Was macht diese Erfahrung mit einem? "Bud" Day überlegt keine Sekunde und antwortet: "Es hat aus einem Mann aus Eisen einen aus Stahl gemacht. Und er dachte in diesen Jahren ständig darüber nach, wie man unser Land führen müsste. Wir waren ja entsetzt über unsere Politiker, die uns im Stich gelassen hatten. Vietnam wird John nie loslassen, egal, was er tut oder was er zu entscheiden hat."
Als John McCain einige Jahre später seinen Kumpel aufsucht und ihm erzählt, er wolle Politiker werden, rät dieser ihm ab. Day sagt: "Politik ist am Ende immer reiner Kompromiss, und John hatte null Kompromissbereitschaft. Ich sagte zu ihm: 'Politik ist wie Prostitution. Ich kann mir Dich da nicht vorstellen'." Day half ihm trotzdem, in den Senat von Arizona und später in den von Washington gewählt zu werden.
Und hat sich auch der Politiker John McCain verkauft? "Bud" Day sagt: "Er hat einen Kompromiss mit sich selbst gefunden: Es gibt Themen, da ist er kompromissbereit, und es gibt Themen wie dem Irakkrieg, da bleibt er eisern bei seiner Meinung. Ich glaube, er meistert das ganz gut."
Es gibt kein Thema, bei dem die Wunden des Verrats in McCain so brennen wie beim Thema Irak. John McCain führt dort seinen eigenen Krieg weiter, den von Vietnam. Als Präsident will er die Truppen im Irak notfalls noch 100 Jahre stationiert lassen. Er sagt: "Ich bringe unsere Soldaten nach Hause, aber mit Ehre und voller Stolz." An seinem rechten Handgelenk trägt McCain ein schwarzes Band mit dem Namen des Soldaten Matthew Stanley, dessen Antlitz und dem Tag seines Todes. Stanley, 22, war im Dezember 2006 im Irak von einer Bombe getötet worden. McCain hat das Band von Stanleys Mutter erhalten, sie trug an ihrem Handgelenk während des Vietnamkriegs ein silbernes in Gedenken an die gefangenen Soldaten. McCain hat der Frau versprochen, dass ihr Sohn und die anderen 4000 Amerikaner nicht vergebens gestorben sind. Er hat ihr gesagt: "Wir werden im Irak siegen."
Day ist in diesem Jahr wieder für McCain unterwegs, vor ein paar Wochen hat er eine Wahlkampfrede in New Mexiko gehalten, und vor kurzem hat er McCain in seinem Washingtoner Büro besucht, drei Stunden lang haben sie sich beraten. McCains Strategie in diesem Wahlkampf wird von Tag zu Tag offensichtlicher. Day sagt: "Wir müssen dem Land erklären, was für ein Mann John McCain ist, was für eine Geschichte John hat, und was für ein Mann Obama ist." Day zählt alles auf, was für seinen Freund spricht, 15 lange Minuten. Und dann sagt er über Obama: "Ich bin sehr besorgt über diesen Mann. Er ist ein fesselnder Redner. Adolf Hitler war auch ein fesselnder Redner. Er schaffte es, dass die Deutschen ihm alles glaubten. Winston Churchill war ein fesselnder Redner. Die Engländer glaubten ihm alles. Franklin Roosevelt war in unserem Land ein fesselnder Redner. Man sollte also sehr vorsichtig sein, mit was für einer Art von fesselndem Redner man es zu tun hat. Es gibt welche, die Gutes wollen, und andere, die Böses vorhaben. Und nach all dem, was wir wissen, scheint mir dieser Typ nicht einer von den Guten zu sein."
"Bud" Day wird alles dafür tun, dass die Menschen in den USA alles Schlechte über den Kandidaten der Demokraten erfahren. Er hat da seine Erfahrungen. Day gehörte 2004 einer Gruppe von Vietnam-Veteranen an, die den damaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten John Kerry heftigst attackierten mit der sogenannten "Swift Boat"-Affäre. Sie beschuldigten Kerry, sich als Kriegsheld feiern zu lassen, dabei sei er ein Feigling und Verräter gewesen. Die Vorwürfe wurden nie richtig bewiesen, Kerry lag weit vorne in den Umfragen, aber am Ende verlor er die Wahl gegen Bush.
"Bud" Day sagt jetzt: "Wir Republikaner wissen, wie man etwas herausfindet. Wir haben noch Zeit bis zu den Wahlen. Und wenn es irgendetwas gibt, was die Wähler über Obama wissen sollten oder über Michelle, seine Frau, die ja aussieht wie eine zornige, schwarze Frau, ich weiß ja nicht, ob sie das wirklich ist, aber wenn sie es ist, und wenn es irgendetwas gegen Obama gibt, dann werden wir das herausfinden und die Leute wissen lassen."
"Bud" Day schenkt einem am Ende sein Buch, er steht dann auf, zieht die Hose hoch, viel zu weit über den Bauch, was ihn noch kleiner wirken lässt. Er bringt einen zur Tür, er winkt zum Abschied. Ein freundlicher, alter Krieger.