
"Danes for Bush": Jacob Boeskov und Mads Bruegger vor ihrem Wohnwagen© Danish Broadcasting Company/AP
Kostprobe: Die "Daily Show" zeigt Ausschnitte aus einem Interview mit Vizepräsident Richard Cheney, der sagt, dass alle Iraker ihm "bis auf den letzten Mann" immer versichern, sie seien den USA dankbar für die Befreiung des Landes vom Diktator Saddam Hussein. "Ja??? Haben Sie auch mal die Leute mit den Bomben gefragt?" kommentiert Stewart gespielt ungläubig.
Late-Night-Talkmaster Jay Leno nahm Vizepräsidentschaftskandidat John Edwards aufs Korn. Dessen Flugzeug musste neulich den Start abbrechen, weil ein Blinklicht nicht funktionierte. "Offenbar war nicht genügend Strom an Bord, um gleichzeitig den Blinker und Edwards Föhn zu speisen", frotzelte Leno in Anspielung auf Edwards angebliche Eitelkeit um seine Haarpracht.
"John Kerry ist jagen gegangen und der Präsident warf ihm vor, dies nur wegen der Fernsehbilder zu tun", erzählte Conan O'Brian in seiner Show. "Komisch, dass Bush dabei selbst einen Kampfpilotenanzug trug und auf einem Flugzeugträger stand", sagte O’Brian und spielte darauf an, dass Bush die Verkündung des Endes der Kampfhandlungen im Irak vor 17 Monaten auf einem Flugzeugträger inszenieren ließ.
John Kerry, Fan der Boston Red Sox, unterstützt sein Baseball-Team auch in der Endphase des Wahlkampfs. Der Senator aus Massachusetts feiert die Red-Sox-Siege selbst dann, wenn er über das genaue Ergebnis nicht immer im Bilde ist. "Zehn zu neun - das haben die Sox fabelhaft gemacht", sagte Kerry grinsend in Florida. Vor einer Kirchengemeinde wiederholte er kurz darauf: "Die Red Sox haben zehn zu neun gewonnen." Allerdings: Das Spiel ging elf zu neun aus. In New Hampshire vermeldete Kerry ein weiteres Mal freudig einen falschen Spielstand.
Präsident Bush hat sich erneut gegen Vorwürfe des angeblichen Betrugs während der ersten Fernsehdebatte mit Herausforderer Kerry gewehrt. Die viereckige Ausbuchtung zwischen seinen Schulterblättern führe er auf den Schnitt seines Hemdes zurück, sagte Bush dem US-Fernsehsender ABC. "Ich weiß nicht, was das ist. Ich fürchte, dass ist ein schlecht geschnittenes Hemd", erklärte der Präsident die mysteriöse Beule. Auf die Nachfrage, ob es tatsächlich kein verborgenes Funksystem gegeben habe, antwortete Bush: "Erklären Sie mir doch bitte, wie so etwas funktionieren soll, damit ich es bei der nächsten Debatte ausprobieren kann."
Die "Bild"-Zeitung hat als erstes deutsches Blatt eine Empfehlung für die Präsidentschaftswahlen abgegeben. Die Zeitung sprach sich für Bush aus. "Bei Bush wissen wir, was wir zu erwarten haben. Bei Kerry weiß dagegen niemand, wofür er steht und wohin er Amerika - und die Welt - führen will", schrieb Autor Hugo Müller-Vogg, der zehn Punkte pro Bush aufführte.
Zu möglichen weiteren Auslandseinsätzen der Bundeswehr sagte er, Bush wisse, dass Europa und Deutschland nicht über die militärischen Kapazitäten verfügten, um sich stärker als bisher zu engagieren. Deshalb würde er diesen Beitrag auch nicht einfordern. "Kerry würde aber genau das tun - und die ohnehin beschädigten deutsch-amerikanischen Beziehungen weiter belasten."
Bush habe eindeutige Prioritäten, schrieb Müller-Vogg in dem Beitrag weiter: "Er sieht den menschenverachtenden islamistischen Fundamentalismus, die mordwütigen Mullahs als die größte Gefahr für die westliche Welt." Bush habe "die Lektionen der Geschichte gelernt. Gegen gewaltbereite Fanatiker helfen keine guten Worte, da hilft nur militärische Stärke."
