Es ist ein Schauprozess - für beide Seiten. In Moskau hat das Verfahren gegen drei Frauen der feministischen Punkband Pussy Riot begonnen. Ein Blick hinter die Wollmasken. Von Sophie Albers
Im September 2011 haben sich rund zehn junge Frauen Mitte 20 unter dem Namen Pussy Riot zu einer anonymen, feministischen Punkband zusammengetan, um mit Musik gegen Wladimir Putin zu protestieren. Anlass war dessen Ankündigung, wieder für die Präsidentschaft zu kandidieren. Das habe bei vielen Russen blanke Angst ausgelöst vor einer Rückkehr zu Armut, Terror, Korruption und dem Verlust der Grundrechte, so heißt es in einem Pussy-Riot-Porträt im "Vice"-Magazin. Gegen diese Angst schreit Pussy Riot an. Immer lauter, denn seit Anfang Mai ist Putin wieder russischer Präsident. Mit Musik und Aktionen im Internet und auf der Straße kämpfen die Frauen, deren Markenzeichen bunte Wollmasken sind, gegen den Chauvinismus - in der Politik und im täglichen Leben. Nun hat die Staatsmacht zugeschlagen: Drei Pussy-Riot-Mitglieder sitzen seit Februar in Untersuchungshaft. Ihnen soll wegen "organisiertem Rowdytums" der Prozess gemacht werden. Ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft.