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10. Dezember 2009, 16:03 Uhr

Blinder Optimismus auf der Insel

Die Unterseite der Kreditindustrie

Staatliche Gelder gab es allerdings kaum noch für die verarbeitende Industrie, sondern vor allem für die Ansiedlung von Finanzdienstleistern und Einzelhandel. Ein glänzendes neues Einkaufszentrum steht inzwischen direkt am Bahnhof von Hull, aus Stahl und Glas. Ein weiteres war geplant. Der Hafenbezirk sollte sich vom Obst-Großhandel-Zentrum in ein Büro-Viertel verwandeln. Hull hatte sogar einen Zipfel der Geldindustrie zu fassen bekommen, die sich hier ansiedelte. Es waren die Kreditverleiher, die jedem Geld versprachen, auch den Familien, die bei keiner Bank mehr angehört wurden. Es war die Unterseite der goldenen Finanzindustrie, die Subprime-Kredit-Verteiler. Sie spülten über Jahre ordentliches Geld in den Steuer-Säckel.

Heute ist alles verschwunden. Nach der Kreditkrise entließen als erstes die Kredit-Haie hunderte Mitarbeiter. Die großen Pläne für das Büro-Viertel am Hafen liegen auf Eis. Dann bekamen die Wohnwagen-Bauer keine Kredite mehr, ohne Kapital konnten sie ihre Zulieferer nicht bezahlen. Außerdem brach der Absatz von Wohnwagen zusammen. Viele traditionelle Familienbetriebe mussten Konkurs anmelden, hunderte Menschen wurden entlassen.

"Der Staat muss weiter Geld ausgeben"

Heute verdient auch das neue, glänzende Einkaufszentrum nichts mehr. Die Stadt hat inzwischen weit über zehn Prozent Arbeitslose, viele junge Menschen haben noch nie in ihrem Leben eine Arbeitsstelle gefunden. Kaum jemand kann sich die Waren in den schönen Auslagen in der neuen Einkaufsmeile leisten. Die Geschäfte hier sind Filialen von großen Ketten. Sie warten noch, vielleicht wird es bald besser. Viele kleine Familienbetriebe in der Innenstadt von Hull mussten jedoch schon aufgeben, ihre Angestellten werden zu einer Nummer mehr in den langen Reihen vor den Job-Zentren in Hull. Hier müssen sich die Arbeitslosen jede Woche melden und sich bereit zeigen für neue Jobangebote. Doch die gibt es kaum noch in den Computern der Arbeitsamts-Berater.

Der Schatzkanzler hat seinen Mitbürgern versprochen, dass es besser wird. Er sagt, der Staat müsse weiter Geld ausgeben, damit die Wirtschaft wieder nach vorne komme. Unter Labour war ein großer Motor der heimischen Wirtschaft die stete Zunahme der Angestellten in staatlichen Schulen, in den staatlichen Krankenhäusern und Arztpraxen, in den Verwaltungen, in hunderten Initiativen von Kinder-Beratungszentren bis zu den Gleichstellungs-Kommissionen. Der Staat hat seine eigenen Bürger angestellt.

Die Briten wollen lieber an Wunder glauben

Finanziert wurde das durch den Erfolg der Finanzwirtschaft. Doch jetzt musste der Staat auch die Banken finanzieren, zehn Milliarden Pfund hat das mindestens gekostet, die Garantien laufen noch. Darling will zum ersten Mal die Boni der Banker besteuern, einmalig mit 50 Prozent. Es wird eine knappe halbe Milliarde Pfund in die Kassen spülen und wahrscheinlich weitere Finanzmanager dazu veranlassen, nach Genf oder Monaco umzuziehen. Das wird Großbritannien nicht retten können.

Es waren die Konservativen, die im September auf ihrer Parteikonferenz andeuteten, was auf Großbritannien zukommen wird: Einsparungen in allen öffentlichen Bereichen vom freien Museumseintritt bis zu den Gehältern aller Staatsbediensteten, Steuererhöhungen für alle und nicht nur für die Reichen. Eine Zeit der Entsagung. Eigentlich ahnen das auch alle. Doch die Konservativen verloren in den vergangenen Wochen Prozentpunkte in den Umfragen. Ehrlich zu sein ist gefährlich in diesen Zeiten.

Die Briten wollen lieber zusammen mit ihrem Schatzkanzler an Wunder glauben.

Von Cornelia Fuchs, London
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Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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