicht Amerika, wenn all die miesen Tricks nicht auch zu Verschwörungstheorien führen würden. Aktuell im Blickpunkt ist Ohio. Hier wird in diesem Jahr über Sieg und Niederlage entschieden, sind sich die Experten einig. Das Problem: Einige der Wahlmaschinen, die zur Stimmauszählung genutzt werden, stelle eine Firma her, die enge Kontakte ins Romney-Lager habe, berichten linke Medien. Das Unternehmen schwört, das sei Unfug. Doch die Verbindung allein reicht aus, um linke Gemüter zu erhitzen.

Sicher ist: Schon vor dem Wahltag hängt das böse Wort Wahlbetrug wie ein Damoklesschwert über den USA. Und die Wahrscheinlichkeit, das es dazu kommt, ist gar nicht so gering.

Von Nora Schmitt-Sausen, Washington
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