
Er verantwortet Obamas Iran-Politik: Der US-Sondergesandte Dennis Ross (li.) im Gespräch mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa© Cris Bouroncle/AFP
Obama bietet also viel Zuckerbrot an, sehr süßes Zuckerbrot, ein handfestes Angebot an den Iran. Denn die Zeit drängt. "Jeder der vier Kandidaten, die am vergangenen Freitag im Iran zur Wahl standen, würde das Nuklearprogramm fortsetzen", sagt der ehemalige CIA-Analyst und Nahost-Experte im Nationalen Sicherheitsrat Flynt Leverett: "Keiner von ihnen würde es aufgeben." In den iranischen Nuklearanlagen sind fast 6000 Gaszentrifugen installiert, 4000 sind in Betrieb, und haben, wie es heißt, bislang eine Tonne niedrig angereichertes Uran produziert. Und damit, so vermuten amerikanische Experten, habe der Iran schon jetzt die gefürchtete "break out capability" erreicht. Jene Fähigkeit, aus dem Kontrollregime auszubrechen: das vorhandene Uran rasch - und heimlich, ohne Kontrolle der UN-Inspektoren - weiter anzureichern, um daraus den Rohstoff für eine Atombombe zu gewinnen.
Und wer weiß schon, was Israel wirklich plant. Immer wieder heißt es ja: Israel könne sich nicht den Luxus leisten, mit einem Nuklearstaat Iran zu leben. Im vergangenen Jahr konnte Bush die Hardliner in Israel noch stoppen. Er soll im Gegenzug CIA-Operationen im Iran genehmigt haben, Attentate auf Nuklearwissenschaftler etwa.
Architekt von Obamas Iran-Politik ist für Viele in der Region ein alter Bekannter: der rührige, knallharte Dennis Ross, früher mal Nahost-Unterhändler Clintons. Als Sondergesandter für den Iran hat er in den vergangenen Monaten mit einem kleinen Team Obamas Strategie ausgearbeitet. Und die lautet: "Bigger carrots, bigger sticks." Dickere Belohnungen für Entgegenkommen in der Atomfrage - aber auch härtere Sanktionen. Die sollen schon im Herbst verhängt werden, wenn sich Teheran nicht an den Verhandlungstisch setzt.
Und zum ersten Mal sollen diese Sanktionen richtig weh tun, sollen den Nerv der maroden Wirtschaft treffen: die Versorgung mit Öl und Benzin. Bis zu 40 Prozent seines Benzins muss der Iran importieren. Im US-Kongress unterstützen mittlerweile auch die Demokraten einem Gesetzesentwurf, der den Verkauf von Benzin an den Iran verbieten soll.
Ross will die "hybride Option", wie er selbst sagt, Diplomatie und eisenharten Druck. Und wenn der nicht funktioniert? Dann könne es auch zu härteren Maßnahmen kommen, heißt es in Washington. In diesen Wochen reist Ross durch die Region, will arabische Staaten überzeugen, denn auch die haben Angst vor einem nuklear bewaffneten Nachbarn Iran. Die EU spielt mit, heißt es, auch die Deutschen. Und Russlands Unterstützung soll mit dem Verzicht auf die umstrittenen US-Raketenabwehranlagen in Polen erkauft werden.
Schon vermutet man in Teheran eine tückische Falle: die netten Gesten, die Verhandlungsbereitschaft sei vielleicht nur vorgeschoben, um internationale Unterstützung für härtere Sanktionen zu bekommen - und später vielleicht sogar für militärische Aktionen. In dieser Welt scheint Diplomatie nur eine Art trojanisches Pferd. Und sehr aufmerksam registriert man in Teheran das jüngste Gerücht, auch dies ein hintergründiges Symbol: gerade sei Dennis Ross zum Berater im Nationalen Sicherheitsrat befördert worden, heißt es. Jetzt zieht er um aus dem langweiligen, einflusslosen Außenministerium ins Zentrum der Macht, wird einer der engsten Berater von Barack Obama mit direktem Zugang zum Präsidenten sein.
Und dass dieser Präsident bereit ist, den gewaltigen Knüppel amerikanischer Macht auch zu nutzen, zeigt Barack Obama gerade an einer anderen Ecke der Welt: Im Japanischen Meer. Dort sollen amerikanische Schiffe nordkoreanische Frachter kontrollieren und im Zweifel die Ladung im nächsten Hafen löschen lassen. So will Obama nun den nordkoreanischen Atom-Mächtigen und Diktator Kim Jong-il bezwingen: Er will ihm die Existenzgrundlage entziehen. Denn der überlebt nur mit Waffenhandel und Schmuggel. Im fernen Osten jedenfalls ist die Zeit der Verhandlungen erst einmal vorbei.