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Die gefährlichste E-Mail der Welt

Milliardenfach werden Mails gespeichert. Wie wird die Infoflut gefiltert? Mithilfe von verdächtigen Stichwörtern. stern.de hat aus ihnen den auffälligsten Brief der Welt formuliert.

Von Niels Kruse

Lieber Onkel,
hallo Sam.
Ich hoffe, Euch geht es gut.
Wir waren ein paar Tage in San Diego. Sind mit der Metro Richtung Südwesten in die Waterstreet an den Hafen gefahren. Da gibt es neben dem Alcohol and Tobacco-Shop einen Laden, der nennt sich Wave und die "veredeln" da Eis. Die Sorten heißen dann Twister, Avalanche und Plume und schmecken unter anderem nach Schwein. Voll die Pest, das Zeug.

Aber das Heftige kam danach: Wir sind dann am Dock entlang gelaufen, Richtung Coronado-Brücke, da stand ein Smart neben der Hafenbehörde. Plötzlich fährt der weg, und darunter ist ein offenes Gitter, wo eine dicke Stromleitung rausguckt. Mit einem Mal gibt es eine riesige Büschelentladung, die uns fast getroffen hätte. Mann, Mann, in den USA erodiert die ganze Infrastruktur so vor sich hin, dass es gar keine Terroristen und Bomben mehr braucht, um das Land lahmzulegen.

Danach haben wir natürlich auch mal in Tijuana vorbeigeschaut. Ist nicht so drogenverseucht, wie ich das in Erinnerung hatte. Offenbar handeln die Leute da mittlerweile mit echten Medikamenten, weil das Zeug in Mexiko so viel billiger ist. Das bringen dann die Teenager über die Grenze, nachdem sie sich mit Hilfe einer Flut von Tequila entspannt haben. Musste die ganze Zeit an die Serie "Breaking Bad" denken. Kennt ihr die Folgen, wo Walter und Jesse beim Drogenkartell-Chef Don Eladio am Pool stehen, ihre Crystal-Meth-Geschäfte machen und am Ende alle vergiftet werden? Und am Himmel diese violett-orangefarbenen Wolken? Genauso sieht das da aus.

Apropos, da fällt mir ein, dass unser Flugzeug auf dem Weg zurück in Hamburg landen musste. Da habe ich Marta getroffen, die am Tropeninstitut am Milzbranderreger forscht. Für die CIA! Krass, oder? Waren abends in der Kneipe Nord, Korea trinken. Kennt ihr, oder? Rotwein mit Cola. War voll die Absturz-Mischung.

Na gut, ich werde jetzt mal den Computer anwerfen und ein paar Vögel schießen. Es wurmt mich, dass Sam meinen Rekord eingestellt hat. Leider hat sich mein Rechner einen Trojaner eingefangen. Mal sehen, ob er funktioniert.

Wünsche Euch einen

sturm

- und

hagel

freien Abend

Niels

Aha - und was soll das jetzt? Das lesen Sie auf der nächsten Seite!

Die Liste des Heimatschutzministeriums

Liebe Leser,
alle gefetteten Wörter in dieser, zugegebenmaßen etwas an den Haaren herbeigezogenen E-Mail entstammen einer Liste des US-Heimatschutzministeriums. Sie ist Teil des "Analyst Desktop Binder 2011", einem 40-seitigen Handbuch der Sicherheitsbehörde für den Kampf gegen Terrorismus, und wurde im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden in britischen Medien veröffentlicht. Mithilfe dieses Kompendiums sollen Homeland-Security-Mitarbeiter unter anderem Medien und soziale Netzwerke auf verdächtige Umtriebe scannen.

Natürlich enthält die Liste auch eindeutige Begriffe wie al Kaida, Terror, Rohrbombe, Kokain und biologische Waffen. Ob aber Wörter wie Graupel, Schweinefleisch und Grenze geeignete Hinweise auf umstürzlerische Aktivitäten sind? Wenn Ex-NSA-Mann Snowden Recht hat, dann verfügen andere Geheimdienste, ob nun amerikanische oder britische, noch über viel umfangreichere Schlagwort-Kataloge mit ausgeklügelten Filter-Algorithmen, die automatisch Mails, Blog-Einträge, Facebook- und Twitter-Posts durchforsten. Und das Ende des Abhörskandals ist wohl noch lange nicht erreicht. Snowden jedenfalls hat schon die nächsten Enthüllungen angekündigt.

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