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17. November 2009, 21:59 Uhr

Hunger - der stille Tsunami

Viel Geld, doch keine nachhaltigen Investitionen

Diese Ausweitung der Nothilfe war sowohl für die akut Hungernden von entscheidender Bedeutung, als auch für den Kampf gegen die Ursachen des Hungers. Beispielsweise konnte allein das World Food Programme im Jahr 2008 Nahrungsmittel im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar für Hungernde in den Entwicklungsländern vor Ort kaufen und war damit der größte Ankäufer in diesen Ländern überhaupt. Auf diesem Weg konnte die Hilfsorganisation Not lindern und zugleich in die Landwirtschaft vor Ort investieren.

Doch was 2008 viel versprechend begann, droht jetzt auf Jahre hinweg verspielt zu werden, wenn nicht mit dem momentan stattfindendem Welternährungsgipfel entscheidende, zusätzliche Investitionen auf den Weg gebracht werden. In 2008 stagnierten die Investitionen in die Landwirtschaft - weltweit nahmen sie zuletzt um gerade einmal ein Prozent zu. Auch von den Entwicklungsländern selbst waren hier viel zu geringe Fortschritte feststellbar.

Zahlreiche Industriestaaten haben zugleich angekündigt, dass sie deutlich weniger Entwicklungshilfe leisten werden als bislang zugesagt. Nichtregierungsorganisationen klagen über deutliche Spendeneinbrüche. Die 2008 versprochenen Mittel wurden laut einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam bis zum Frühsommer diesen Jahres erst zu rund 20 Prozent ausgezahlt. Und eine UN-Organisation wie WFP hat den Auftrag, in 2009 mit 108 Millionen Dollar die am ärgsten Hungernden zu unterstützen - und hat zugleich jetzt, im November desselben Jahres, erst knapp die Hälfte seines Jahresbudgets erhalten.

Die humanitäre Finanzkrise

Was wie eine abstrakte Zahl klingt, bedeutet für Millionen ganz konkrete Not, wenn nicht Schlimmeres: In Guatemala musste WFP aufgrund ausbleibender Spenden im Oktober die Hilfe für 150.000 Kinder und Schwangere einstellen; in Bangladesch kann WFP aus dem gleichen Grund vier Millionen Bedürftige überhaupt nicht erreichen und muss vielleicht die Unterstützung für weitere 1,3 Millionen Frauen und Kinder einstellen; in Äthiopien erhalten rund fünf Millionen Hungernde heute nur noch halbe Rationen. All das sind nur wenige Beispiele von zahllosen Ländern, in denen Menschen sich keine Nahrung mehr leisten können - und wo ihnen selbst WFP nicht mehr helfen kann.

Anderen Hilfsorganisationen geht es kaum besser. Während die Zahl der Hungernden neue Rekordstände erreicht, ist die Hungerhilfe auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Kurz gesagt: Die wahre Finanzkrise ist eine humanitäre Finanzkrise, die das Überleben von Millionen Menschen bedroht.

Ein Gastbeitrag von Ralf Südhoff
Seite 1: Hunger - der stille Tsunami
Seite 2: Viel Geld, doch keine nachhaltigen Investitionen
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Mikeorganizer (18.11.2009, 08:36 Uhr)
Ja Tempelhofer und Co .......
lasst uns vorher noch eine Runde beten gehen und uns unsere Sünden gedenken wie wir nur die armen Afrikaner im Stich lassen konnten.
Wenn sie dann aber wieder mal ihre Eier an den rechten Platz rücken und die rosarote Lügenbrille runternehmen werden auch sie erkennen das ....

1) ...es nie gedacht war den Leuten dort wirklich zu helfen, sondern an den Milliarden an Spendengeldern eine Einnahmequelle zu schaffen. Beweise ? Nun, mit den Millarden die da rübergeflossen sind hätte man bereits 10 Länder wie Deutschland wieder aufbauen können. Alles andere Gesabbel ist nur reinste Augenwischerei und soll das Spendenvolk für dumm verkaufen. Was offensichtlich immer noch gelingt.

2.... solange da Kinder am Fließband produziert werden ohne das entsprechend Nahrung aber vor allem Infrastruktur vorhanden ist, wird das sterben weitergehen.

3.... solange wie die Leute dort die Milliarden lieber in Waffen tauschen als in Reis wird und werden auch noch weitere Milliarden nichts bringen. Dies ist übrigens von den Weltmächten ein gewollter Zustand den sie mit ihren Geldern auch noch fördern.

