Die tödlichen Fehler des US-Geheimdienstes I

Dies ist wohl auch einer der Gründe, weshalb er von der Führung der al Qaeda für die anstehende Operation ausgewählt wurde. Zudem hat al-Mihdhar bereits Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen die so genannten Ungläubigen bewiesen, als er Mitte der 90er Jahre in Bosnien aufseiten der Mudschaheddin kämpfte.

Und noch etwas spricht für al-Mihdhar. Durch die Verwandtschaft seiner Ehefrau ist er aufs Engste mit dem Terrornetzwerk verbunden. Sein Schwiegervater unterhält im Jemen eine konspirative Wohnung, die einer der wichtigsten Knotenpunkte der al Qaeda für Operationen im ostafrikanischen Raum ist. Und sein Schwiegervater ist nicht der Einzige in der Familie seiner Frau, der den "Bayat", einen Treueschwur, auf Osama bin Laden abgelegt hat und mit ganzem Herzen für die Organisation arbeitet.

Eine schlagfertige Zelle in Hamburg

Seit mehr als fünf Jahren lebt Ramzi Binalshibh, einer ihrer Cousins, in Deutschland und hat zusammen mit anderen Glaubensbrüdern in Hamburg eine schlagfertige Zelle aufgebaut. Ein bisschen scheint es in der Familie von al-Mihdhars Ehefrau zuzugehen wie bei der Mafia. Wer dazugehört, egal ob durch Geburt oder Heirat, steht al Qaeda zumindest nahe und vergöttert deren Anführer Osama bin Laden.

In der Ankunftshalle des Flughafens von Kuala Lumpur wird al-Mihdhar bereits erwartet. Ein Al-Qaeda-Gefolgsmann fährt ihn nach Bandar Sungai Long, eine Retortensiedlung 30 Autominuten von Kuala Lumpur entfernt. Dort ist al-Mihdhar in einer konspirativen Wohnung mit Binalshibh verabredet und mit Tawfiq bin Attash, einem der ranghöchsten Operationschefs der al Qaeda. Ende der 80er Jahre hat der Jemenit mit Osama bin Laden in Afghanistan gegen die Rote Armee gekämpft und dabei ein Bein verloren, weshalb er auch "der Einbeinige" genannt wird.

Die CIA ist ihm auf den Fersen

Al-Mihdhar merkt nicht, dass er seit seiner Abreise aus Saudi-Arabien auf Schritt und Tritt überwacht wird. Die CIA hat sich an seine Fersen geheftet. Agenten von insgesamt acht Basen und Außenbüros im arabischen und asiatischen Raum sind an der Observation beteiligt. Sie hoffen, dass der junge Saudi sie zu hochrangigen Mitgliedern der al Qaeda führt. Um sicherzustellen, dass sie den Terroristen notfalls auch um die halbe Welt verfolgen können, hat die CIA zusätzliche Hilfe von einem halben Dutzend befreundeter ausländischer Nachrichtendienste angefordert.

Das große Interesse der CIA an al-Mihdhar kommt nicht von ungefähr: Seit eineinhalb Jahren hört sie das Telefon in der Wohnung seines Schwiegervaters Ahmad Muhammad al-Hada ab - und weiß inzwischen, dass über dessen Anschluss 967-1-200578 in Sanaa wichtige Operationen oder Zusammenkünfte der al Qaeda abgewickelt werden.

Ende August 1998 sind die Ermittler auf diese Wohnung gestoßen. Damals fahndete man zusammen mit der amerikanischen Bundespolizei FBI nach den Drahtziehern der Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania. Auf eine erste heiße Spur waren die US-Ermittler bereits unmittelbar nach den Anschlägen gestoßen, nachdem in London per Fax ein Bekennerschreiben eingegangen war.

Binnen weniger Stunden war es gelungen, den Absender herauszufinden. Es handelte sich um einen Anschluss in Baku, Aserbaidschan. Von dort führte eine direkte Spur zu al-Mihdhars Schwiegervater im Jemen: Kurz nach den Anschlägen war dessen Telefon in Sanaa angerufen worden. Der CIA kam dies verdächtig vor, man ermittelte den Inhaber des Anschlusses sowie die Adresse und überwachte fortan Haus und Telefon. Kurz nach den Anschlägen auf die US-Botschaften kam auf dem Anschluss noch ein Anruf von einem Satellitentelefon an, das die CIA schon seit längerem Osama bin Laden zuordnete. Spätestens jetzt war der CIA klar, dass der Telefonanschluss ein "heißer Draht" zur Führungsebene der al Qaeda war.

 
 
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