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7. August 2009, 17:36 Uhr

Auf den Spuren der Opfer

Georgien, Südossetien, Konflikt, Russland, Krieg, Schicksale

Ein fliegender Händler im Flüchtlingslager Zerowani in der Nähe des georgischen Ortes Gori© Vano Shlamov/AFP

Welches Elend dieser Krieg über Georgien gebracht hat, wird 20 Kilometer außerhalb von Tiflis an der gut ausgebauten Autobahn Richtung Norden sichtbar. Bis weit ins Tal erstreckt sich eine Siedlung von kleinen würfelförmigen gelben und rosa Häuschen, 2002 sind es insgesamt, jedes exakt 64 Quadratmeter groß, ausgestattet mit Herd und Spüle, einer winzigen Nasszelle und zwei Schlafzimmern. Zerowani ist die größte von Dutzenden Flüchtlingssiedlungen, die nach dem Krieg aus dem Boden gestampft wurden. 6300 Menschen leben hier. Insgesamt haben 27.000 Georgier, die in Südossetien lebten, ihre Heimat verloren und damit alles, was sie besaßen.

Siedlungen wie Zerowani sind dazu verurteilt, die Slums von Georgien zu werden. Der größte Teil der Flüchtlinge sind Landwirte, die früher von morgens bis abends auf ihren Feldern schufteten. Jetzt herrschen Arbeitslosigkeit und Langeweile. Nach dem Krieg brach der georgische Außenhandel um 70 Prozent ein, die ausländischen Investitionen gingen um zwei Drittel zurück.

Noch trostloser als in den Lagern ist die Lage in den Dörfern an der ossetischen Grenze. Hier waren bis Oktober russische Truppen in einer Pufferzone stationiert. Zu ihrem Auftrag gehörte, Plünderungen durch die Osseten zu stoppen. Stattdessen, so die Menschrechtsorganisation Human Rights Watch, hätten sie "mit Vergnügen" dabei zugesehen. In Ergnet, das von Zchinwali in Sichtweite entfernt ist, wurden von 138 Häusern 105 niedergebrannt und manche noch mit Bulldozern plattgewalzt - nach dem Krieg, wie die EU-Kommission in ihrem Bericht feststellen wird, denn in Ergnet gibt es keine Spuren von Kampfhandlungen.

Noch immer sind die Leiden gegenwärtig

Die Marodeure stahlen sämtliche Kühe, Schweine, Trecker und Autos. Dutzende Georgier, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen, um sie vor Plünderern zu schützen, bezahlten dafür mit dem Leben. Die 67-jährige Gulnara Militari erzählt, wie vor ihren Augen ihr Mann und ihr Schwager von sechs jungen Männern niedergeschossen wurden. Der Betonboden auf der Terrasse hat ihr Blut aufgesogen, dass die Umrisse der Leichen noch heute sichtbar sind. Nach und nach kehren die Bewohner nun in ihre zerstörte Heimat zurück. Manche haben heimlich begonnen, ihre Felder von Hand zu bestellen. Das hat die Regierung eigentlich verboten, denn es ist lebensgefährlich. Viele Ackerflächen wurden vermint.

Eine Geberkonferenz in Brüssel stellte Georgien im Oktober 3,5 Milliarden Euro zum Wiederaufbau zur Verfügung. Ohne dieses Geld läge das Land längst am Boden. Den Wiederaufbau der südossetischen Hauptstadt Zchinwali finanzieren die Russen. Doch dort ist die Lange weniger dramatisch. Die Zerstörungen sind geringer als zunächst angenommen, es gibt keine Flüchtlinge, kaum Minen, und viele Osseten haben bereits die Grundstücke ihrer ehemaligen georgischen Nachbarn besetzt. Auch wenn Südossetien eine eigene Regierung unter Präsident Eduard Kokoity hat, wird es praktisch geführt wie eine russische Provinz.

Mitarbeit: Hans-Martin Tillack
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KOMMENTARE (10 von 22)
 
Robbespierre (08.08.2009, 22:32 Uhr)
@pacan
De facto hat Russland als erstes Gewalt angewendet und zwar Monate, bevor Georgien zurückschoß. In der besagten Nacht sind georgische Einheiten von russischer Artellerie beschossen worden und erwiderten den Beschuß. Rußland nahmn dies als Vorwand , einzumarschieren, nachdem es die Zahl von "2000 zivilen Opfern" erfunden hatte..
.
Wenn fast 50% der südossetischen Bevölkerung bei Georgien bleiben wollen, ist es dann legitim, diese Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben? Genau dies hat die russische Soldateska getan. Es war die größte organisierte Verteibung seit dem zweiten Weltkrieg.
ganzbaf (08.08.2009, 22:23 Uhr)
Also, ich glaube ja...

