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23. Oktober 2008, 10:06 Uhr

Viel Schmutz und teure Kleider

McCain hatte keine Alternative. "Ohne sie wirst Du verlieren", hatte ihm einer seiner Berater gesagt, "mit ihr hättest Du vielleicht noch eine Chance."

Eine durch und durch zynische Entscheidung

Es war eine durch und durch zynische Entscheidung - doch dieses Mal scheinen die Wähler das Manöver zu durchschauen. Waren anfangs auch vor allem männliche Wechselwähler von Sarah - "ne heiße Maus fürs Weiße Haus" - begeistert, kühlte der Enthusiasmus mit jedem Tag mehr ab, an dem die Aktienkurse tiefer fielen. Auch ihre Bemerkung, es gebe "pro- und anti-amerikanische Gegenden in Amerika" kam nicht wirklich gut an. Schließlich glauben alle Amerikaner, dass sie pro-amerikanisch sind.

Und jetzt auch noch das: Während sich die Nation um Renten und Arbeitsplätze sorgt, kam heraus, dass die Republikanische Partei sage und schreibe 150.000 - einhundertfünfzigtausend - Dollar Spendengelder ins Erscheinungsbild der "Eishockey-Mama" aus dem eisigen Alaska investiert hatte: Mehr als 125.000 Dollar zahlte man allein für ihre Kleidung, unter anderem aus dem Luxusladen Sachs 5th Avenue in New York. Dazu einige Zehntausend fürs fernsehfeste Make-up und die tägliche Coiffure. Fesche rote Lederjacke, schicke Schuhe, schwarze Kostüme für allerlei Auftritte. Auch der schneemobilfahrende Gatte Todd und die Kinder wurden ausgestattet. Unfaire Kritik an einer Frau, die ununterbrochen unter TV-Beobachtung steht? "Hätte man das nicht gemacht, dann würde man sie wahrscheinlich als jemanden parodieren, der sich in Elchfell kleidet", versuchte ein republikanischer Berater schwach zu rechtfertigen. Am Ende des Wahlkampfes werde man die Kleider spenden, hieß es offiziell.

Aber hatten nicht diese Republikaner Barack Obama und seine Gattin Michelle als "elitär" beschimpft, als reiche Harvard-Schnösel, die auf das Volk herabsehen? Jetzt erinnert man sich genüsslich an einen Fernsehauftritt von Michelle Obama vor ein paar Monaten. Da saß sie im schicken Kleidchen, schwarz-weiß geblümt. Sofort kam heraus: Es war übers Internet gekauft. Für 148 Dollar.

Diskreditiere Deinen Gegner

Also bleibt John McCain nur noch die Schlammschlacht. Go negative. Diskreditiere Deinen Gegner. Auch wenn es sich dabei um satte Lügen handelt.

Es sind die gleichen Methoden, die John McCain selbst leidvoll erfahren musste. Vor acht Jahren, als die Kampfmaschine von George W. Bush ihn mit einer Dreckskampagne so diskreditierte, dass er die Vorwahlen verlor. "Niederträchtig" nannte er die Methoden, die er jetzt selbst anwendet. Obskure Organisationen, die den Republikanern nahestehen, lassen jetzt Hunderttausende so genannter "Robocalls" schalten: automatisierte Telefonanrufe, in denen der Gegner miesgemacht wird, oft mit platten Lügen. Barack Obama - ein Mann der eng mit einem Terroristen und Bombenleger zusammengearbeitet habe. Ein Sozialist, der "Hollywood über Amerika stellt." Einer, der jahrelang mit der Bürgergruppe Acorn gekungelt habe, der jetzt Betrug bei Wählerregistrierungen vorgeworfen wird.

McCain "stolz" auf fragwürdiges Flugblatt

Und Anfang der Woche genehmigte McCain gar höchstpersönlich ein Flugblatt, das in den umkämpften Bundesstaaten Missouri und Virginia verteilt werden soll. Auf der einen Seite: Ein Flugzeug, das in ein Gebäude fliegt. Text: "Terroristen ist es egal, wen sie treffen." Auf der Rückseite: "Barack Obama glaubt, man brauche mit Terroristen nur nett zu reden." Er sei "stolz" auf dieses Flugblatt, sagte McCain. Dabei weiß, jeder, der ihn kennt - auch das ist eine Lüge.

