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15. März 2006, 22:32 Uhr

Der Horror nimmt kein Ende

Zwei Jahre nach Bekanntwerden des Folterskandals von Abu Ghraib hat das US-Online-Magazin salon.com jetzt 279 Fotos und 19 Videos aus dem berüchtigten US-Militärgefängnis veröffentlicht. Die Dokumente zeigen schreckliche Szenen.

Eine Plastiktüte über dem Kopf eines Gefangenen ist Folter© SBS/Dateline/AP

Zu den schockierenden Aufnahmen gehören erstmals auch Bilder, die Häftlinge mit Schuss- oder Bisswunden, Frauen mit entblößten Oberkörpern und mit Fäkalien beschmierte Iraker zeigen. Es handelt sich um die bislang umfangreichste, öffentlich zugängliche Dokumentation über den Misshandlungsskandal im US-Militärgefängnis Abu Ghraib bei Bagdad zwischen Ende 2003 und Anfang 2004.

Die Bilddokumente stammen nach Angaben des Online-Magazins von einem Armeeangehörigen, der sowohl in Abu Ghraib diente als auch mit der Arbeit der Militärermittler vom "Criminal Investigation Command" (CID) vertraut ist. Das Medienunternehmen salon.com wurde 1995 gegründet, hat seinen Sitz in San Francisco und eine weitgehend liberale Ausrichtung.

Lynndie England - Symbol des Folterskandals

Zum besseren Verständnis haben die Autoren die Akte "The Abu Ghraib Files" in neun Kapitel und eine zusätzliche Video-Rubrik unterteilt. Die einzelnen Sektionen lauten: "Schnittwunden", "Elektrokabel", "geistig verwirrt", "Arbeitshunde", "Standardverfahren" und "sexuelle Erniedrigung". Jeder Rubrik folgt die Warnung: Die Fotos enthalten beunruhigende Abbildungen von Gewalt, Missbrauch und Erniedrigung. Zu jedem Bild haben die Autoren hinzugefügt, welche Angehörigen der US-Armee zu sehen sind und wer die Aufnahmen wann gemacht hat.

Auf den Bildern finden sich viele bekannte Gesichter, wie beispielsweise das der US-Soldatin Lynndie England, die inzwischen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Mit dem Bild, das England mit einer Leine um den Hals eines am Boden liegenden, nackten Häftlings zeigt, wurde sie zum Symbol des Folterskandals, der weltweit für Abscheu und Proteste sorgte.

Militärgefängnis soll geschlossen werden

Zu den bekannten Aufnahmen zählt auch der "Eis-Mann". Der irakische Gefangene Mandel al-Dschamadi starb während eines Verhörs durch einen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA. Danach ließen sich die beiden US-Soldaten Sabrina Harman und Charles Graner mit dem Toten ablichten.

Im Zuge des Abu-Ghraib-Skandals sind sieben US-Soldaten angeklagt und verurteilt worden. Die für die Aufsicht der Gefängnisse im Irak zuständige Generalin Janis Karpinski wurde degradiert. Derzeit muss sich einer von zwei angeklagten Hundeführern vor einem Militärgericht in Fort Meade in Maryland verantworten. Die US-Armee hat in der vergangenen Woche angekündigt, dass sie das berüchtigte Militärgefängnis rund 30 Kilometer westlich von Bagdad schließen möchte.

DPA

Die Original-Fotos und -Videos finden Sie unter:
www.salon.com

 
 
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