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19. Juni 2009, 16:20 Uhr

Obama, der Unerbittliche

Iran, USA, US-Regierung, Barack Obama, Atombombe

Er verantwortet Obamas Iran-Politik: Der US-Sondergesandte Dennis Ross (li.) im Gespräch mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa© Cris Bouroncle/AFP

Nuklearstaat Iran

Obama bietet also viel Zuckerbrot an, sehr süßes Zuckerbrot, ein handfestes Angebot an den Iran. Denn die Zeit drängt. "Jeder der vier Kandidaten, die am vergangenen Freitag im Iran zur Wahl standen, würde das Nuklearprogramm fortsetzen", sagt der ehemalige CIA-Analyst und Nahost-Experte im Nationalen Sicherheitsrat Flynt Leverett: "Keiner von ihnen würde es aufgeben." In den iranischen Nuklearanlagen sind fast 6000 Gaszentrifugen installiert, 4000 sind in Betrieb, und haben, wie es heißt, bislang eine Tonne niedrig angereichertes Uran produziert. Und damit, so vermuten amerikanische Experten, habe der Iran schon jetzt die gefürchtete "break out capability" erreicht. Jene Fähigkeit, aus dem Kontrollregime auszubrechen: das vorhandene Uran rasch - und heimlich, ohne Kontrolle der UN-Inspektoren - weiter anzureichern, um daraus den Rohstoff für eine Atombombe zu gewinnen.

Und wer weiß schon, was Israel wirklich plant. Immer wieder heißt es ja: Israel könne sich nicht den Luxus leisten, mit einem Nuklearstaat Iran zu leben. Im vergangenen Jahr konnte Bush die Hardliner in Israel noch stoppen. Er soll im Gegenzug CIA-Operationen im Iran genehmigt haben, Attentate auf Nuklearwissenschaftler etwa.

Dennis Ross, der Iran-Stratege

Architekt von Obamas Iran-Politik ist für Viele in der Region ein alter Bekannter: der rührige, knallharte Dennis Ross, früher mal Nahost-Unterhändler Clintons. Als Sondergesandter für den Iran hat er in den vergangenen Monaten mit einem kleinen Team Obamas Strategie ausgearbeitet. Und die lautet: "Bigger carrots, bigger sticks." Dickere Belohnungen für Entgegenkommen in der Atomfrage - aber auch härtere Sanktionen. Die sollen schon im Herbst verhängt werden, wenn sich Teheran nicht an den Verhandlungstisch setzt.

Und zum ersten Mal sollen diese Sanktionen richtig weh tun, sollen den Nerv der maroden Wirtschaft treffen: die Versorgung mit Öl und Benzin. Bis zu 40 Prozent seines Benzins muss der Iran importieren. Im US-Kongress unterstützen mittlerweile auch die Demokraten einem Gesetzesentwurf, der den Verkauf von Benzin an den Iran verbieten soll.

Ross will die "hybride Option", wie er selbst sagt, Diplomatie und eisenharten Druck. Und wenn der nicht funktioniert? Dann könne es auch zu härteren Maßnahmen kommen, heißt es in Washington. In diesen Wochen reist Ross durch die Region, will arabische Staaten überzeugen, denn auch die haben Angst vor einem nuklear bewaffneten Nachbarn Iran. Die EU spielt mit, heißt es, auch die Deutschen. Und Russlands Unterstützung soll mit dem Verzicht auf die umstrittenen US-Raketenabwehranlagen in Polen erkauft werden.

Türöffner für militärische Sanktionen

Schon vermutet man in Teheran eine tückische Falle: die netten Gesten, die Verhandlungsbereitschaft sei vielleicht nur vorgeschoben, um internationale Unterstützung für härtere Sanktionen zu bekommen - und später vielleicht sogar für militärische Aktionen. In dieser Welt scheint Diplomatie nur eine Art trojanisches Pferd. Und sehr aufmerksam registriert man in Teheran das jüngste Gerücht, auch dies ein hintergründiges Symbol: gerade sei Dennis Ross zum Berater im Nationalen Sicherheitsrat befördert worden, heißt es. Jetzt zieht er um aus dem langweiligen, einflusslosen Außenministerium ins Zentrum der Macht, wird einer der engsten Berater von Barack Obama mit direktem Zugang zum Präsidenten sein.

Und dass dieser Präsident bereit ist, den gewaltigen Knüppel amerikanischer Macht auch zu nutzen, zeigt Barack Obama gerade an einer anderen Ecke der Welt: Im Japanischen Meer. Dort sollen amerikanische Schiffe nordkoreanische Frachter kontrollieren und im Zweifel die Ladung im nächsten Hafen löschen lassen. So will Obama nun den nordkoreanischen Atom-Mächtigen und Diktator Kim Jong-il bezwingen: Er will ihm die Existenzgrundlage entziehen. Denn der überlebt nur mit Waffenhandel und Schmuggel. Im fernen Osten jedenfalls ist die Zeit der Verhandlungen erst einmal vorbei.

