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Die tödlichen Fehler des US-Geheimdienstes I

Von seinen Agenten fordert Tenet nach dem Desaster in Ostafrika deshalb einen Kurswechsel bei der Terrorismusbekämpfung: "Mit unseren Anstrengungen, die wir gegen Osama bin Laden unternehmen, müssen wir nun in eine neue Phase übergehen. Bislang war unsere Arbeit bemerkenswert und in einigen Fällen durchaus heroisch; bis zu dem Tag, den wir als jenen anerkennen müssen, an dem uns ein unabwendbarer Schlag zugefügt wurde, dessen Auswirkung vielleicht größer war, als wir vorher erwartet hatten", schreibt Tenet. "Wir sind nun im Krieg, und ich werde in diesem Krieg weder an Personal noch an Ressourcen sparen." Der Plan: mehr menschliche Quellen Der Chef lässt eine Strategie ausarbeiten, wie man am besten der neuen Art von Terrorismus begegnen könne. Das Strategiepapier nennt er schlicht "der Plan". Demnach soll die CIA in ihrem Kampf gegen al Qaeda wieder verstärkt auf Human Intelligence (HUMINT), so genannte "menschliche Quellen", zurückgreifen. Der "Plan" sieht sogar vor, das Terrornetzwerk durch eigene Undercover-Agenten zu unterwandern. Eine sehr kostspielige und zeitaufwendige Angelegenheit, denn in der CIA gibt es zu diesem Zeitpunkt kaum jemanden, der fließend Paschtu oder Arabisch spricht.

Im Dezember 1999 ist vom "Plan" noch nicht viel in die Tat umgesetzt. Dabei häufen sich in Langley die Meldungen, dass al Qaeda nun auch Anschläge innerhalb der USA plane. Die CIA hat allen Grund, die Warnungen diesmal ernst zu nehmen. Durch Zufall ist der Polizei erst vor wenigen Tagen an der Grenze zu Kanada ein Al-Qaeda-Aktivist mit 50 Kilogramm Sprengstoff ins Netz gegangen. Der Mann war unterwegs nach Los Angeles, wo er während der Millenniumsfeierlichkeiten einen Bombenanschlag auf den internationalen Flughafen verüben sollte. In Langley herrscht seitdem höchste Alarmstufe.

Bereits am 11. Dezember hat ein CIA-Agent ein Eiltelegramm an die Zentrale nach Langley geschickt. Darin empfiehlt er, das Außenministerium sowie die Einwanderungsbehörde und die Bundespolizei, das FBI, zu bitten, alle als Terroristen identifizierten Personen auf ihre Fahndungsliste zu setzen, auch wenn nur ihre Deck- und Vornamen bekannt sind.

Sie kennen nur einen Vornamen

Zu diesem Zeitpunkt verfolgt die CIA die Spur mindestens eines Mannes, der sich später als Al-Qaeda-Mitglied herausstellen soll. Sie kennen nur seinen Vornamen Khalid. Er ist den Agenten aufgefallen, weil er in einer konspirativen Wohnung von wichtigen Al-Qaeda-Männern ein- und ausging. Noch wissen sie nicht, dass Khalid ein Visum für die USA besitzt, ausgestellt auf dem US-Konsulat in Jeddah in Saudi-Arabien am 7. April 1999. Es ist gültig bis zum 6. April 2000. Damit kann er nach Belieben in den USA ein- und ausreisen. Erst drei Wochen später werden sie die genaue Identität des Mannes erfahren.

Hamburg, Ende Dezember 1999

Thomas Volz sieht in der prekären Situation der CIA seine Chance, sich zu profilieren. Falls es ihm gelänge, Darkazanli als Informanten für die "Firma" zu gewinnen, würde das seine Karriere sicher befördern. Allerdings steht er vor keiner leichten Aufgabe. Volz hat zwar Adresse und Telefonnummer des Syrers, aber er weiß, dass er für alles Weitere fremde Hilfe benötigt. Mit Geld allein lässt sich ein überzeugter Islamist kaum dazu bewegen, für die CIA zu arbeiten.

CIA bittet Verfassungsschutz um Unterstützung

Ohne ein Druckmittel hat man schlechte Karten. Und Volz hat in Deutschland nichts gegen Darkazanli in der Hand. Er kann ihm weder mit Verhaftung noch mit Ausweisung drohen. Von Rechts wegen ist es Volz sogar untersagt, ohne Einverständnis der deutschen Behörden einen Spitzel anzuwerben. Dem CIA-Agenten bleibt also nichts anderes übrig, als im Dezember 1999 das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) in Hamburg um Unterstützung zu bitten.

Der Hamburger Verfassungsschutz residiert mitten in der Stadt, nicht weit vom Bahnhofsviertel und der Al-Kuds-Moschee, wo sich Darkazanli gern mit seinen Freunden trifft. Das LfV Hamburg ist eine der kleinsten Verfassungsschutzbehörden der Bundesrepublik. Ende 1999 hat es insgesamt 125 Mitarbeiter, einschließlich Sekretärinnen und Schreibkräfte. Die Abteilung für Ausländerextremismus beschäftigt zehn Mitarbeiter, die neben der Islamistenszene noch andere radikale Gruppierungen wie etwa die kurdische PKK oder die türkischen Extremisten um Milli Görös beobachten.

 
 
 
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