die Russen wollen vor allem eins: Schnaps...;-Ä
Leider haben sie keine demkratische Kultur, woher auch?
Vom Zarenreich zur Kriegs-Großmacht und weiter zur Oligarchie mit mafiösen Strukturen.
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Da passt Schröder natürlich genau hin ;-P
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Rußland braucht mehr humanistische Bildung, Aufklärung und ein Antikorruptionsprogramm.
Also das Gleiche wie Deutschland ;-X
Pacan (08.08.2009, 21:57 Uhr)
Beide sind schuld und weitere Gedanken
Es ist richtig, dass beide Seiten die Verantwortung für den Krieg tragen. Es spielt auch eine Rolle, was NATO mit Kosovo gemacht hat. Ich behaupte auch, dass die Juristen und Politologen mehr machen könnten, um den Politikern den Weg vorzuschlagen, wie man das internationale Recht wirklich gerechter machen könnte. Dadurch sollte es (theoretisch) weniger Konflikte geben.
De Facto hat der Saakaschwili als erster Gewalt angewendet und UN-Resolutionen missachtet. Kann man ihm aber vorwerfen, dass er als ein Staatschef im Grunde eine illigitime Handlung begeht, wenn er probiert, die territoriale Integrität seines Landes mit militärischen Mitteln zu sichern? So lange er kein Völkermord begeht, ist das internationale Recht auf seiner Seite. Das internationale Recht ist aber nicht auf seiner Seite, wenn er dabei UN-Resolutionen bricht. Ist es aber legitim die Völker, die nach Unabhängigkeit streben zu unterdrücken? Man sollte dem Saakaschwilli vor allem Blödsinn vorwerfen, wenn er gedacht hat, er könnte diesen Krieg gewinnen. Kann man aber Russland vorwerfen, dass es illegitim handelt, wenn es angegriffen wird und sich verteidigt?
Wie ist das internationale Recht entstanden? Durch die Absprachen der Großmächte und nicht durch eine Versammlung der Juristen. Deswegen ist das internationale Recht nicht immer und nicht unbedingt gerecht. Ich werde jetzt nicht erklären oder definieren, was Gerechtigkeit auf internationaler Ebene bedeutet oder sein soll. Wer sich dafür interessiert kann mal gerne John Rawls vs. Thomas Pogge und/oder Charles Beitz lesen.
Das größte Problem ist es, dass es einfach keinen eindeutigen und allseits gerechten Maßstab gibt, in welchen Fällen gewisse Völker sich unabhängig erklären dürfen um einen eigenen Staat zu bilden. Theoretisch hat jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung, praktisch will aber kein Staat sein Territorium abgeben und den Völkern innerhalb des Landes dieses Recht wirklich einräumen. Ein Volk hat ein Recht auf Unabhängigkeit, wenn an ihm z.B. Genozid begangen wird. In allen anderen Fällen entscheiden im Grunde nur die mächtigsten Staaten, ob dieses Volk unabhängig sein soll oder nicht und das hat mit einer wirklich gerechten Lösung wenig zu tun.
Hier ist eine Reihe im Grunde genommen ähnlicher Konflikte: Nordirland, Falkland Islands, Baskenland, Kosovo, Tschetschenien, Taiwan, Kurdistan usw. Doch wie werden diese Konflikte gelöst? Nach einem einheitlichen gerechten Maßstab oder durch die Macht der starken Staaten? Natürlich durch die Macht der starken Staaten, die Gerechtigkeit passt sich erst danach an. Aber theoretisch sollte man zuerst überlegen, was eine gerechte einheitliche Lösung für alle solche Fälle sein sollte und dann wäre es klar wer in solchen Fällen Recht hat und wer nicht.
XFire (08.08.2009, 21:56 Uhr)
@UR63
12 Jährige sollten nicht so lange am PC sitzen. Entweder sie belegen, das die Aussagen falsch sind oder sie lassen es. Aber so machen sie sich nur lächerlich.
XFire (08.08.2009, 21:49 Uhr)
...
Konflikt in Südossetien keine 10 000 Opfer. Im Bürgerkrieg anfang der 90er gab es 1500 Todesopfer. 10 000 sind geflohen. Die Berichterstattung der russischeen Medien ist doch genauso einseitig. Da vertraue ich dann doch eher den Westlichen.
XFire (08.08.2009, 21:41 Uhr)
@SLCentral & O.Bi
Russland ein Meister in Friedenserhaltung? Das ich nicht lache. Das russische Militär ist von seiner ethischen Einstellung doch gar nicht in der Lage sich an Friedenserhaltenden oder Friedenserzwingende Einsätzen zu beteiligen. Die foltern sich doch schon gegenseitig bis sie Finger und Beine amputieren müssen, da kann man sie nicht auf normale Zivilbevölkerung los lassen.
Und das die Russen von westlichen Medien empört sind, lag das an den Inhalt oder, dass sie aus den russischen Medien anders kannten? Prinzipel würde ich keiner Presse einer Konfilktpartei auch nur ansatzweise glauben. Übrigens können die Russen sich sehr gerne abschotten. Allerdings sollte man auch faierweise sagen, das der gesamte Russische Aufschwung auf den Export von Rohstoffen bassiert. Wenn der Westen aufhört dort einzukaufen bricht Russlands Wirtschaft komplett zusammen.
