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17. Februar 2003, 12:47 Uhr

Ende einer Freundschaft

"Ich lebe seit 19 Jahren in Deutschland", sagt Gary Smith, "und bin erschüttert über das Ausmaß der anti-amerikanischen Stimmung in diesem Land. Sie ist schlimmer und gefährlicher als zu Zeiten des Vietnamkrieges." Resignierend fügt er hinzu: "Vielleicht kennen wir uns gegenseitig weitaus weniger als wir dachten." Mag sein - mit Sicherheit gibt es seit Jahrzehnten bei Linken wie Rechten einen latenten Anti-Amerikanismus, der sich jetzt wieder Gehör verschafft. Aber sind die 600 000 Demonstranten, die am Wochenende überall in Deutschland gegen einen Irakkrieg protestierten, Anti-Amerikaner? Ist Anti-Amerikaner, wer glaubt, es gehe im Irak um Blut für Öl? Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts PEW in Washington ist das Ansehen Amerikas bei den Deutschen zuletzt um 17 Prozent gesunken. "Das hängt vor allem mit Bush und seiner Politik zusammen", sagt Carroll Doherty von PEW. Fast zwei Drittel aller Deutschen haben weiter eine positive Meinung von den USA.

"Ich glaube nicht, dass sich die Proteste in Deutschland gegen Amerika richten, sondern gegen unsere Regierung und ihre Politik", sagt Jackson Janes, der die Bundesrepublik seit 1967 mehrmals im Jahr bereist. "Es war kein Zufall, dass nach den Anschlägen vom 11. September die größte Solidaritätskundgebung weltweit in Berlin stattfand." Umgekehrt ist, trotz aller Spannungen, das Image der Deutschen in Amerika noch nicht nachhaltig beschädigt. In den Zeitungen finden sich mehr Leserbriefe, die Verständnis für die deutsche Haltung haben, als umgekehrt. Nur wenige schimpfen offen wie Phillip J. Hubbell aus Carrollton: "Wenn die Deutschen mehr von Saddam halten als von unserem Präsidenten, sollten wir vielleicht Mercedes boykottieren."

Made in Germany genießt nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf. Millionen Amerikaner kennen Deutschland, weil sie als GIs hier stationiert waren, und die meisten kommen mit positiven Erfahrungen zurück. Bisher gibt es kaum messbare Auswirkungen der politischen Spannungen auf die Geschäfte deutscher Unternehmen in Amerika. Bei einer Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York in der vergangenen Woche meldeten nur drei der Firmen (ein Prozent der Befragten) Umsatzeinbußen. Und welche Folgen hat es für das Image der Deutschen in der amerikanischen Öffentlichkeit, wenn Rumsfeld die Bundesrepublik auf eine Stufe mit Libyen oder Kuba setzt? "Vermutlich keine großen", glaubt PEW-Meinungsforscherin Doherty, "da nur 29 Prozent der Amerikaner wissen, wer Donald Rumsfeld ist."

Zudem gibt es Millionen Amerikaner, die die deutsche Kritik an den US-Plänen im Irak teilen. Am vergangenen Samstag protestierten mehr als 100 000 Menschen in New York, an die hundert US-Stadtparlamente verabschiedeten Resolutionen gegen einen Angriff, weitere hundert sind in Vorbereitung. Schauspieler, Wissenschaftler und Schriftsteller appellieren täglich an ihre Regierung, keinen Krieg zu beginnen. "Ich frage mich, woher diese sehr persönliche Feindschaft zwischen Bush und Saddam kommt", sagte Richard Gere auf der Berlinale, wo sich Hollywoodstars in diesem Jahr so wohl fühlten wie nie. "Das erinnert mich an die Geschichte von Käpt'n Ahab und dem Wal in "Moby Dick". Die deutsche Haltung ist absolut richtig."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 09/2003

 
 
 
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