4....wie wäre es mal vor unserer eigenen Türe zu kehren und uns um unsere eigenen Problem kümmern. Menschen die auf der Straße im elend leben oder ganze Familien die entwürdigend an den Tafeln essen gehen müssen. Das sieht hier keiner - das ist aber herzlos - doch Hauptsache wir Exnazis haben der Welt wieder gezeigt das wir gut sind - egal ob unser eigenes Volk dabei nichts mehr zu fressen hat.

Es ist genau diese eingeimpfte Eierlosigkeit die mich wütend macht.
Erst mal die eigenen Probleme in den Griff bekommen dann können wir solche Theaterspiele wie Afrika mitfinanzieren auch wenn es nur ein Lügen- und Intrigenmärchen ist.
Tempelhofer (18.11.2009, 07:51 Uhr)
Schade
Dieses wichtige und ernsthafte Thema hätte wirklich eine seriöse Leserkommentierung verdient. Stattdessen gibt es die üblichen herablassenden und menschenverachtenden Kommentare. Im Schutze der Nacht und der Anonymität glauben manche, sich alles erlauben zu können.Einige gefallen sich wohl damit, sich bei Unglücks- oder Katastrophennachrichten besonders grobschlächtig und zynisch zu präsentieren. Das ist aber nicht "cool", das ist ein Irrweg.
arniston (18.11.2009, 05:52 Uhr)
uns wird auch so schlecht.
hamse mal ne kochsendung mit kerner bio oder so ? so nach 23.00 uhr
diese herrschaften sollen sich schämen mit ihrer show , wo teile der welt im hunger liegen, auch in europa.
allein dafür sollte bio 3 jahre für ein kinderheim kochen und kerner verpflichtet 5 jahre sein sebstgekochtes zu essen.
stellen sie die kochsendungen ein, uns wird auch so schlecht.
ventil (18.11.2009, 04:28 Uhr)
welch Überraschung:
"Zwar geht der prozentuale Anteil der Hungernden zurück, die tatsächliche Zahl aber bleibt konstant."

Ach was, wie kommt das denn...? Hat das vielleicht damit zu tun, dass der Kinderstorch dort am aktivsten ist, wo er am wenigsten gebraucht wird...?

Kann man das diesem komischen Vogel nicht irgendwie abgewöhnen...?

Garnet (18.11.2009, 02:20 Uhr)
Das ungehinderte Bevoelkerungswachstum
in der dritten Welt ist der Grund fuer den Hunger.Und ohne dies klar und deutlich in den Vordergrund zu ruecken und gemeinsam endlich Loesungen zu finden, wird der Hunger nur noch schlimmer. Heute eine Milliarde Hungernde und in 20 Jahren 5 Milliarden Hungernde. Denn schliesslich geh diese Bevoelkerungsexplosion einher mit Umweltzerstoerung. Dort ewig Essen hinzukarren ist unverantwortlich da es eine nachhaltige Loesunbg der Probleme nur verhindert. Selbstverstaendlich sagen die Hilfsorganisationen was anderes, schliesslich leben die von dem Elend.
kb26919 (17.11.2009, 23:58 Uhr)
Warum wird nicht erwaehnt
dass das groesste Problem ist die fehlende Infrastruktur um Nahrungsmittel zu den Hungernden zu transportieren! Auch verhindern die internen Kriegen auf dem afrikanischen Kontinent und Inaktion der Regierungen dass Hilfe zu den Menschen gelangt.
LaoLu (17.11.2009, 23:39 Uhr)
A propos Fotostrecke:
Etwas mehr Sorgfalt wäre schön, liebe Verantwortliche bei stern.de.
Haiti und die Demokratische Republik Kongo sind, soweit ich weiß, keine Nachbarn (#16).
LaoLu (17.11.2009, 23:33 Uhr)
Afrika, immer wieder Afrika
Seit Jahrzehnten werden Millionen zur Bekämpfung des Hungers in diesen Kontinent gepumpt.
Das Ergebnis? Siehe Fotostrecke.
So funktioniert das offensichtlich nicht.
Freisein (17.11.2009, 23:32 Uhr)
Was wirklich fehlt...
in diesem Beitrag ist zumindest ein Hinweis auf das eigentliche Problem, nämlich das rasante Bevölkerungswachstum. Solange das tabuisiert wird, werden auch weitere Milliarden im Bodenlosen versickern. Was der Mensch nicht vernünftig regelt, erledigt dann die Natur auf grausame Weise. Deshalb bitte nicht immer so tun, als ob fehlendes Geld die Ursache allen Elends wäre!
johnniedeamonic (17.11.2009, 23:26 Uhr)
jedes Jahr
werden im Schnitt 500 Milliarden US-Dollar für Werbung ausgegeben,
Zehn Prozent dieses Betrages würde ausreichen den Hunger auf der Welt entscheidend zu bekämpfen...
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