...
@O.Bi
Jemanden einen Faschisten zu nennen weil er die russische Politik ablehnt ist doch auch eher erbärmlich. Man sollte den Beitrag eigentlich von ihnen löschen, da er beleidigend und unsachlich ist. Übrigens gab es in den Gesamten
SLCentral (08.08.2009, 21:05 Uhr)
Vor der rechten Szene in Russland braucht keiner Angst zu haben,
Meiner Meinung nach ist das einfach enttäuschend für die Russen (die übrigens noch nie eine Atombombe oder Flächenbombardmos eingesetz haben), dass die einseitige Berichterstattung im August 2008 vor Augen geführt hat wie weit der Graben ist und von bestimmten Kräften weiter ausgeweitet wird. Da denken sich die Russen - warum müssen wir uns an die Regeln halten und andere, die sich seit 20 Jahren als "Vorbild" für uns AUFZWINGEN nicht.
Und die Russen fordern nun, dass der Sakaschwili wie der Miloschewich auf die Anklagebank kommt, aber in Russland. Wenn der Eindruck entsteht, dass die europäischen und amerikanischen Gerichte und Politik keine Objektivität bewahren und das auch noch so billig...
- amerikanisch Uniformen der Georgier
- amerikanische Waffen
- Sakaschwili in den USA studiert.
dann werden in Russland eigene Behörden entstehen und eurpäisches Recht(sempfinden) wird nicht mehr als leitend angesehen.
Und wenn die rechte Szene an die Macht kommt, dann wird auch bis zum Tiflis durchmarschiert. Dann werden auch die Talibans unterstützt, dann wird dem Teheran geholfen und das alles mit Hilfe eines verblendeten Elektorats, dass sich als die bessere Rasse versteht und über Atomwaffen verfügt.
Das wird aber kein kalter Krieg mehr sein weil,
- keine Idiologie des Internationalismus mehr, wie in der UdSSR und kein Ringen um die Herzen des einfachen Mannes, sondern nur noch Hass und Gewalt.
.... übrigens ich war gestern im Jugendzentrum und dort war alles mit Hackenkreuzen vollgeschmiert... in Westdeutschland.
.....übrigens der Islamfaschismus ist auch schon in Deutschland auf dem Vormarsch.
Strikte Einhaltung und Gleichbehandlung der Staaten durch INTERNATIONALES RECHT könnte diesen meinen Beitrag unnötig machen. Aber ein internationales Recht und Gleichbehandlung ist nicht im Interesse der USA.
O.Bi (08.08.2009, 20:42 Uhr)
Ein Tipp: Baumarkt wird ohne Punkt geschrieben.
Wer sich Robbespierre mit doppel-„B“ nennt, kann natürlich gut mit diskutieren. Aber ein bisschen langsamer.
Noch ein Mal.
Nach dem Zerfall von UdSSR hat Georgien die Eigenständigkeit gewählt. Hat auch bekommen. Abkhazien und Süd-Ossetien, die schon früher Schwierigkeiten hatten, weil Georgien denen keine richtige Autonomie gegeben hat, haben auch Eigenständigkeit gewählt. Haben aber nicht bekommen. Nicht Mal nach dem 10.000 Bürgerkriegsopfer gegeben haben. Irgendwie schwer zu verstehen - selbst Eigenständig wollen und werden, aber nicht wollen, dass die Anderen eigenständig werden wollen und werden.
Wenn Sie schon Serbien erwähnen.
Die sog. „Weltgemeinschaft“ hat beim Kosovo Freiheit, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit gepredigt. Osseten und Abkhasier sind aber für die - abtrünnige Separatisten.
Irgendwie kommt mir da das Wort „Nabucco“ in den Sinn. Für das Gelingen und Absicherung der Energieversorgung ist doch ein oder auch mehrere Menschenleben unwichtig.
Nicht vergessen, es gibt da noch Southstream-Konsortium, mit dem könnte Georgien nicht mehr für die Öl und Gas hungrige „Weltgemeinschaft“ so interessant bleiben.
Für die Menschen in der Region wäre das nur gut. Sie haben genug mit sich selbst zu tun.
Robbespierre (08.08.2009, 19:56 Uhr)
@O.Bi
Wer sich nach einem Baumarkt benennt hat nicht immer unbedingt das geistige Rüstzeug um hier mit diskutieren zu können, leider. Aber klar, wer Tschteschenien, den Georgienkrieg und Serbien nicht aus russischer Sicht begutheisst ist in Ihren Augen "Russenphob". Vermutlich gehen Sie auch davon aus, daß Putin ein "Lupenreiner Demokrat" ist. Oder Sie glauben ganz einfach an den Faschismus...
O.Bi (08.08.2009, 19:45 Uhr)
Wow, @Robbe,
wo haben Sie den Stoff her?
Oder Sind Sie einfach ein Russophob und können nicht kapieren, dass Ihresgleichen (wenn Sie so etwas Faschos nennen, von mir aus) für jedes Land im Inneren und für die anderen, besonders Nachbar- Länder gefährlich sind?
SSaakashvili ist ein leuchtendes Beispiel dafür.
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