Diese Ausweitung der Nothilfe war sowohl für die akut Hungernden von entscheidender Bedeutung, als auch für den Kampf gegen die Ursachen des Hungers. Beispielsweise konnte allein das World Food Programme im Jahr 2008 Nahrungsmittel im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar für Hungernde in den Entwicklungsländern vor Ort kaufen und war damit der größte Ankäufer in diesen Ländern überhaupt. Auf diesem Weg konnte die Hilfsorganisation Not lindern und zugleich in die Landwirtschaft vor Ort investieren.
Doch was 2008 viel versprechend begann, droht jetzt auf Jahre hinweg verspielt zu werden, wenn nicht mit dem momentan stattfindendem Welternährungsgipfel entscheidende, zusätzliche Investitionen auf den Weg gebracht werden. In 2008 stagnierten die Investitionen in die Landwirtschaft - weltweit nahmen sie zuletzt um gerade einmal ein Prozent zu. Auch von den Entwicklungsländern selbst waren hier viel zu geringe Fortschritte feststellbar.
Zahlreiche Industriestaaten haben zugleich angekündigt, dass sie deutlich weniger Entwicklungshilfe leisten werden als bislang zugesagt. Nichtregierungsorganisationen klagen über deutliche Spendeneinbrüche. Die 2008 versprochenen Mittel wurden laut einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam bis zum Frühsommer diesen Jahres erst zu rund 20 Prozent ausgezahlt. Und eine UN-Organisation wie WFP hat den Auftrag, in 2009 mit 108 Millionen Dollar die am ärgsten Hungernden zu unterstützen - und hat zugleich jetzt, im November desselben Jahres, erst knapp die Hälfte seines Jahresbudgets erhalten.
Was wie eine abstrakte Zahl klingt, bedeutet für Millionen ganz konkrete Not, wenn nicht Schlimmeres: In Guatemala musste WFP aufgrund ausbleibender Spenden im Oktober die Hilfe für 150.000 Kinder und Schwangere einstellen; in Bangladesch kann WFP aus dem gleichen Grund vier Millionen Bedürftige überhaupt nicht erreichen und muss vielleicht die Unterstützung für weitere 1,3 Millionen Frauen und Kinder einstellen; in Äthiopien erhalten rund fünf Millionen Hungernde heute nur noch halbe Rationen. All das sind nur wenige Beispiele von zahllosen Ländern, in denen Menschen sich keine Nahrung mehr leisten können - und wo ihnen selbst WFP nicht mehr helfen kann.
Anderen Hilfsorganisationen geht es kaum besser. Während die Zahl der Hungernden neue Rekordstände erreicht, ist die Hungerhilfe auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Kurz gesagt: Die wahre Finanzkrise ist eine humanitäre Finanzkrise, die das Überleben von Millionen Menschen bedroht.