Von Katja Gloger
Seite 1: Obama, der Unerbittliche
Seite 2: Nuklearstaat Iran
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Carolarco (20.06.2009, 15:16 Uhr)
Gloger-Artikel...duemmlich.
Ob USA sich nun einmischt oder nicht.. In den Augen einiger professioneller USA-Hasser sind beide Optionen verwerflich.
Ach, wenn Dummheit weh taete ...
dieterschultz (20.06.2009, 12:23 Uhr)
Frau Gloger - Peinlich !!!
Hat man beim STERN erkannt wie dumm der Artikel ist und ihn deshalb so schnell nach " hinten " versetzt???
Watschdog39 (19.06.2009, 19:36 Uhr)
Komisch, wie da Frau Glogger
von einem Präsidenten verlangt, er solle auf Vorwürfe eines Wahlverlierers hin und daraus resultierenden inneren Unruhen in einem souveränen Staat in irgendeiner Weise Stellung nehmen. Der Mann schaltet erst mal sein Gehirn ein, Frau Glogger, nicht wie sie und ihre Kollegen, die sie Vermutungen als feststehende Tatsachenbehauptung verbreiten. Auch wenn man es 1000 mal behauptet, so wird aus einer Lüge keine Wahrheit. Es gibt ja Gottseidank noch die Möglichkeit auch andere Informationsquellen zu benutzen; wenn unsere Regierung die Zensur durchführt, die sie als "Kampf gegen die Kinderpornografie" getarnt hat, werden wir wohl glauben müssen was und diese Schreiberlinge vorsetzen.
Erst wenn im Iran die Vorwürfe überprüft wurden und dann ein Offizielles Ergebnis vorliegt, kann man von Wahlbetrug oder nicht reden. Jetzt ist alles nur heiße Luft.
Frank_aus_Genf (19.06.2009, 19:09 Uhr)
@ floyd77
hallo Floyd!
Schön mal wieder Reaktionen von "alten Bekannten" zu lesen... ;-)
Wieder einmal sehe ich das genauso und Deine Reaktion ist nicht im mindestens eine Korrektur meiner Ansicht!
Da aber von keinem Menschen auf dieser Welt zu erwarten ist, dass er jahrzehnte alte, vielleicht sogar jahrhunderte alte politische Strukturen auf ein Mal in die Hand nimmt und ändert, denke ich, dass seine bisheriges Verhalten gegenüber der islamischen Welt (jetzt auch sein Schweigen in sachen Proteste im Iran) sehr wohl ein erster Schritt in der Demontage des Feindbildes ist. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dies auch zahlreichen direkt Betroffenen so empfunden wird!
"Step by step" mein lieber Kommentarkollege und noch ein schönes Wochenende!
grafbyte (19.06.2009, 18:55 Uhr)
weniger ist mehr..
ja die füsse stillhalten.. sont wird der hass auf die usa abgewelzt und umgeleitet. eigentlich könnte nicht besseres passieren um den iran etwas ins wankeln zu brigen. wie das endet ist bestimmt nicht schön.. aber die opfer werden leiden und das soll nicht die usa sein.
DooDoo (19.06.2009, 18:33 Uhr)
Erst denken, dann schreiben ...
Was würde passieren, wenn Obama jetzt, wie von Frau Gloger vermisst, lautstark den Weltpolizisten geben würde? Die Hardliner bekämen jede Menge Wasser auf die Mühlen und könnten in Zukunft jede Demo erst recht als von den USA initiiert verunglimpfen. Die Oppositionsbewegung würde sich zersplittern oder gleich aufhören zu existieren, weil sie sich des Verdachts der Solidarität mit den USA aussetzen würde. Dass Obama schweigt ist also goldrichtig.Das kann sich eigentlich jeder ausrechnen, es sei denn er schreibt für stern.de
Bunsenbrenner (19.06.2009, 18:21 Uhr)
Er macht es wirklich richtig!
neben Israel ist die USA nunmal der Hauptfeind der Erzkonservativen im Iran. Sie wuerden einen naiven Kommentar von Obama fuer ihre Propaganda nutzen. Das koennte im schlimmsten Fall sogar ein Blutbad dort ausloesen. Er macht also das einzig richtige - eben ein "Realo" und kein Spinner, der alles richtig machen will und die Situation damit noch mehr in die Sch... reitet.
ganzbaf (19.06.2009, 18:20 Uhr)
@student, screne...

Sehe ich auch so.
H.P. (19.06.2009, 18:09 Uhr)
gerade der Westen ist größte Feind der Natur
Da wir selbst dabei sind die Welt zu zerstören, sollten wir erst einmal bei uns selbst anfangen. Erst wenn wir ein Interesse daran zeigen uns zu verändern werden wir glaubwürdiger im Nahen Osten.
Obama sollte sich politisch nicht einmischen. Wir das Volk sollten solidarisch mit dem iranischen Volk auf die Straßen gehen und uns für eine bessere Demokratie Welt einsetzen, denn gerade der Westen ist größte Feind der Natur, der die Welt in den Abgrund stürzt, nicht der Iran mit seiner Bombe.
http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
Doshi (19.06.2009, 18:04 Uhr)
STERN weiss alles - nämlich NICHTS
Wie irre und dumm ist der Artikel und ist die Überschrift! Na klar, der amerikanische Präsident wird alles in der Öffentlichkeit bzw. der BILD und dem STERN sagen, was hinter den Kulissen passiert...
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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