
Nicht nur von seinem umwerfenden Äußeren sowie seinen unternehmerischen und politischen Erfolgen überzeugt, sondern auch für jede Situation das rechte Gespür: Silvio "Cavaliere del Lavoro" Berlusconi© dpa
"Nur aus Liebe zu Italien" kämpfe er jeden Tag gegen die Verleumdungen der Medien an. Nur um den alten Stiefel vor den Kommunisten zu retten, sei er vor zehn Jahren in die Politik gegangen. Das müssen seine Landsleute ihm einfach glauben. Ein Schelm, wer anderes unterstellt: 1993 hatte die Anti-Korruptions-Kampagne "Saubere Hände" die Regierung hinweggefegt und damit auch Berlusconis politischen Schutzengel, den Sozialistenführer Bettino Craxi. "Die Sozialisten sind zerfallen. Ich habe keine Protektion mehr, denn alle anderen Parteien sind gegen mich. Also muss ich selbst Politiker werden, um mich zu schützen." So zitierte Ex-Chefredakteur Montanelli seinen damaligen Arbeitgeber.
Zweimal - 1994 und 2001 - haben ihn seine Landsleute mit ihren Stimmen zum Ministerpräsidenten gemacht. Obwohl sie wussten, dass Berlusconis Aufstieg vom ehrgeizigen Sohn eines kleinen Bankprokuristen in Mailand zum Baulöwen und Fernseh-Magnaten nicht über jeden Zweifel erhaben war.
Sein Werdegang ist mit einem runden Dutzend von Prozessen gespickt - unter anderem wegen Meineids und Bestechung. Wenige endeten mit Freisprüchen, einige durch Amnestie oder Verjährung. Viele sind noch nicht abgeschlossen.
Unterdessen hat der Ministerpräsident mit seiner Regierungsmehrheit Gesetze durchgedrückt, die rein zufällig maßgeschneidert waren, um ihn und seinen Konzern Fininvest vor Verfolgung und Verurteilung zu schützen.
Montanellis Analyse: "Berlusconi ist ein großer Schauspieler, ein glänzender Verkäufer von Schlagworten und Bildern. Seine Intuition lässt ihn Wünsche und Erwartungen des Volkes erspüren. Das verleiht ihm die Ausstrahlung eines Gurus, der alle Krankheiten zu heilen verspricht." Ein Mann, der es geschafft hat, so enorm reich zu werden, könne auch das von ihm regierte Volk zu Reichtum bringen. Diese weit verbreitete Meinung, so der Schriftsteller Umberto Eco, ein bekennender Berlusconi-Hasser, sei ein Hauptgrund für die Wahlerfolge des Cavaliere. Und die zynische Ansicht: "Wer so reich ist, hat es nicht mehr nötig zu stehlen."
Berlusconi lebt ein Leben, von dem die meisten seiner Landsleute träumen. Er residiert auf einem riesigen Herrensitz namens Arcore außerhalb Mailands, wo sich der Chef, behütet von 54 Leibwächtern, selbst um das Nachfüllen der Bonbonschalen in den 147 Räumen kümmern muss, weil seine Frau, ein ehemaliges Busenwunder, ein paar Kilometer weiter mit drei Kindern in einem ähnlich dimensionierten Palast logiert.
Berlusconi begründet diese Trennung von Tisch und Bett mit seiner "Arbeitsüberlastung". Zu seinem Besitz zählen überdies noch eine Reihe netter kleiner Villen unter 100 Zimmern, fünf davon allein an Sardiniens mondäner Costa Smeralda. Natürlich hat er eine Super-Yacht, einen Super-Privatjet in Blau, seiner Lieblingsfarbe, und einen gepanzerten Mercedes, der, so Berlusconis Fitness-Trainer, "fünfzehn Minuten in Flammen eingehüllt sein kann, ohne dass das Innere zerstört wird".
Die Möblierung in Arcore ist ein bisschen zu wuchtig, das Blattgold ein wenig zu üppig, die Zahl der Alten Meister an den Wänden ein bisschen zu hoch, wen wundert's. Verblüffung bei jedem Besucher erregt jedoch das Mausoleum im Garten, wo Berlusconi dereinst zur ewigen Ruhe gebettet werden will. Feinster Marmor, schwere Bronzetüren. 36 kühle Stufen führen hinab zum Sarkophag, der "leicht zwei komplette Silvios aufnehmen könnte", wie amerikanische Besucher anmerkten. Ein Terrakotta-Relief zeigt die Dinge, die dem Staatsmann das Jenseits verschönen sollen: Blumen, Bananen, Weintrauben. Und ein Telefon sowie die Schlüssel zum Briefkasten. Erwartet der begabte Lateiner Post - post mortem?
Doch vorerst geht die Mission Berlusconis zur Rettung Italiens vor einer "freiheitsfeindlichen und erstickenden Zukunft" weiter. Dem rastlosen Genius ist diese eine Rettungstat aber nicht Aufgabe genug. "Wenn ich freie Hand hätte, würde ich das Steuer von Fiat übernehmen. Ich würde den Namen Fiat abschaffen und ihn durch Ferrari ersetzen." Wer weiß, vielleicht könnte das Verkaufsgenie sogar den Multipla als Ferrari loswerden.