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4. November 2008, 14:08 Uhr

Amerikas Schicksalswahl

Und auch Amerikas Partner dürfen von einem Präsidenten Obama eine entscheidende Veränderung im Umgang miteinander erwarten. An Amerika, dem Hegemon der westlichen Welt, werden sich immer viele Partner reiben, vor allem die Europäer. Auch ein Präsident Obama wird harte, kontroverse Entscheidungen fällen. Entscheidend aber ist, dass er diese wird begründen und verteidigen können, nicht mit missionarischem Eifer, sondern mit Argumenten. Das ist viel wert. Sehr viel.

Dass Obama mehr ist als nur Charisma, garniert mit wolkigen Worten der Hoffnung, dass er das Potenzial hat, seine Versprechen auch mit Härte und Kompetenz einzulösen, hat sein Wahlkampf eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er hat es zuerst geschafft, die Clintons in einem bisweilen zermürbenden Vorwahlkampf zu besiegen, mit einer klugen Strategie, trotz Rückschlägen. Dabei hat er, und das ist außergewöhnlich, sich zu keinem Zeitpunkt zu Populismus hinreißen lassen. Dann hat er McCain ausmanövriert. Unter Ausnutzung der Möglichkeiten des Internets sammelte Obama so viele Spendendollar wie niemand zuvor und übertrumpfte den Gegner mit diesem Geld bei allen klassischen Mitteln des Wahlkampfs - bis hin zu jener denkwürdigen 30-Minuten-Werbesendung, die in der vergangenen Woche auf mehreren US-Sendern ausgestrahlt wurde.

Der Wahlkampf als Meisterwerk

McCain hatte der Obama-Dynamik wenig entgegenzusetzen. Er versuchte es mit Populismus, dann mit persönlichen Angriffen. Aber das alles verfing kaum, stattdessen machte sich McCains Nummer zwei, Sarah Palin, unbeholfen zum Gespött der Nation. Obama dagegen blieb cool, ließ sich nicht zu einem Fehler verleiten. Stattdessen stellte seine Wahlkampfmaschine in der Finanzkrise Kompetenz unter Beweis, die Lernfähigkeit des Kandidaten - und nährte die Hoffnung, dass eine Regierung Obama in der Lage sein wird, sich auf neue, überraschende Situationen schnell und kompetent einzustellen. Obama, das signalisierte die Organisation seines Wahlkampfs eindrucksvoll, ist in der Lage, große Herausforderungen intelligent und pragmatisch zu meistern. Zumindest laut Umfragen hat er die Wähler mit alldem überzeugt. Er geht als Favorit in diesen Wahltag. Sogar der wirtschaftsliberale "Economist" hat ihn empfohlen. Ein Sieg McCains an diesem Wahltag wäre deshalb eine faustdicke Überraschung. Mit diesem Wahlkampf hat Obama seine Meisterprüfung bestanden.

Die Bedeutung eines Wahlsiegs Obamas ist trotz all seiner Erwartbarkeit dennoch nicht zu überschätzen. Denn wenn sich die Amerikaner für Obama entscheiden, befreien sie sich nicht nur eindrucksvoll von der Finsternis der Bush-Jahre, sie entscheiden sich gleichzeitig für einen Aufbruch, für einen modernen Präsidenten, für einen Präsidenten, der Euphorie erzeugen und der Welt ein positives Bild Amerikas vermitteln kann. Barack Obama verspricht, dass er das gute Amerika zurückbringen kann. Schon jetzt hat dieses Versprechen eine ungeheure Wucht entfaltet. Entscheidet sich Amerika heute für Obama, könnte die Umsetzung dieses Versprechens Generationen prägen.

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Ein Kommentar von Florian Güßgen
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KOMMENTARE (10 von 22)
 
