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20. Februar 2010, 15:21 Uhr

Wie unregierbar sind die USA?

Obama muss jetzt Führungsstärke beweisen

Über die Jahrzehnte ist dieses Misstrauen gegen das unfähige, korrupte Politik-Establishment in Washington immer größer geworden. Je mehr sich die Wähler abwenden vom Kongress - desto größer sollten die Chancen des Präsidenten sein, sich über das Gezänk zu erheben, Führungsqualitäten zu zeigen. "Leadership" lautet das Zauberwort. Diese Führungsstärke muss Obama jetzt beweisen.

Wahr ist aber auch: In einem Klima der Konfrontation gerät das politische System in die Krise. Der Senat gleicht mittlerweile einem Kriegsgebiet. Die altehrwürdige Kammer ist Bühne für 100 sehr selbstbewusste Senatoren. Wenn sie wollen, legen sie das System lahm. Mit ein paar Verfahrenstricks etwa können 41 der 100 Senatoren jedes Gesetz buchstäblich zu Tode debattieren. Und weil wichtige Gesetze nicht die einfache Mehrheit, sondern 60 von 100 Senatorenstimmen benötigen, können die durch eine Minderheit blockiert werden. Die knappe demokratische "supermajority", die absolute Mehrheit, ist Obama schon nach wenigen Monaten im Amt verlorengegangen.

Repräsentiert der Senat noch die Volksmehrheit?

Und immer lauter wird die Frage gestellt: Ist die Zusammensetzung des Senats überhaupt noch zeitgemäß? Repräsentiert dieser Senat wirklich noch die Mehrheit des Volkes? Denn jeder Bundesstaat schickt zwei Senatoren nach Washington, unabhängig von ihrer Größe und Bevölkerungszahl. Mit absurden Folgen: Da hat Wyoming mit seinen 500.000 Einwohnern genau so viel Einfluss wie Kalifornien mit 37 Millionen Einwohnern. So kann die Mehrheit der Bevölkerung von der Minderheit ausgehebelt werden.

"Selten war das politische System polarisierter und weniger fähig, Probleme zu lösen, bei denen es auf Vertrauen und schmerzhafte Entscheidungen ankommt", schreibt die "New York Times". Schon fragt man sich: Wird Amerika etwa unregierbar?

So schlimm ist es nicht. Es handele sich um "eine Lähmung", diagnostiziert das kluge konservative Wochenblatt "The Economist"; um eine vorübergehende Erscheinung. Immerhin hat der Kongress auch in den vergangenen Monaten eine Menge Gesetze verabschiedet - von besserer Krankenversicherung für Kinder bis zur Truppenaufstockung in Afghanistan. Außerdem kann der Präsident mit präsidialen Ordern die Opposition im Senat umgehen. Aber er kann ohne den Senat nicht regieren. Das System verlangt den Kompromiss. Sonst funktioniert es nicht. Da draußen aber, im Land, da schreien die Aktivisten der "Tea Party Bewegung".

Sie wollen die rechte Revolution

Eine rechte Revolution gegen Washington wollen sie. Im November brauchen die Republikaner ihre Stimmen. Draußen, weitab von Washington, da wüten die konservativen Moderatoren des Talk Radio, der erzkonservativ-religiösen Radiosendungen, Rush Limbaugh und seinesgleichen, da brüllen die Moderatoren von Fox News, einem der größten Fernsehsender. "24/7" dröhnen sie, 24 Stunden, sieben Tage in der Woche, und sie wittern Morgenluft. Sie schüren die Ängste, die Sorgen, die Vorurteile der krisenverunsicherten Menschen. Im November wollen sie das "Massaker": eine vernichtende Niederlage der Demokraten. Das Wort Kompromiss kennen sie nicht.

Und so wird in diesen Tagen auch Richard Cheney wieder hoffähig, der Architekt von Krieg und Folter. Er lächelt sein feines, beinahe diabolisches Lächeln, er ist höflich und freundlich, und er sagt: "Obama wird keine zweite Amtszeit erleben."

Von Katja Gloger
Seite 1: Wie unregierbar sind die USA?
Seite 2: Obama muss jetzt Führungsstärke beweisen
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
tannebaum (22.02.2010, 13:42 Uhr)
sry, für fehler...
...notebook spinnt --->akku alle
tannebaum (22.02.2010, 13:41 Uhr)
@allesklar
absolut alberner kommentar!

obama wollte die macht, wusste um die zustände, die schulden und das gejammer, aber wollte dennoch die macht.

nun hat er sie udn kann die fehler nicht woanders suchen.