Je negativer McCains Wahlkampf wird, desto mehr wird Obama zum Kandidaten mit Heiligenschein. Zwar schaltet auch er ordentliche Negativ-Werbung - 34 Prozent seiner Werbespots nämlich. Zwar nimmt auch er es mit der Wahrheit nicht immer genau. Etwa, wenn er John McCain mit Bush einfach gleichsetzt. Doch meistens bleibt seine Botschaften sachlich, auf ein einziges Thema konzentriert: Die Wirtschaft. "Heute fragen sich die Menschen doch schon gar nicht mehr, ob es ihnen besser geht als vor vier Jahren" sagt er. "Heute fragen sie sich, ob es ihnen besser geht als vor vier Wochen."

Ein rührender, ein privater Moment

Jetzt unterbricht er seinen Wahlkampf für zwei Tage, um seine schwer kranke Großmutter Madelyn Dunham, 86, auf Hawaii zu besuchen. Ein rührender, ein privater Moment, niemand unterstellt Kalkül. "Es war mein größter Fehler, dass ich nicht da war, als meine Mutter starb", hatte Obama einmal gesagt. Sie starb vor 13 Jahren im Alter von 52 Jahren an Krebs. "Es ging so schnell, dass ich nicht mehr rechtzeitig kam."

Seine Großmutter hatte ihn faktisch großgezogen, ihm das Regelwerk des Lebens beigebracht. "Sie brachte mir harte Arbeit bei", sagt Obama. "Sie gab alles, was sie hatte, für mich." Er lässt sich nichts anmerken, überhört hartnäckig Wählerfragen nach ihrer Gesundheit. Er besucht sie, allein, und er weiß, vielleicht ist es das letzte Mal. Ganz gleich, wie diese Wahl ausgeht, ob er nun gewinnt oder nicht: Madelyn Dunham darf sehr stolz sein auf ihren Enkel.

Und John McCain? Immer wieder sagt er, der "glückliche Krieger", er verliere lieber eine Wahl, als dass er seine Prinzipien verrate. Man müsste es ihm, um seiner selbst willen, fast wünschen.

Von Katja Gloger, Washington
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KOMMENTARE (10 von 22)
 
