Tausende Seiten Akten aus den Jahren 2001 bis 2009 haben die fünf Mitglieder der Kommission bereits vor Anfang der öffentlichen Sitzungen gewälzt und sich mehrfach mit Angehörigen getöteter Soldaten getroffen. Die Öffentlichkeit ist aufgerufen, sich mit zusätzlichen Informationen an die Kommission zu wenden. Jede Zeugen-Aussage wird auf der Webseite www.iraqinquiry.org.uk transkribiert.
Soviel Offenheit sei bitter notwendig, konstatiert die Tageszeitung "Guardian" zu dem Prozedere: "Das vorrangige Ziel muss es sein, die Öffentlichkeit mit ihrer politischen Klasse zu versöhnen, die uns so böse in die Irre geführt hat." Die Zeitung "Daily Telegraph" nahm die Aufforderung des Kommissions-Vorsitzenden gleich wörtlich und präsentierte am Wochenende eine ganze Reihe von Dokumenten, die zeigen, wie schlecht die britische Armee auf den Irak-Krieg vorbereitet war. Manche Soldaten hatten nur fünf Schuss Munition im Gepäck - und einige mussten sogar für ihren Transport auf normalen Linien-Maschinen einchecken. Prompt wurden ihnen an der Flughafen-Kontrolle die Waffen konfisziert.
Die Frage nach fehlender Ausrüstung der Truppen wird einen Teil der Kommmissions-Arbeit ausmachen - und es könnte sich bestätigen, dass die Regierung von Tony Blair die militärischen Vorbereitungen behinderte, weil sie politisch den Kriegswillen noch nicht öffentlich machen wollte. Weitere wichtige Fragen werden sein, wer warum versäumte, Pläne für die Zeit nach der Invasion vorzubereiten, warum Geheimdienstinformationen für politische Argumente missbraucht wurden und, vor allem, wie und warum entschieden wurde, in den Krieg zu ziehen.
Der endgültige Bericht der Kommission wird nicht vor Ende des nächsten Jahres erwartet. Um die britischen Parlaments-Wahlen nicht zu beeinflussen, wird Sir John die Sitzungen im Frühjahr 2010 unterbrechen lassen. Bis zum Jahresende sind Diplomaten und hohe Beamte als Zeugen geladen. In der ersten Sitzung am Dienstagmorgen bestätigte zum Beispiel Sir Peter Ricketts, im Jahr 2001 Vorsitzender des Geheimdienstrates in Großbritannien, dass in den USA nach den Anschlägen vom 11. September sehr schnell von einem Sturz Saddam Hussein gesprochen wurde. Zu dieser Zeit sei Großbritannien allerdings davon ausgegangen, dass Saddam mit schärferen Sanktionen im Zaum gehalten werden könne. Der Kopf der Abteilung für den Mittleren Osten zu dieser Zeit, William Patey, sagte aus, dass Saddam Hussein Ende 2001 erst "nach einigen Jahren" eine Gefahr für die Region hätte darstellen können.
Es wird die Aufgabe der Kommission sein darzulegen, warum Tony Blair und seine Regierung ihre Meinung innerhalb weniger Monate so grundlegend geändert haben.