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25. Februar 2003, 10:02 Uhr

Amerika marschiert

Die Araber von Dearborn sind keine homogene Gemeinschaft. Es gibt die Jemeniten im Osten, die Libanesen im Süden. Und es gibt die Iraker, 5000 allein in der Stadt, die als Flüchtlinge kamen nach dem ersten Golfkrieg und die zerstritten sind in ihrer Haltung zum nahenden zweiten Golfkrieg. Imam Husham Al-Husayni vom "Karbalaa Islamic Center" befürwortet den Militäreinsatz. In der arabischen Gemeinde nennen sie ihn deshalb einen Ketzer. Vor der Predigt stellen Männer ein selbst gemaltes Plakat in die Mitte des neonbleuchteten Gebetsraumes. Es zeigt Saddam Hussein und Osama bin Laden beim Handschlag, darunter steht "Wanted". Der Imam deutet mit ausladender Geste in die Runde und sagt: "Schauen Sie nur, alle diese Männer haben Familienangehörige und Freunde verloren. Saddam hat sie umbringen lassen. Fragen Sie, fragen Sie schon!" Die Männer, junge und alte, hocken im Halbkreis um Husham Al-Husayni und erzählen von Mord, Gefängnis und Folter. Danach diskutieren sie über die schlimmsten Diktatoren - Hitler, Stalin, Pol Pot - und einigen sich auf Saddam. George W. Bush soll sie jetzt rächen. Vertrauen sie dem Präsidenten? Der Imam sagt: "Wir vertrauen niemandem. Aber wir wollen nach Hause. Verstehen Sie, nach Hause."

Ob Krieg oder nicht - Dearborn, Michigan, USA, ist nicht mehr ihre Heimat. Für die amerikanischen Medien ist der Krieg längst beschlossene Sache. Seit Wochen läuft ihr "Showdown on Iraq", Fernsehsender haben sich im Golf die besten Hotels gesichert und martialische Jingles und Logos kreiert. Sie legen schon mal Marschmusik über Bilder amerikanischer Truppen und zeigen die schnellsten Flugzeuge, größten Schiffe, besten Panzer. Es ist wie eine Hitparade der militärischen Schlagkraft.

Eine Vielzahl junger Journalisten plädiert für diesen Krieg, Liberale der Baby-Boomer-Generation, Kolumnisten der Tageszeitungen "Washington Post" und "New York Times", der Magazine "Time", "Newsweek" und "New Yorker". "Der Präsident", schreibt Bill Keller von der "New York Times", "wird uns in den Krieg führen mit der Unterstützung zahlreicher Mitglieder der liberalen Ostküsten-Medien." Die übrigen Medien gelten ohnehin als handzahm. Die "New York Post" etwa geifert seit Wochen gegen Deutschland und Frankreich und gegen Liberale im Land. Ähnlich liest sich das in den Zeitungen aus der Provinz, wo die Sicht auf die Welt begrenzt ist. Die Welt ist Amerika und nicht viel mehr. Ari Fleischer, Sprecher des Weißen Hauses, hat die Journalisten einmal aufgerufen, erst Patrioten zu sein und dann Journalisten. Viele halten sich nicht daran. Manche schon.

 
 
 
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