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Die tödlichen Fehler des US-Geheimdienstes I

Die Abteilung ist hoffnungslos unterbesetzt; nur ein Mitarbeiter spricht Arabisch. Abhörmaßnahmen sind deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil es einfach zu lange dauert, bis die aufgezeichneten Gespräche ausgewertet sind. Darkazanli ist der Behörde als fanatischer Muslim bekannt. Als Volz seinen Plan vorträgt, ihn "umzudrehen", winken die Deutschen nur ab.

Die Deutschen sind genervt

Ihren Informationen nach ist der Syrer weder mit Geld noch mit anderen Mitteln dazu zu bewegen, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten. Für völlig ausgeschlossen halten es die Verfassungsschützer, dass Darkazanli seine Glaubensbrüder ausgerechnet an die CIA, den Geheimdienst des Erzfeindes, verraten könne.

Volz teilt die Skepsis seiner deutschen Kollegen keineswegs. Er bleibt hartnäckig. Immer wieder wird er in der Hamburger Behörde wegen Darkazanli vorstellig. Die Deutschen aus der Abteilung "Ausländerextremismus" sind deswegen schon genervt. Als sie ihm wieder einmal erklären, dass sie seinen Plan für aussichtslos halten, knallt ihnen Volz ein Handbuch des Anfängerlehrgangs der CIA auf den Tisch. Darin könnten sie nachlesen, wie man Spitzel anwirbt.

Volz versucht es schließlich auf eigene Faust. Als die Hamburger Ermittler davon Wind bekommen, machen sie dem CIA-Agenten unmissverständlich klar, dass sein Alleingang in ihren Augen Spionage ist. Volz sieht ein, dass ihm die Hände gebunden sind. Wenn er keinen diplomatischen Skandal provozieren will, muss er vorerst die Finger von Darkazanli lassen. Wutentbrannt bricht er die Operation ab. Der Verdächtige lebt von Sozialhilfe Aber Darkazanli ist nicht der einzige Islamist in Hamburg, für den sich die CIA brennend interessiert. Seit Jahren hat die "Firma" ein Auge auf einen Landsmann von Darkazanli geworfen, den sie als einen der wichtigsten Kontaktmänner und Anwerber der al Qaeda in Deutschland ausgemacht hat: Mohammed Haydar Zammar. Er wurde 1961 im syrischen Aleppo geboren, ist aber in Hamburg aufgewachsen und besitzt seit 1982 die deutsche Staatsbürgerschaft. Zammar ist sechsfacher Familienvater und lebt von Sozialhilfe und Kindergeld. Er gehört in der Organisation von Osama bin Laden zu den Männern der ersten Stunde. Bereits 1991 kämpfte er in Afghanistan für die Mudschaheddin, 1995 ist er in Bosnien. Seit Mitte der 90er Jahre pendelt Zammar nach Informationen der CIA ständig zwischen Hamburg und Afghanistan. Er hält engen Kontakt mit einem der Operationschefs der al Qaeda und sorgt für Nachschub an Rekruten, denen dann in den afghanischen Lagern das Handwerk des Terrors beigebracht wird. Allerdings hält es die CIA nicht für nötig, die deutschen Verfassungsschützer über die Bedeutung des Syrers für das Netzwerk der al Qaeda zu informieren.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bekommt schließlich von seinen türkischen Kollegen den Hinweis, dass Zammar von Hamburg aus ein "dubioses Reisebüro" betreibe. Nach Informationen vom Bosporus organisiere der Mann Flüge für radikale Muslime via Istanbul oder Ankara nach Afghanistan. Die Verfassungsschützer hielten Zammar zunächst für den Kopf einer Schleuserbande.

Ein religiöser Fanatiker

Als sie jedoch Zammar und dessen Umfeld in Hamburg genauer unter die Lupe nehmen, merken sie, dass der gebürtige Syrer kein gewöhnlicher Krimineller ist - sondern ein religiöser Fanatiker, der vor allem in der Al-Kuds-Moschee beim Hamburger Hauptbahnhof agitiert. Dort zeigt der bärtige Mann offen seine Verehrung für Osama bin Laden, den er in Afghanistan persönlich kennen gelernt haben will.

Stolz erzählt er den überwiegend jungen Besuchern, wie ihm in den Camps in Afghanistan und Pakistan der Umgang mit Waffen und Sprengstoff beigebracht worden sei, und ruft seine Zuhörer dazu auf, ihren religiösen Pflichten nachzukommen; sie sollten in den Heiligen Krieg ziehen und die Ungläubigen bekämpfen. Er selbst habe das bereits getan - in Bosnien und Afghanistan an der Seite der Mudschaheddin.

 
 
 
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