seine sozialgesetze will die mehrheit gar nicht. denn anders als bei uns, sind die amerikaner leiber ihne staatsverwaltung. steuern zahlen ist ja schon schlimm für viele...
einen sozialstaat a la deutschland willda keiner haben. das würde zu bürger protesten oder schlimmeren führen.
iosono (22.02.2010, 13:18 Uhr)
deutschland ist obama
multipolare weltanschauung?wird in deutschland praktiziert.
gesundheitsversicherun für alle? haben wir in deutschland-noch.
klimaschutz und verpfichtungen?
wird in deutschland gemacht-mehr oder weniger.
und alles ohne obama im bundestag-)
auwei (22.02.2010, 10:40 Uhr)
Nachtrag
Das gilt im Übrigen für nehzu alle (Verkäufer-)Demokratien. Ich wünsceh Obama die Kraft, so viel wie möglich von seinem Programm umzusetzen, bevor der nächste reaktionäre Frömmler im Weißen Haus residiert.
auwei (22.02.2010, 10:37 Uhr)
Es ist
...ein Teufelskreis mit der Verkäuferdemokratie: Wenn der Kandidat nicht das Blaue vom Himmel verspricht, wird er nicht gewählt. Tut er es, wird er daran gemessen - und landet in der Hölle. Liebe Amerikaner (liebe Bundesbürger): Ihr seid die Kunden, ihr bestimmt die Musik - und wenn ihr ewigen Wohlstand und eingebaute Vorfahrt wählen wollt - und nichts anderes - dann müsst ihr halt imer wieder auf die Schnauze fallen. Obama und die US-Amerikaner: das passte nur für einen kurzen Moment, als die US-Bürger so enttäuscht von Bush's Rechter waren, dass sie ein kurzes Zeitfenster lang offen schienen für Neues. Aus, vorbei, Business as usual. Was für eine große Nation.
allesklar (22.02.2010, 06:18 Uhr)
@Katja Gloger
Unglaublich praezise beschrieben!!!

Anzumerken waere das der Amerikaner wenig nachdenkt -(er hat sorgen zu ueberleben da kein sozialgefuege wie D)
---
Er glaubt das die Billionen von Schulden ( Trillionen in USA) und 10.3 waren von Bush Zeiten - alleine die Schuld von Obama waren.
-
Obama hat einen ausserst schlechten Communicator der heisst - David Axelrod. Dieser Mann hat es versauemt Obama auf seinen groessten Fehler aufmerksam zu machen - den Reagen nicht hatte: Mit der Extremen Einfachheit des Amerikanischen Volkes zu kommunizieren.
-
Obama hat sich als Oberlehrer geoutet und wird keine 2te Amtszeit haben.
-
Wenn das Land an die Republicaner zurueckfaellt - und das wird es - wird dieses Land in die groesste Isolierung der Welt zurueckfallen und Amerika wird nur durch weitere ( nicht mehr finanzierbare Kriege zureckfallen )

Obama hat ein bankrottes Land mit
50.2 % Schulden gemessen am GNP uebernommen und hat es - weil die Banken ihres dazutaten auf 72 % gesteigert 14.4 Trillionen. Rechnet selber - Amerika geht den Bach runter!
Und damit auch der Rest der Welt!

----
Amerika wird die steuern anheben und der Amerikaner - der nur von Mc Donald lebt wird es nicht verstehen.


JuergenHartl (21.02.2010, 19:54 Uhr)
Evan Bayh
Mal vorneweg: Evan Bayh ist NICHT zurückgetreten. Er stellt sich "nur" nicht zur Wiederwahl.
Evan Bayh als Mitstreiter Obama's zu bezeichnen ist etwas übertrieben. Evan Bayh stand so ziemlich immer auf der Seite der Industrie.
tannebaum (21.02.2010, 18:27 Uhr)
der überflieger...
...stürzt ab.

das war zu erwarten und alle haben es geahnt. aber wir wollten es nicht wahrhaben... der nobelpreis half da auch nicht. die staaten machen eben andere politik und wollen anders geführt werden.
Aquarius2 (21.02.2010, 17:48 Uhr)
Wie unregierbar?
Da muss doch zunächst die Frage gestellt werden, "wer" regiert die USA. Wenn man es vom Präsidenten erwartet, muss man einfach enttäuscht sein. Er ist doch nur Vollzugsorgan mächtiger Interessengruppen einschließlich einer überstarken Rüstungsindustrie.
Das fällt insbsondere dann auf, wenn der Präsidentshaftskandidat dies voher nicht richtig wusste.
Die Familien Bush und Kennedy, in denen die politische Macht vererbt werden kann, kennen die Spielregeln. Sie sind deshalb nicht nicht so unangenehm aufgefallen, wie der letzte Friedensnobelpreisträger der USA.
Wahrscheinlich werden diese Dynastien demnächst wieder zur Macht greifen, um in aller Welt für klare Verhältnisse zu sorgen.
pat26 (21.02.2010, 16:29 Uhr)
zum Scheitern verurteilt
Obama wird den durchschnittlichen Amerikaner niemals überzeugen können. Obama ist in deren Augen kein Mann vom Volk. Bush hat stets einfache und klare Worte in seinen Reden gewählt. Die üblichen Floskeln von Gott, Gerechtigkeit und dem üblichen Patriotismus. Unter Bush gab es eine sehr eingeschränkte Blickweise. Es gab die USA und den Rest, aufgeteilt in Verbündeten oder Schurkenstaaten. Erst als auch dem letzten "Redneck" klar wurde, das diese Politik über innerpolitische Probleme nicht hinwegtäuschen kann, war es Zeit für einen Wechsel. Mit Obama kam jemand, der das genaue Gegenteil von Bush darstellte. Man hat ihm eine Chance gegeben, unter der Prämisse, die Probleme des Landes innerhalb kürzester Zeit zu beseitigen. Das dies nur mit gewaltigen Reformen realisiert werden kann, ist für den duchrschnittlichen Amerikaner nicht nachvollziehbar.
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