Und wie stark der Widerstand im Kongress ist, konnte man jüngst auch während Angela Merkels eindrucksvoller Kongress-Rede sehen: Dort verweigerten ihr vor allem republikanische Abgeordnete den Applaus, als sie vom Klimaschutz sprach, dem wichtigen Zwei-Grad-Ziel, das es festzuschreiben gelte. International. Verbindlich. Und zwar auch von den USA. Und nur wenige Stunden später weigerten sich die Republikaner wie trotzige Kinder, an einer Sitzung des Umweltausschusses teilzunehmen, um über das Klimaschutzgesetz zu debattieren. Drei Stunden warteten die Demokraten, erst plauderte man miteinander, dann sortierte man Akten, zuletzt herrschte gähnende Langeweile, dann wurde die Sitzung beendet. Ohne Ergebnis.
Dabei sollte doch Obama der Mann sein, der Anti-Bush, der die Welt in Kopenhagen retten würde.
Jetzt aber wird diese wichtige Konferenz wohl ohne feste Zusagen der USA beginnen. Keine verbindlichen Festlegungen auf CO₂-Kürzungen (sollen es in zehn Jahren 20, 17 oder nur 14 Prozent weniger sein als 2005?), keine verbindliche Summe über Ausgleichszahlungen für die Entwicklungsländer, wenn diese in den Klimaschutz investieren. Gerade hat sich Europa verständigt: Bis zu 50 Milliarden Euro sollen die reichen Industrieländer jährlich an die ärmeren Länder zahlen, Europa würde bis zu 15 Milliarden beisteuern. Aus Washington dazu bislang: beredetes Schweigen. Und die Welt fragt sich: Fliegt der Mann im Weißen Haus nun nach Kopenhagen oder fliegt er nicht?
In weniger als einem Monat beginnt die Konferenz - eine Lösung ist nicht in Sicht. Schon plagen Klimaschutz-Veteranen düstere Erinnerungen: Da hatten die USA unter Präsident Bill Clinton zwar das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Aber im eigenen Land war es nicht durchzusetzen: Alle Senatoren stimmten damals mit "No." Ein einstimmiges Votum - es war das Ende des Kyoto-Prozesses, bevor er richtig beginnen konnte.
In diesen Tagen brüten Unterhändler über dem 200 Seiten langen Vertragsentwurf , sie feilschen über Details, so wie sie seit Jahren über immer neue Details feilschen, und sie sorgen sich, dass die anderen Länder keine Vereinbarung unterschreiben werden, auf der Obamas Unterschrift fehlt. Doch soll ein weltweites Abkommen scheitern, nur weil der US-Senat sich nicht rechtzeitig über ein Gesetz einigen kann? "Die Welt kann doch nicht auf den Zeitplan des Senats warten", kritisierte der EU-Botschafter in den USA John Bruton neulich. Die ebenso selbstbewussten wie eigensinnigen Senatoren sehen das offenbar ganz anders. Und Obamas Klimaexperten beschwichtigen: Man solle keinen unnötigen Druck machen. Eine Niederlage im Senat wäre eine Katastrophe für das Klima und für Obama.
Schon sucht man nach Auswegen aus dem Dilemma. Man könne die Verhandlungen vielleicht ins nächste Jahr hinein verlängern. Oder ein einjähriges Moratorium verhängen, wie es der britische Klimaexperte David King fordert. Und einige greifen schon nach Strohhalmen: da könnte doch der umstrittene Friedensnobelpreis eine trickreiche Hilfe für Obama sein. Denn auf dem Weg zur Preisverleihung nach Stockholm Mitte Dezember könnte er doch einen Abstecher nach Kopenhagen machen. Es läge - immerhin umweltschonend - auf dem Weg.