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23. September 2006, 09:30 Uhr

Rekordernte im Narco-Staat

In solch protzigen Villen in Kabul leben viele, die durch den Opiumhandel reich geworden sind© Perry Kretz

In dieser Situation setzen Briten und Amerikaner vor allem auf Ausbildung afghanischer Polizei-Spezialeinheiten, für Hilfe bei gezielten Operationen gegen ausgewählte Drogennetzwerke. Beraterteams der DEA bilden die Polizei-Elitetruppe "National Interdiction Unit" paramilitärisch aus, im Verein mit teuren Spezialfirmen wie "Blackwater". Die Afghanen lernen Ermittlungs- und Observationstechniken, Landnavigation, Nahkampfverhalten. 120 Polizisten sind bislang einsatzfähig, darunter zwölf Frauen.

Infos erst in letzter Minute

Auf dem Weg ins Operationsgebiet herrscht eine konzentrierte Stille im Flugzeug. Diesmal geht es in die Provinz Nangarhar. Von Jalalabad bringen MI-8-Helikopter die Truppe zum Absetzpunkt. Dort geht es zu Fuß weiter, ein Auf und Ab durch dichten Bergwald. Polizeigeneral Asif Jabbar Khel, 54, ein dynamischer Offizier mit Siegelring, wird erst in letzter Minute informiert, worum es geht: Ausheben von Labors in den Bergen. Seine Leute müssen ihre Mobiltelefone abgeben. Zwei Amerikaner, DEA-Agenten, Haudegen mit Militärausbildung, leiten die Operation.

Nach Stunden erreichen die Männer ein Gehöft. Sie finden einen Greis mit weißem Bart, fesseln ihn und drohen: "Wo ist das Labor, sag es, sonst bringen wir dich um!" Das Labor liegt verlassen in einem Tal, ein paar hundert Meter entfernt. Wasserrohre, Fässer, rote Plastikschüsseln, eine provisorische Holzpresse, mit der Opium gestampft wird, bevor ein Heroin-Koch daraus mit einer Mischung aus Chemikalien wie Acetyl und Carbon das Rauschgift braut. Ehe sie gehen, übergießen die Fahnder das provisorische Labor mit Benzin, zünden alles an und machen Erinnerungsfotos.

Erster Drogenbaron ausgeliefert

Im Frühjahr 2005 hat die Truppe von General Jabbar Khel in Kandahar einen dicken Fisch verhaftet: Baz Mohammad, Kopf eines Drogenringes, der Heroin über den Norden in die Ukraine lieferte und eine Zweigstelle im pakistanischen Karatschi betrieb, von wo er Heroin mit Frachtschiffen und Flugzeugen Richtung Europa und Amerika schickte. An der Operation waren 30 Ermittler beteiligt, darunter sieben US-Fahnder. Nach mehreren Monaten Haft wurde er über den US-Stützpunkt im deutschen Ramstein nach New York ausgeflogen. Es war die erste offizielle Auslieferung eines Afghanen an die USA, Präsident Karzai hatte sie befürwortet.

Drei Stretch-Limos gibt es heute in der Hauptstadt. Sie werden gern von Drogenbossen für Feiern und Flughafenfahrten gemietet© Perry Kretz

Baz Mohammad gilt als Freund von Haji Bashir Noorzai, dem Drogenpaten Afghanistans in der Taliban-Ära. Dessen Fall steckt voller Rätsel. Nach seiner Verhaftung im April 2005 bezeichnete der New Yorker DEA-Chef John Gilbride ihn als "Asiens Pablo Escobar". Bashir Noorzai ist Mitglied eines Clans, der sich über mehrere Provinzen ausdehnt, vor allem aber in der Provinz Kandahar vertreten und sowohl mit der Familie von Präsident Karzai als auch des untergetauchten Taliban-Chefs Mullah Omar verwandt ist. In Quetta gehörte Noorzai eine große Villa. Hamid Karzai war sein Nachbar, oft speisten die beiden zusammen.

Als die Taliban in den 90er Jahren im Süden Afghanistans an Einfluss gewannen, verbündete sich Noorzai mit dem einäugigen Mullah Omar. 1994 übergab er ihm seine Miliz mitsamt ihren Waffen. Ein Zweckbündnis: Noorzai erhielt Schutz für seine Geschäfte, von denen die Taliban profitierten. So errang er eine führende Rolle im afghanischen Opiumhandel. Er reiste nach Japan, Dubai, Deutschland, in die Türkei und, wann immer es ging, zu seinem Vater, der nach London gezogen war. Als der 1999 an Blutkrebs starb, ließ ihn sein Sohn in Kandahar prunkvoll beerdigen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 38/2006

 
 
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