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25. Februar 2003, 10:02 Uhr

Amerika marschiert

Und dann hört Grange den Präsidenten ständig reden von Gut und Böse und immer wieder von Gott. Bushs Gott ist ein amerikanischer Gott. Das erzürnt den Vater. "Wer gibt ihm das Recht? Wer, glaubt er, ist er? Mein Gott will keinen Krieg." Grange wird nicht viel tun können, das weiß er, er ist nur ein Mann der Straße, südliche Bronx. Er hofft auf andere, stärkere, gewichtigere Stimmen.

Nur einige Kilometer Luftlinie entfernt, in einem der wohlhabendsten Viertel des Landes, auf der Upper West Side Manhattans, sitzt Harry Belafonte im Caf? Luxembourg. Um die Ecke lebt er. Vor ihm stehen Toast und Kaffee. Belafonte ist 75, er sieht immer noch blendend aus, reist durch die Welt, singt und spricht. Seine Stimme ist unverwechselbar. Sie ist heiser, sie hat Gewicht: "Bush ist kein rational denkender Mann. Diese Irrationalität durchdringt seine gesamte Administration. Wir fühlen uns wie Anhängsel einer Politik, die keine Achtung hat für andere. Es ist genau diese Art von Arroganz im Umgang mit Diplomaten und anderen Ländern, die uns isoliert. Wir stürzen Regierungen, die uns nicht gefallen, wir destabilisieren ganze Regionen, wenn uns danach ist. Wir benutzen unsere CIA, um Schaden anzurichten. Wir schicken Truppen. Und wir hören nicht auf."

Kaum ein Prominenter hat so deutlich Stellung bezogen wie er. Hollywood-Star Sean Penn schaltete Zeitungsanzeigen und reiste in den Irak, der Schauspieler Martin Sheen hält Bushs Politik für einen Rachefeldzug, Oscar-Preisträgerin Jessica Lange schämt sich für ihren amerikanischen Pass, Dustin Hoffman und Richard Gere wettern gegen den Krieg, die Streisand mäkelt wie eh und je. Belafonte ist anders, er wird nie müde. Er poltert mit heiserer Stimme. Sein Kaffee wird darüber kalt.

"Bush glaubt, er habe ein imperiales Recht. Er glaubt an das alte Sprichwort: Kontrolliere, was das Volk weiß, und du kontrollierst, was das Volk tut. Aber es gibt auch ein asiatisches Sprichwort, das lautet: Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut. Dieser Bush ist getrieben von übersteigerter christlicher Ideologie. Wir führen doch hier unseren eigenen Dschihad. Sie haben längst die Trennung von Staat und Kirche aufgegeben und damit eine gefährliche Grenze überschritten. Ich glaube fest, dass Bush meint, er habe exklusiven Zugang zu Gottes Gehörgang. Das ist Größenwahn."

Vor Wochen hat Belafonte Colin Powell und Condoleezza Rice als "Haussklaven" bezeichnet, die allzu eilfertig ihrem Master Bush dienten. Das war eine gewagte Metapher, landesweit musste er Schelte einstecken, von links und rechts. Er entschuldigte sich nicht, weil es nichts zu entschuldigen gab. Sein Toast ist jetzt auch kalt.

"Ich sehe Colin Powell,und ich denke: Der Kaiser trägt keine Kleider. Powell ist nicht gegen den Krieg und gegen Töten. Er hat es in Grenada gemacht, er hat es in Panama gemacht, er machte es beim ersten Golfkrieg. Er ist Soldat, er ist Profi. Vergiss die Hautfarbe. Seine ursprüngliche Zurückhaltung war kein Akt des Gewissens, sondern der Strategie."

Es ist spät geworden, Belafonte muss los. Steht im Mantel da und sagt: "Ich bewundere dieses Deutschland. Ausgerechnet Deutschland. Das ist doch ein Phänomen. Ihr Deutschen seid der höchste Baum im Wald des Widerstandes." Es ist nicht gerade so, dass sich Bill Waite aus Indiana das Poster von Gerhard Schröder in die Küche hängen würde, neben das von Bob Dylan und den Simpsons. Es ist auch nicht so, dass er besonders viel über Schröder weiß. Er hat nur gehört, dass der deutsche Kanzler Widerstand leiste gegen Bush und Rumsfeld und Cheney, die "Achse des Bösen", wie Waite sie nennt. Und so ist Schröder für den Vietnam-Veteranen ein "wahrer Held", einer der wenigen, die etwas gegen diesen Krieg tun, wenn schon Bob Dylan und die Simpsons und 280 Millionen Amerikaner nichts tun.

 
 
 
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