Gisella (24.10.2008, 11:54 Uhr)
Amerika und die Wahlen
-ich habe oft und gerne gegen die Politik Amerikas geschrieben, aber seit wir wieder hier in Deutschland sind, muss ich eingestehen , dass Deutschland schön ruhig sein sollte. Man lebt deutlich besser und bürokratie-freier in Amerika.Keiner hält einen vom Arbeiten ab, es ist einfach ein Geschäft aufzubauen u.s.w. Arbeiten muss man hier wie dort. -Die widerliche Politik treibt viele Ausländer dazu, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Als wir das grosse Glück hatten, kurz vor dem Immobilien-Crash unser Haus verkaufen zu können, sind auch wir gegangen. Der grosse Schock kam hier-keine Arbeit , Bürokratie bis unter die Vorhaut und was für Experten hier an der und in der Regierung???-Und noch etwas-alles , was wir hier diskutieren interessiert in Amerika NIEMANDEN. Wir sind völlig uninteressant für die. Und beide Kandidaten sind nicht das, was wir uns erhoffen-auch mit Obama kommt für uns das grosse ERWACHEN. Darauf wette ich.
Aaron71 (24.10.2008, 11:12 Uhr)
kein Grund, die Nase zu rümpfen
in den USA ist eine leicht extrovertierte Dame zur Kandidatin gekürt worden, die die eine oder andere fragwürdige Ansicht und in manchen Bereichen nicht allzuviel Erfahrung hat. So what? Bei uns wird unter Umständen eine eine Dame zur Ministerpräsidentin gewählt, die ebenfalls äußerst suspekte Ansichten vertritt, keinerlei Ahnung und zudem ihre Wähler schamlos angelogen hat. Letzteres würde in den USA sofort zu einem Amtsenthebungsverfahren führen. In Sachen demokratischer Reife und politischer Moral sollten wir unsere Arroganz den Amerikanern gegenüber ganz schnell vergessen.
mats123 (24.10.2008, 10:17 Uhr)
@Gloger
Ich habe Verständnis für Ihren unsachlichen Artikel. Sie sitzen in derselben Falle wie die meisten weiblichen Schreiberlinge. Wenn eine andere Frau plötzlich Karriere macht und beliebt ist und dabei frecherweise auch noch sehr gut aus sieht und eine glückliche Familie mit tollem Mann und fünf eigenen Kindern um sich schart (in diesem Fall Sarah Palin), dann erweckt das natürlich die Zornesröte ins Gesicht einer jeden mittelmäßigen Frau der Schreiberzunft, die es höchsten zum Single oder zur Alleinerziehenden in einem muffigen Redaktionsbüro gebracht hat.
mats123 (24.10.2008, 10:14 Uhr)
Dümmer geht´s nimmer
Der Artikel ist genauso schlecht wie viele andere, die einfach Mainstream schreiben und sich darauf festgelegt haben, an der Obama-Hysterie teilzunehmen und gegen Palin zu wettern. Armselig. Was soll der dümmliche Hinweis auf die Kosten für Palins Garderobe? War noch niemand von den Journalisten in den USA und hat sich da mal die Preisschilder angeschaut? In den USA sind die Preise in vielen Gegenden erheblich höher als bei uns, ebenso die Einkommen. Manchen würde schon ein Ausflug nach London reichen, um zu erkennen, dass man nicht überall für lau leben kann und das man in manchen Gegenden mindestens den Faktor zwei nehmen muss. In Deutschland hätte Palins Garderobe etc. statt 150.000 Dollar nur 60.000 Euro gekostet, incl. aller Kosten für Visagisten, Berater usw. Wer glaubt hier eigentlich, im demokratischen Lager würden nicht ähnliche Summen ausgegeben. Wenn der Wahlkampf vorbei ist, wird Obama die unvorstellbare Summe von 500 Millionen Dollars für Pappschilder, mediale Dauerberieselung, Schmutzkampagnen, Stadion-Mieten, Konfetti usw. ausgegeben haben, da er jeden Amerikaner brainwashen will. Bei McCain werden es nur ca. 125 Mio Dollar sein.
JoeausderHeide (23.10.2008, 18:29 Uhr)
Katja Gloger
Waren Sie schon zu lange in Washington oder wie erklaeren Sie ihre Unfaehigkeit einen deutschen Satz niederzuschreiben: mindestens zweimal verwenden Sie den Ausdruck: "er kaempft steil bergauf" - damit meinen Sie natuerlich den englischen "uphill struggle". In ihrer Form der direkten Uebersetzung macht es jedoch keinen Sinn - abgesehen davon dass diese staendigen Wiederholungen kein Zeichen eines guten Schreibstils sind.
Mein Tipp: weniger von US-Zeitungen abschreiben und nochmal die deutsche Sprache lernen.
Mit freundlichen Gruessen
intersurfa (23.10.2008, 18:08 Uhr)
@undueberhaupt
Also, von 'angeboren' kann man wohl nicht sprechen. Das die Amerikaner auch gutmuetig sein koennen, weiss jeder. Mein Vater erhielt auch Care Pakete aus Amerika von seinem Cousin in Chicago. Auch war er Kriegsgefagner in den Staaten. Die Amis haben ihm rundum gut getan. Von dem Vergleich zu Russen kann man absehen. Also auch heute, wenn die Amerikaner mal den selben Herrenklasse Wimmel der Deutschen anno 1939 kriegen, dann koennten die Amis morgen die Welt kassieren, und all sein Oel. Es ist die amerikanische Art der Gutmuetigkeit das dieses verhindert. Also vergleicht das mal wenn die Russen oder Chinesen die gleiche Moeglichkeit haetten.