S.H. (04.11.2008, 22:45 Uhr)
P.S.:
und dann wird McCain 2 Monate nach der Wahl einem Hirnschlag erlegen und Palin wird Präsidentin.
S.H. (04.11.2008, 22:43 Uhr)
Ich rechne ja fast damit, daß
viele Amis, die in den Umfragen für Obama waren, in der Wahlkabine, wenn sie alleine sind, denken "ach was, den Nigger wähle ich doch nicht!". Und die Amis werden ihre Chance vertun.
shine (04.11.2008, 18:12 Uhr)
@Johann58
>>und bei einem Wahlsieg von McCain ist nicht davon auszugehen,
>>dass die demokratische Mehrheit im Senat Geld fuer
>>ein weiteres Abenteuer genehmigen wird.
Naja, wenn die "unwilligen" Demokraten von den Republikaner wieder als "unpatriotisch" beschimpft werden und wieder Lügen über angeblich schon existierende WMD verbreitet werden, würden wohl doch viele aus Angst als unpatriotisch zu gelten und damit das "Land verraten" zu haben, doch für einen Angriffplan stimmen... Schon mal passiert vor nicht allzulanger Zeit...
Johann58 (04.11.2008, 17:31 Uhr)
@tricky_dude
Es gibt genuegend Amerikaner, die nach wie vor behaupten, dass Sadam Hussein hinter den Anschlaegen vom 9. September steckte. Ausserdem erschreckt mich jedesmal der Hinweis: man muss doch etwas tun wenn man angegriffen wird. Fox News und andere vergleichbare Sender tun ein uebriges dazu, dass der Durchschnittsamerikaner schoen dumm gehalten wird. Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass die USA die finanzielle Potenz haben einen weiteren Krieg zu finanzieren. Es ist davon auszugehen, dass erstmalig nach den massiven Protesten gegen den Vietnam Krieg die Amerikaner sich wieder gegen einen weiteren Krieg wenden werden. Der Iran ist keine wirkliche Bedrohung fuer die USA und bei einem Wahlsieg von McCain ist nicht davon auszugehen, dass die demokratische Mehrheit im Senat Geld fuer ein weiteres Abenteuer genehmigen wird.
tricky_dude (04.11.2008, 17:02 Uhr)
@Johann58
Ich glaube jeder Mensch weiß das der Irak mit den Anschlägen vom 11. September nichts zu tun hatte.
Der eigentliche Skandal ist auch das Bin Laden durch einen eklatanten Fehler der Amerikaner aus Tora Bora entkommen konnte. Er ist aus dem Abschnitt entkommen, in dem die Afghanischen Milizen alleine die Kommandogewalt hatten. Übrigens war bei dem Angriff auf Tora Bora auch unsere KSK im Einsatz, also die USA im Stich gelassen haben wir ganz sicher nicht.
Aber das sind alles alte Geschichten. Ich mach mir Sorgen ob McCain den Iran tatsächlich wegen der Atomanlagen angreifen läßt. Wir sind näher am Iran, als Ihr da in den Staaten.
Johann58 (04.11.2008, 16:47 Uhr)
@tricky_dude
Entscheidend war, dass er es abgelehnt hat und damit verhindert hat dass Deutschland in einen weiteren Konflikt verwickelt wird. McCain wird im Irak bleiben und die Zahlen werden nicht besser: seit Beginn des Irak Kriegs 4.190 tote US Soldaten offiziell 30.000 Verletzte, inoffiziell mehr als 100.000. In den Angriffen vom 11. September starben ca. 2.800 Menschen. Gibt das nicht zu denken? Die toten Iraker sind nicht gezaehlt und das ist ein Vielfaches der toten US Soldaten. Sollte Obama Praesident werden, kann man nur hoffen, dass er diesen unseligen Krieg beendet und nicht noch einen beginnt, wobei ich da durchaus meine Zweifel habe. Lediglich wenn BinLaden schnell gefunden wird, kann eine Ausweitung des Kriegs in Afghanistan auf Pakistan wirklich verhindert werden.
tricky_dude (04.11.2008, 16:35 Uhr)
berechtigte Ablehnung
die "berechtigte Ablehnung" hab ich gemeint, sorry!!
tricky_dude (04.11.2008, 16:33 Uhr)
@Johann58
Mir geht es um die Art und Weise wie Schröder damals die (berechtigte) Beteiligung am Irak-Einsatz abgelehnt hat. Das war ein Griff ins Klo. Ein Hinweis auf unsere Begrenzte Truppenstärke und die bereits laufenden Einsätze am Balkan und in Afghanistan wären diplomatischer gewesen.
Bushs Ausage war allerdings der Hammer schlechthin. Und unsere Bundesangie kriecht ihm auch noch in den Hintern.
Johann58 (04.11.2008, 16:27 Uhr)
@tricky_dude
Da liegt genau der Unterschied zwischen denen die Denken und denen die blind hinter Bush hergerannt sind. Die Welt stand hinter Amerika nach den Angriffen vom 11. September aber die, welche mitgedacht haben sind nicht blind gegen ein Land in den Krieg gezogen, welches mit den Angriffen nichts zu tun hatte. Und der ach so sinnvolle Spruch, wer nicht mit uns ist ist gegen uns von Bush hat gezeigt wes Geistes Kind er ist. Dann mit einem Berg von Luegen und gefaelschten Dokumenten Colin Powell zu den Vereinten Nationen zu schicken um einen ungerechtfertigten Krieg zu rechtfertigen grenzt schon an etwas Unbeschreibliches. Die Geschichtsbuecher werden George W. Bush als einen der schlechtesten Praesidenten der USA beschreiben, als einen der das Land in einem katastrophalen Zustand hinterlassen hat, der das Land wirtschaftlich ruiniert hat und in Zeiten der Globalisierung isoliert hat statt es in die Gemeinschaft der Welt zu integrieren.
SethusCalvisius (04.11.2008, 16:27 Uhr)
@tricky_dude
Hätte Schröder denn damals wegen der zugesagten Solidarität die Beteiligung am Irak-Krieg zusagen sollen? "Herumgestänkert" hat er meines Wissens auch nicht.
Im übrigen geht es mir auch gar nicht um diesen Punkt, sondern darum, dass jetzt am Ende der Bush-Aera plötzlich alle auf ihm herumhacken, die vorher immer auf seiner Seite standen und den Kritikern "Antiamerikanismus" vorgeworfen haben. Nachher ist man immer klüger, aber man sollte dann auch zugeben, dass man dazugelernt hat.
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