Afghanistan-Kommandeur gerät ins Visier der Ermittler

13. November 2012, 10:15 Uhr

Der Skandal weitet sich aus: Wegen "unangemessener" E-Mails ermittelt das FBI gegen Petraeus' Nachfolger, General Allen. Zudem haben Beamte das Haus von Petraeus' Ex-Geliebter Broadwell durchsucht.

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Der Sexskandal um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus weitet sich aus: Medienberichten zufolge ermittelt das Pentagon nun gegen den bisherigen Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General John Allen. Dieser habe möglicherweise "unangemessene" E-Mails an Jill Kelley geschickt, sagte ein Mitarbeiter des Pentagons. Welcher Natur diese Mails waren, blieb zunächst unklar. Das FBI untersuche derzeit rund 30.000 Seiten an Korrespondenz. Kelly, die mit der Familie Petraeus befreundet ist, hatte die Ermittlungen des FBI im Fall des zurückgetretenen CIA-Chefs ausgelöst.

Der Vier-Sterne-General Allen ist einer der wichtigsten Vertreter der US-Streitkräfte und soll Kommandeur der amerikanischen Truppen in Europa werden. Sein Vorgänger in Afghanistan war Petraeus. Allen wies die Anschuldigungen zurück. Die Nominierung zum neuen Oberkommandeur solle dennoch verschoben werden, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta dem BBC-Bericht zufolge auf einem Flug nach Australien zu Journalisten. US-Präsident Barack Obama habe zugestimmt. Panetta hatte am Montag Pentagon-Ermittlungen gegen Allen eingeleitet. Zuvor hatte das FBI den Fall an das US-Verteidigungsministerium weitergegeben.

"Er hatte nicht vor zurückzutreten"

Im Fall Petraeus durchsuchten Beamte der US-Bundespolizei am Montag das Wohnhaus der zeitweiligen Geliebten des zurückgetretenen CIA-Chefs, Paula Broadwell. Die Polizisten verschafften sich nach US-Medienberichten Zugang zu dem Anwesen der Familie in Charlotte im US-Bundesstaate North Carolina, wo sie am Abend mehrere Stunden lang beide Etagen durchsuchten, Fotos machten und Dokumente wegtrugen.

Wegen der Beziehung zu Broadwell hatte Petraeus Ende vergangener Woche überraschend seinen Rücktritt als CIA-Chef angekündigt. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf Petraeus nahestehenden Personen berichtete, zog sich der General allerdings erst zurück, als klar wurde, dass seine außereheliche Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell öffentlich werden würde. Auch nachdem er dem FBI die Affäre gestanden hatte, habe Petraeus zunächst CIA-Chef bleiben wollen. "Er hatte nicht vor zurückzutreten", sagte der pensionierte US-Oberst Peter Mansoor am Dienstag dem Blatt. "Aber als er wusste, dass es in die Öffentlichkeit kommen würde, dachte er, ein Rücktritt sei das Richtige."

Die Affäre zwischen Broadwell und Petraeus wurde aktenkundig, nachdem Jill Kelley über Droh-Mails klagte, die offenbar von Broadwell versandt worden waren. Petraeus selbst war laut Medienberichten entsetzt, als er von den E-Mails seiner Geliebten an eine vermeintliche Nebenbuhlerin erfuhr. Nach einem Bericht der "Washington Post" vom Montag forderte er Broadwell auf, Jill Kelley in Ruhe zu lassen. Demnach beendete er die Affäre mit seiner Biografin vor rund vier Monaten - das sei etwa die Zeit, zu der er sich wegen der E-Mails mit Broadwell auseinandergesetzt habe.

Ausschuss wollte Petraeus zu Bengasi-Attacke anhören

Petraeus sollte eigentlich am Dienstag vor einem Senatsausschuss zu den CIA-Erkenntnissen vor und nach dem Terrorangriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi aussagen. Die CIA hatte dem Weißen Haus nach der Attacke am 11. September tagelang gesagt, der Angriff - bei dem unter anderem der US-Botschafter in Libyen getötet wurde - sei aus einer spontanen Protestaktion gegen ein islamfeindliches Video erwachsen. Tatsächlich handelte es sich aber um einen geplanten Terrorangriff. Der Auswärtige Ausschuss will von der CIA Aufklärung darüber, welche Erkenntnisse sie wann hatte. An Petraeus' Stelle wird nun sein bisheriger Stellvertreter Michael George Morell befragt werden, der die CIA jetzt kommissarisch leitet.

Zunächst war spekuliert worden, Petraeus könne zurückgetreten sein, um einen Auftritt vor dem Ausschuss zu vermeiden. Das war aber von verschiedenen Seiten kategorisch bestritten worden. Dennoch erhält die Ausschusssitzung nach dem Rücktritt des CIA-Chefs besondere Brisanz.

cjf/AFP/DPA/Reuters
 
 
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