Und auch Amerikas Partner dürfen von einem Präsidenten Obama eine entscheidende Veränderung im Umgang miteinander erwarten. An Amerika, dem Hegemon der westlichen Welt, werden sich immer viele Partner reiben, vor allem die Europäer. Auch ein Präsident Obama wird harte, kontroverse Entscheidungen fällen. Entscheidend aber ist, dass er diese wird begründen und verteidigen können, nicht mit missionarischem Eifer, sondern mit Argumenten. Das ist viel wert. Sehr viel.
Dass Obama mehr ist als nur Charisma, garniert mit wolkigen Worten der Hoffnung, dass er das Potenzial hat, seine Versprechen auch mit Härte und Kompetenz einzulösen, hat sein Wahlkampf eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er hat es zuerst geschafft, die Clintons in einem bisweilen zermürbenden Vorwahlkampf zu besiegen, mit einer klugen Strategie, trotz Rückschlägen. Dabei hat er, und das ist außergewöhnlich, sich zu keinem Zeitpunkt zu Populismus hinreißen lassen. Dann hat er McCain ausmanövriert. Unter Ausnutzung der Möglichkeiten des Internets sammelte Obama so viele Spendendollar wie niemand zuvor und übertrumpfte den Gegner mit diesem Geld bei allen klassischen Mitteln des Wahlkampfs - bis hin zu jener denkwürdigen 30-Minuten-Werbesendung, die in der vergangenen Woche auf mehreren US-Sendern ausgestrahlt wurde.
McCain hatte der Obama-Dynamik wenig entgegenzusetzen. Er versuchte es mit Populismus, dann mit persönlichen Angriffen. Aber das alles verfing kaum, stattdessen machte sich McCains Nummer zwei, Sarah Palin, unbeholfen zum Gespött der Nation. Obama dagegen blieb cool, ließ sich nicht zu einem Fehler verleiten. Stattdessen stellte seine Wahlkampfmaschine in der Finanzkrise Kompetenz unter Beweis, die Lernfähigkeit des Kandidaten - und nährte die Hoffnung, dass eine Regierung Obama in der Lage sein wird, sich auf neue, überraschende Situationen schnell und kompetent einzustellen. Obama, das signalisierte die Organisation seines Wahlkampfs eindrucksvoll, ist in der Lage, große Herausforderungen intelligent und pragmatisch zu meistern. Zumindest laut Umfragen hat er die Wähler mit alldem überzeugt. Er geht als Favorit in diesen Wahltag. Sogar der wirtschaftsliberale "Economist" hat ihn empfohlen. Ein Sieg McCains an diesem Wahltag wäre deshalb eine faustdicke Überraschung. Mit diesem Wahlkampf hat Obama seine Meisterprüfung bestanden.
Die Bedeutung eines Wahlsiegs Obamas ist trotz all seiner Erwartbarkeit dennoch nicht zu überschätzen. Denn wenn sich die Amerikaner für Obama entscheiden, befreien sie sich nicht nur eindrucksvoll von der Finsternis der Bush-Jahre, sie entscheiden sich gleichzeitig für einen Aufbruch, für einen modernen Präsidenten, für einen Präsidenten, der Euphorie erzeugen und der Welt ein positives Bild Amerikas vermitteln kann. Barack Obama verspricht, dass er das gute Amerika zurückbringen kann. Schon jetzt hat dieses Versprechen eine ungeheure Wucht entfaltet. Entscheidet sich Amerika heute für Obama, könnte die Umsetzung dieses Versprechens Generationen prägen.
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