intersurfa (23.10.2008, 17:35 Uhr)
Amis hin und Amis her....
...kann man halten wie'n Dachdecker. Natuerlich ist Obama aufgeschlossener und besser gebildet als der typische Republikaner. Kein Zweifel das er die letzte Hoffnung Amerika's ist. Aber Jesus Christus ist er nicht. Und nur ein goettliches Wunder wuerde Amerika helfen. Tatsache ist das die USA schon immer Weltmeister der Kriminalitaet war. Tatsache ist das finanzieller Schummel zum Alltag gehoert; man muss sich nur die Auto Reklame ansehen, mit Lupe und Rechtsanwalt an Hand natuerlich. Manufacturing ist ins Ausland versetzt weil amerikanische Arbeiter und ihre korrupten Manager nicht mit dem Ausland konkurieren koennen. Handwerker werden in den USA grundsaetzlich gar nicht ausgebildet, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Jeder denkt die Zukunft liegt im Studieren an schwachen Colleges fuer astronomische Gebuehren. Meine Damen und Herren, was sie jetzt zu sehen kriegen wird in der Astronomie der Kollaps eines Sternes genannt. Mir ist kein gleicher Ausdruck bekannt der dieses Phaenomen in der Anthropologie beschreibt. Die USA koennen sich wegen Unfaehigkeit nicht selbst heilen. Allerdings kann man erwarten das stets neuer Schmuh erfunden und gross verkauft wird.
Johann58 (23.10.2008, 17:35 Uhr)
@undueberhaupt
Eines habe ich noch vergessen: Die total bekloppten Amis mit dem fehlenden angeborenen Gewissen haben nach dem Krieg, den die Herrenrasse angezettelt hat Care Pakete zu Ihren Feinden geschickt, die sie auch noch bekloppt wie sie sind selbst bezahlen mussten. Seit dem hat sich zwar vieles geaendert und es ist bei vielen eine gewisse Ueberheblichkeit entstanden aber ein wenig Sachlichkeit wuerde jemandem wie Ihnen ganz gut zu Gesicht stehen.
Inteliewengzbestie (23.10.2008, 17:28 Uhr)
Nicht viel Geld
150.000 Euro sind wahrlich nicht viel Geld, betrachtete man den Zeitraum. Die Tagesgage einer Visagistin liegt bei ca. 600 Euro aufwärts. Kleidung ist auch nicht billig. Ich finde mit 150.000 ist man gut dabei und ich schätze, man hätte mehr ausgeben könne, wenn man nicht so sparsam wär. Abgesehen davon: Dem Amerikanischen Volk kann man keine Vizepräsidentin in Aldi Klamotten präsentieren. Und wer meint, 150.000 Dollar seien viel Geld fürs Aussehen, hat wahrscheinlich nur Sozialneid, bzw. ist selbst zu fett um in teure Designerklamotten zu passen. Dior, Chanel und Co. gibts halt nicht in XXXL. Und das ist gut so.
Johann58 (23.10.2008, 17:27 Uhr)
@undueberhauot
Ich stehe den Amerikanern und besonders der derzeitigen Regierung ausserordentlich kritisch gegenueber, aber ein solcher Mist wie Sie schreiben ist kaum zu ertragen. Ich vermute, dass Sie weder einen Amerikaner kennen, noch jemals in den USA waren, bzw. mit einem Amerikaner geredet haben. Wir wollen ja nicht aufrechnen wo die Amerikaner ihre Wurzeln und ihr genetisches Material herhaben, nur so viel: die deutschen Einwanderer bilden die groesste ethische Gruppe und 40.000.000 US Amerikaner haben ihre Wurzeln in Deutschland, also haben die Deutschen demnach das fehlende angeborene Gewissen aus Deutschland. Bei Ihrem Kommentar scheint das sogar zu passen.
Der Wahlkampf in den USA sollte weitgehend durch private Gelder finanziert werden, was den Steuerzahler entlasten sollte. In Deuschland gibt es dafuer nach der Wahl fuer jede Stimme Wahlkampfkostenerstattung also zahlt jeder Steuerzahler fuer den Wahlkampf jeder Partei ob er sie gewaehlt hat oder nicht. Da fliesst Steuergeld an Radikale und kein Mensch unternimmt was dagegen. Ich betrachte den Wahltkampf hier ja nur als Beobachter, da ich selbst hier nicht waehlen kann und ich muss sagen es amuesiert zum Teil, da man hier verstaerkt auf niedere Instinkte baut und offenbar auf fruchtbaren Boden stoesst. Das zu beurteilen gelingt aber nur, wenn man sich ausserhalb Hollywoods umsieht und begreift, dass die USA nach wie vor ein stark laendlich gepraegtes Land sind, wo die Menschen immer noch so etwas wie Pioniermentalitaet haben. Ich hoffe aber nicht, dass das laengst hinter uns geglaubte Herrenmenschendenken die Triebfeder Ihres Kommentares ist.
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