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11. November 2009, 12:19 Uhr

Auf der Harley durch Soweto

BEE hat Soweto geholfen, den typischen Teufelskreis eines jeden Elendsquartiers zu durchbrechen. BEE ist allerdings auch der Grund für Nepotismus und Korruption in einem Ausmaß, dass es die bestehende Rechtsordnung gefährden könnte, wie nicht wenige befürchten. Tatsächlich vergeht kaum eine Woche ohne einen neuen Skandal im Zusammenhang mit dem Programm.

Denn in Genuss der lukrativen BEE-Geschäfte kommt nur, wer Kontakte zu Regierung hat. Einige der reichsten Männer Südafrikas wie Cyril Ramaphosa oder Tokyo Sexwale waren oder sind immer noch hohe Politiker des ANC, der herrschenden Partei des Landes. Es scheint bisweilen, als sei man dabei, die einst kleine weiße Elite gegen eine kleine schwarze Elite auszutauschen. Ob öffentliche Ausschreibung oder eben BEE-Deal - ohne Beziehungen keine Chance. Und das führt zu Korruption.

Selbst der heutige Präsident Jacob Zuma, ebenfalls ein ANC-Mann, hängt mit drin. Zwar konnte er juristisch nie belangt werden, dennoch ist es erwiesen, dass Zuma, als er in den 90er Jahren Vizepräsident war, von seinem Geschäftsfreund Shabir Shaik regelmäßig Zehntausende von Euro erhalten hat. Shaik wurde dafür verurteilt. Zuma konnte dem Verfahren durch allerlei juristische Kniffe entkommen.

Ein Instrument der südafrikanischen Minenkonzerne

Ohnehin ist es ein Mythos, dass BEE eine Erfindung der ersten schwarzen Regierung unter Nelson Mandela sei. Vielmehr wurde das Entwicklungsprogramm schon vorher von den großen Minenkonzernen Südafrikas benutzt, um sich Macht und Besitz zu erhalten - indem sie sich die neue Elite gefügig kauften. Das behauptet etwa der Ökonom Moeletsi Mbeki, Bruder des ehemaligen Präsidenten Südafrikas Thabo Mbeki. Und er kennt einige gute Argumente dafür. Schließlich wurde die erste Firma nach BEE-Prinzip, der Mischkonzern "New Africa Investments" schon 1992 zusammengestellt - zwei Jahre bevor der ANC überhaupt die Regierung übernahm. Und das größte Unternehmen Südafrikas "Anglo American" gab Anteile unter anderem an Tokyo Sexwale und Cyril Ramaphosa ab - zu einem Zeitpunkt, als sie bei den Verfassungsberatungen Verhandlungsführer des ANC waren. Damit erkaufte sich Anglo die Möglichkeit, seine Aktien fortan nicht mehr in Johannesburg sondern in London zu listen. Und entkam so der Gefahr der Enteignung - die linke Kräfte im ANC durchaus forderten.

Heute ist BEE ein essentieller Bestandteil des südafrikanischen Wirtschaftslebens, und tatsächlich öffnet es Jobs für Schwarze oder Farbige, die ihnen jahrzehntelang verschlossen blieben. Und gibt damit auch Männern wie Afrika Tau die Chance, mit einer Harley durch die Straßen Sowetos zu brettern. Das allerdings war für seine Erfinder nur ein Nebeneffekt. Eine Behörde übrigens scheint dem Staat zu wichtig zu sein, als dass er das Personal nur nach BBE-Kriterien anstelle von Leistung rekrutieren würde: der "South African Revenue Services" - die Steuerbehörde des Landes.

Von Marc Goergen, Johannesburg
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