
Will vor der Wahl keine italienischen Preise annehmen: Hollywoodstar Robert De Niro© Evan Agostini/Getty Images/AFP
Die Witwe des kürzlich gestorbenen "Superman"-Stars Christopher Reeve wird Kerry persönlich im Kampf um das Präsidentenamt unterstützen. Christopher Reeve war nach einem Reitunfall querschnittsgelähmt, glaubte aber fest daran, mit Hilfe einer Stammzellentherapie wieder auf die Beine zu kommen. Er erlag vor knapp zwei Wochen nach einer schweren bakteriellen Infektion einem Herzstillstand.
Jon Leiberman, Chef des Washingtoner Büros der Gruppe, hatte der "Baltimore Sun" gesagt, der 45-Minuten-Streifen sei "einseitige politische Propaganda". "Ich wurde gefeuert, weil ich Einzelheiten aus einer internen Besprechung öffentlich gemacht habe", sagte Leiberman. In der Besprechung hatte er seinen Protest deutlich gemacht. Er habe seit Monaten gegen Druck aus dem Haus gekämpft, tendenziöse Nachrichten zu präsentieren. In einer Stellungnahme sagte der Sprecher der Sinclair-Gruppe, Mark Hyman, Leiberman sei wegen seiner politischen Überzeugungen an die Öffentlichkeit gegangen. Das Unternehmen wolle keinen weiteren Kommentar abgeben.
Robert De Niro (61), Hollywoodstar, nimmt derzeit keine italienischen Orden und Auszeichnungen an. Der Schauspieler, dessen Urgroßeltern aus einem süditalienischen Dorf stammen, sagte in Mailand nur Stunden vor dem Festakt die Verleihung eines Kulturpreises der Stadt ab. Zudem schlägt der weltberühmte Amerikaner ("Taxi Driver", "Men of Honer") auch die ihm angebotene italienischen Staatsbürgerschaft aus. Grund sei der Wahlkampf, in dem De Niro den Herausforderer Kerry unterstütze, berichteten italienische Medien. Da De Niro aber in seinen Filmen Italo-Amerikaner häufig als Gangster und Mafiosi darstelle, könne deren Hilfe für Kerry nun zum Nachteil werden. "De Niro meint, die Preise besser erst nach den Wahlen anzunehmen", meinte ein Regierungssprecher in Rom.
Der amerikanische Waffenverband NRA hat sich im Wahlkampf offiziell hinter Präsident Bush gestellt. Die einflussreiche Organisation mit 4,3 Millionen Mitgliedern will dafür bis zum Wahltag 20 Millionen Dollar ausgeben, teilte sie in Duluth, Minnesota, mit. Damit will die Organisation unter anderem Fernseh- und Radiospots sowie Flugblätter in 15 Bundesstaaten finanzieren, in denen das Rennen eng ist.
Die NRA sieht in Bushs Herausforderer einen Gegner der Waffenrechte. Der Senator ist selbst Jäger und besitzt mehrere Waffen. Dennoch setzt er sich für eine stärkere Kontrolle ein. Mitte September war Kerry dafür, ein Gesetz zu verlängern, das den Verkauf von halbautomatischen Waffen stark einschränkte. Die Republikaner im Kongress ließen das Gesetz gegen den Protest von Polizistenverbänden auslaufen. Nach Angaben der NRA haben 45 Prozent der amerikanischen Haushalte Schusswaffen.
Ginge es nach den jüngsten Amerikanern, stünde der neue US-Präsident fest. Nach einer Umfrage des Fernsehsenders Nickelodeon unter rund 400 000 Kindern gaben 57 Prozent an, Herausforderer Kerry zu favorisieren. 43 Prozent würden dem Amtsinhaber ihre Stimme geben. Der Sender betonte, dass die befragten Kinder seit Beginn der Erhebungen 1988 stets den Wahlsieger vorausgesagt hätten. Vor vier Jahren hatten 55 Prozent der Kinder für Bush gestimmt. Das Votum der Kinder zwischen zwei und elf Jahren scheine ein "gutes Barometer für die Präsidentschaftswahl" zu sein, da Kinder die Meinungen und Ansichten ihrer Eltern teilten, erklärte Nickelodeon-Chefin Cyma Zarghami.
Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Kerry gewinnen wird. In einer Forsa-Umfrage unter 1000 ausgewählten Bundesbürgern im Auftrag des Hamburger Magazins stern erklärten dies 59 Prozent der Befragten. 31 Prozent sind der Ansicht, dass Bush die Wahl gewinnen wird. Zehn Prozent antworteten mit "Weiß nicht". Große Zweifel haben die Deutschen am korrekten Ablauf der Wahl. Nur 40 Prozent aller Bundesbürger glauben, dass die Wahl ordnungsgemäß und rechtmäßig ablaufen wird. 53 Prozent rechnen mit ähnlichen Unregelmäßigkeiten wie bei der letzten Wahl vor vier Jahren. Unentschieden sind hier 7 Prozent.
Bush oder Kerry? Diese Frage stellt sich nicht nur den amerikanischen Wählern, sondern neuerdings auch chinesischen Restaurantbesuchern. Ein Wirt in der Stadt Foshan lädt seine Gäste dazu ein, mit ihrer Bestellung Stellung zu beziehen - für Ente à la Bush oder nach Kerry-Art. Vor dem Restaurant hänge ein Banner mit der Aufschrift "Kommen Sie herein, machen Sie mit und wählen Sie Ihren Kandidaten", berichtete die Zeitung "Yangcheng Wanbao".
Die Bush-Ente sei stark gewürzt, "passend zu seiner kriegstreiberischen Persönlichkeit", die Variante Kerry ein magerer Vogel mit einer Sauce, die seiner "scharfsinnigen und fähigen Natur" entspreche. Die Vorlieben der Gäste sind - genau wie die der US-Wähler - geteilt: Bislang bestellten 53 Prozent der Restaurantbesucher Ente Kerry, 47 Prozent zogen den würzigen Bush vor. Nach der Wahl am 2. November sollen alle Kunden, die auf den Sieger gesetzt haben, einen Preis erhalten.
Der unklare Ausgang der Präsidentenwahl verunsichert offenbar die deutschen Anleger. Mehr als jeder dritte deutsche Investor (37 Prozent) habe mittlerweile sein Kapital aus US-Aktien abgezogen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Anleger warteten ab, ob Amtsinhaber Bush oder Herausforderer Kerry das Rennen mache und wollten erst dann wieder umschichten, hieß es.
Hauptgrund für die Verunsicherung der Anleger ist der große Unterschied der Wirtschaftsprogramme von Republikanern und Demokraten, was eine eindeutige Prognose der künftigen US-Wirtschaftspolitik unmöglich mache. Nur sieben Prozent der Befragten lassen sich der Erhebung zufolge bei ihren Aktienentscheidungen nicht von der Wahl beeinflussen. 61 Prozent der deutschen Anleger gehen davon aus, dass Kerry als Präsident die Aktienmärkte beflügeln würde, 22 Prozent rechnen im Falle einer Wiederwahl Bushs mit einer Belebung der Aktienmärkte.
Wenige Tage vor der Wahl können Randfacetten den Ausschlag geben, die ein Schlaglicht auf die Kandidaten werfen. Besonderes Gewicht wird dem "Kulturphänomen" (Washington Post) Jon Stewart (41) beigemessen. In seiner erfolgreichen halbstündigen "Daily Show" nimmt er täglich die neuesten Wahlkampfauftritte aufs Korn. Die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen sagte in einer Umfrage des Pew-Instituts, sie informiere sich manchmal oder regelmäßig über die Ereignisse des Tages bei Stewart.