Amnesty International hat sowohl Bush als auch Kerry vorgeworfen, das Thema Folter im Wahlkampf zu ignorieren. Amnesty könne beweisen, dass die US-Regierung "in den Skandal um die Folterungen von Gefangenen im Irak, in Guantànamo und in Afghanistan verstrickt" sei. Ein von der Menschenrechtsorganisation veröffentlichter Bericht räume mit der Behauptung auf, "dass es sich um Einzelfälle gehandelt habe". Deshalb sollten sich sowohl Bush als auch Kerry dazu verpflichten, im Falle ihrer Wahl gegen diese Folterpraxis vorzugehen, forderte Amnesty.
"In ihren Debatten haben die Kandidaten einen unguten stillen Konsens bewiesen", sagte der US-Experte von Amnesty in Deutschland, Sumit Bhattacharyya. Beide hätten sich zum Thema Folter gar nicht erst geäußert. Er forderte von Bush die "sofortige Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission". Die bisherigen Untersuchungen seien unzureichend gewesen. "Auffällig ist etwa, dass wir bisher weder etwas über die Rolle und Vorgehensweise des Geheimdienstes CIA erfahren haben noch über die geheimen Transfers von Gefangenen zwischen verschiedenen Ländern", sagte Bhattacharyya.
Verwandte von Präsident Bush setzen sich im Wahlkampfendspurt für dessen Herausforderer ein. Auf einer eigens geschaffenen Website erklären die sieben entfernten Angehörigen des Präsidenten, sie wollten ihren kleinen Beitrag dazu leisten, "Amerika von der Krankheit zu heilen", unter der es seit Bushs Amtsantritt im Jahr 2000 leide. Unter der Überschrift "Weil Blut dünner ist als Öl!" heißt es: "Bitte, wählen Sie nicht unseren Cousin". Bei den Verwandten handelt es sich um Enkelkinder von Mary Bush, verheiratete House, der Schwester von Prescott Bush, dem Großvater des derzeitigen Präsidenten.
Eine Gruppe namens GrannyVote.org gab die Gründung einer politischen Lobbygruppe bekannt, welche die besonderen Interessen von Omas und Opas in der Politik vertreten soll. Großeltern seien "der mächtigste Wählerblock unter den amerikanischen Wahlberechtigten", hieß es auf der Webseite der Gruppe. Es gebe derzeit 70 Millionen Großeltern, mit rasch steigender Tendenz.
Vier Wochen als angebliche "Dänen für Bush" im Wahlkampf haben das Amerika-Bild zweier Kopenhagener Journalisten erschüttert - aber auch Zweifel an der Urteilskraft ihrer eigenen Landsleute aufkommen lassen. "Was immer wir an grotesken Argumenten von uns gegeben haben, niemand in den USA zweifelte etwas an. Und sogar in Dänemark schreiben die Leute jetzt begeistert, dass wir doch recht haben", berichtet Mads Bruegger nach der Ausstrahlung von drei Fernsehfolgen über ihre Tour durch die USA. Zusammen mit seinem Kollegen Jacob S. Boeskov war Bruegger vier Wochen lang als angeblich stramm rechtsorientiertes Duo in einem Wohnwagen von Los Angeles nach New York gefahren, hatte republikanische Wahlkampfbüros besucht, Parteimitgliedern feierlich einen erfundenen "Freiheitskämpferpreis" überreicht und Wahlkampfmaterial auf Parkplätzen verteilt.
Mit ihrem gespielten naiv-begeisterten Auftreten für Bush brachten sie ihre vertrauensseligen Gesprächspartner dem Fernsehbericht nach zu Äußerungen, die anderswo vor laufender Kamera wohl nicht gefallen wären. Wenn die beiden Dänen auf ihre angeblich schlappen Landsleute im "sozialistischen Skandinavien" schimpften, legten republikanische Politiker und christlich-fundamentalistische Prediger nach und kündigten ein massiveres Durchgreifen von Bush, drinnen und draußen, nach der von ihnen erhofften Wiederwahl der Präsidenten an. Die Methode von Verkleidung und Bluff gegenüber Gesprächspartnern rechtfertigt Boeskov mit der "Wirkungslosigkeit normaler journalistischer Methoden". Alle Beteiligten hätten die Regeln vollständig verinnerlicht und äußerten sich dementsprechend gefiltert. "Wir wollten das Klima erforschen, da kommt man als Freund weiter", sagte Bruegger.