. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. Februar 2003, 12:47 Uhr

Ende einer Freundschaft

Was aus Deutschland zu ihm drang, hat Bush dagegen nur verdrossen. Hatte Schröder ihm nicht versprochen, den Irak nicht als Wahlkampfthema zu benutzen? Hatte er, Bush, seinen Freund Gerhard nicht als Staatsmann gelobt und ihn im Wahlkampf unterstützt, indem er bei seinem Deutschland-Besuch auf Wunsch des Kanzleramtes keine Zeit fand, den Herausforderer Stoiber zu treffen? Auch Schröder fühlt sich hintergangen. In dem Glauben, als Partner behandelt zu werden, hatte er für Bushs Afghanistanpolitik bei einer Vertrauensabstimmung im Bundestag sein Amt riskiert. Er hatte Verantwortung übernommen, wollte nun Einfluss nehmen - und musste erleben, dass er bei keiner wichtigen Entscheidung im Kampf gegen den Terror auch nur konsultiert wurde, obgleich er deutsche Soldaten nach Kabul schickte. Vom Beginn des Krieges in Afghanistan erfuhr er aus dem Fernsehen, von anderen wichtigen Entscheidungen las er in der Presse. "Machen wir uns nichts vor: Die Beziehung Bush-Schröder ist auf Dauer zerrüttet", sagt Gary Smith, Leiter der American Academy in Berlin. "Wenn wir Pech haben, für die nächsten sechs Jahre."

Querelen zwischen einem Präsidenten und einem Kanzler sind nicht neu. Der jugendliche John F. Kennedy konnte mit dem alten Konrad Adenauer nicht viel anfangen. Ludwig Erhard und Lyndon B. Johnson stritten heftig über die Kosten der US-Truppen in Deutschland. Helmut Schmidt und Jimmy Carter schrien sich hinter verschlossenen Türen so an, dass das Gebrüll bis auf die Flure zu hören war. "In meiner Skepsis gegenüber den USA lasse ich mich nicht übertreffen", erklärte Schmidt damals wütend. "Aber der Streit zwischen Bush und Schröder hat eine neue Qualität. Früher musste man sich bei allen Meinungsverschiedenheiten schnell wieder vertragen", sagt Deutschland-Kenner Stephen Szabo. "Es war Kalter Krieg. Es gab einen gemeinsamen Feind, gegen den man zusammenhalten musste." Der Fall der Mauer war der größte Einschnitt in den Beziehungen, ohne dass es im Jubel über die Wiedervereinigung gleich jemand gemerkt hat. Bush senior sprach damals noch von "Partnern in der Führung" und verhielt sich auch so. Ihm folgte Bill Clinton, der in seinem Wahlkampf 1992 die soziale Marktwirtschaft der Deutschen als Vorbild lobte. Clinton hatte in England studiert und fühlte sich den Europäern wesensverwandt. Er verstand sich mit Helmut Kohl prächtig, und wenn es Probleme gab, gingen die beiden in Washington zum Italiener und schlemmten. Ihre Freundschaft und Clintons Bemühen, im Umgang mit Europa auf Konsultation statt auf Konfrontation zu setzen, überdeckte viele Zweifel über die Zukunft der Beziehungen. "Wir wussten, dass eine Menge im Argen liegt", sagt heute ein enger Schröder-Berater. "Wir hatten es über Jahre versäumt, unser Verhältnis neu zu definieren."

Damit begann erst die neue Administration in Washington kurz nach der umstrittenen Wahl im November 2000. "Bush ist ein radikaler Unilateralist, die Außenpolitik hat sich unter ihm radikal geändert", sagt Fritz Stern. Mit dem Republikaner zogen christliche Fundamentalisten und Neokonservative ins Weiße Haus, "die in dieser Regierung mehr Einfluss haben als jemals zuvor", so Stern. Sie empfinden internationale Verpflichtungen und Institutionen als störend für den Machtanspruch der USA. Europa scheint ihnen wie ein Klotz am Bein. "Es ist an der Zeit, sich von der Illusion zu verabschieden, dass Europäer und Amerikaner denselben Blick auf die Welt haben, ja, dass wir auf derselben Welt leben", schrieb Robert Kagan, einer der Vordenker der Neuen Rechten, im vergangenen Jahr in einem Aufsatz. "Sie sind selten einer Meinung und verstehen sich immer weniger."

Deshalb, so schien die Devise in den ersten Regierungsmonaten, muss man sich um die Meinung der Verbündeten nicht weiter kümmern. Die Bush-Regierung verweigerte die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Treibhausgase, brach den ABM-Abrüstungsvertrag mit Moskau, entzog dem Internationalen Strafgerichtshof seine Unterstützung, obwohl Clinton die Verträge unterschrieben hatte. Eine rücksichtslos protektionistische Handelspolitik führte zum Streit um genmanipulierte Futtermittel, Bananen und Stahl. Umgekehrt ließen Washingtons Alleingänge mit erzkonservativen Parolen, wie man sie seit Ronald Reagan nicht mehr gehört hatte, und einem wiedergeborenen Christen als Präsident, der jede Kabinettssitzung mit einem Gebet beginnt, in Europa alte Vorurteile gegen Amerika wieder aufleben. Ein Land voller schießwütiger Cowboys und religiöser Fanatiker seien die USA, kulturlos und arrogant. Inzwischen ist die Stimmung so aufgeheizt, dass selbst Zeitungsenten zu einem Politikum werden. Als eine amerikanische High School das Austauschprogramm mit einem Gymnasium in Weiden beendete, behauptete die deutsche Lokalzeitung, Anlass sei die Verstimmung zwischen Berlin und Washington. Prompt wurde das in den Medien als Indiz für die Verschlechterung der Beziehungen gewertet. Dabei hatte die Kündigung nichts mit Politik zu tun: Die amerikanischen Schüler wollen lieber Spanisch als Deutsch lernen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 09/2003

 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston