Das Sternenbanner hängt an jeder Tür des Bürohauses südlich vom Times Square, New York. Es hängt mitten im Raum und an den Wänden und auch über dem Eingang. Auf den Schreibtischen stehen Tannenbäume in den Farben der Stars and Stripes und Schilder mit dem Aufdruck "United We Stand". Dies könnte ein Souvenirladen sein oder der Saal einer Patriotenvereinigung. Es ist die Zentrale von "Fox News Channel".
Auf unzähligen Bildschirmen läuft die Übertragung einer Rede von Verteidigungsminister Rumsfeld. In der linken oberen Ecke des Bildes blendet Fox dazu die US-Flagge ein. Der Moderator lobt Rumsfelds klare Worte. Vorher hat ein anderer Moderator Bushs Einfühlungsvermögen gelobt und Deutschlands Antikriegshaltung belächelt. Fox News Channel könnte Bushs kleiner Hauskanal sein. Es ist der größte Nachrichtensender Amerikas.
Seit einem Jahr liegt Fox im Quotenkampf vor CNN. Nach dem 11. September hat sich der Sender mit unbändigem Nationalstolz den unbändigen Nationalstolz der Amerikaner zunutze gemacht und sich an die Spitze gesetzt. Geformt von dem früheren Wahlstrategen der Republikaner, Roger Ailes, gepuscht von den Millionen des Eigentümers Rupert Murdoch. Kürzlich stand ein Fox-Reporter vor dem UN-Gebäude und begann seinen Beitrag mit dem Satz: "Schlechte Nachrichten: Die Waffeninspektoren haben keine Beweise für Massenvernichtungsmittel gefunden."
John Stack ist Vizechef der Nachrichtenabteilung bei Fox und sieht seinen Sender politisch in der Mitte. Er spricht von einem "fairen und ausgewogenen Produkt". Stack sitzt mit ausdrucksloser Miene und verschränkten Armen in seinem Büro. An der Wand hängt die Fahne der Sowjetunion, ein Souvenir. Er möchte nicht mit ihr fotografiert werden, sagt Stack. Es könne falsch verstanden werden. Er möchte auch nicht mit dem Bild Saddam Husseins fotografiert werden, das unweit der sowjetischen Fahne hängt. Es könne falsch verstanden werden. Es ist schwer, ihn falsch zu verstehen. Man muss ihn nur reden lassen: "Wir sind ein Nachrichtensender", sagt John Stack. "Aber wir sind auch Amerikaner. Wir halten uns voller Stolz für einen amerikanischen Sender. Ich bin nicht bereit, das aufzugeben."
In Stacks Bücherwand laufen auf vier Bildschirmen vier Nachrichtensender gleichzeitig. Manchmal, wenn Fox eine Sekunde langsamer als die Konkurrenz ist, wirft er die Fernbedienung gegen das Fenster. Und andere Male, wenn Fox wieder mal ein brennendes Auto in Wisconsin im Bild hat statt eines langweiligen europäischen Regierungschefs wie auf CNN, jubelt er vor Freude. "Es ist das, was die Amerikaner interessiert", sagt Stack. Außerhalb der großen Städte, wo Amerika noch Amerika ist. Wo Wahlen gewonnen werden. Wo Quote gemacht wird. Wo über Kriege entschieden wird.
Wenn der Krieg erst mal läuft, da sind sich alle einig, wird Amerika wieder zu patriotischer Hochform auflaufen. Soldaten. Cowboys. Geistliche. Prominente. Veteranen. Journalisten. Und Gott.