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21. Oktober 2008, 11:25 Uhr

Anschlag befeuert Debatte über Isaf-Einsatz

Das blutige Attentat auf deutsche Soldaten hat die Debatte um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan neu entfacht. Der designierte Grünen-Chef Cem Özdemir forderte einen Strategiewechsel. Kanzlerin Merkel müsse der Bevölkerung erklären, wie lange die Bundeswehr noch am Hindukusch bleiben müsse.

"Ziel der selbsttragenden Sicherheit": Fallschirmjaeger der Bundeswehr auf Patrouille in der Nähe von Kundus© Anja Niedringhaus/AP

Nach dem Selbstmordattentat auf deutsche Soldaten am Montag in Afghanistan ist die Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr neu entbrannt. "Es muss klar sein, dass wir in Afghanistan nicht auf ewig bleiben können", sagte der designierte Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir dem "Hamburger Abendblatt". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle den Anschlag mit zwei toten Soldaten zum Anlass nehmen für eine Erklärung im Bundestag. "Die Kanzlerin muss der Bevölkerung endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen", forderte der Europaabgeordnete. Bisher sei Merkel beim Thema Afghanistan "merkwürdig leise" gewesen.

Özdemir forderte einen Strategiewechsel in Afghanistan. Die Vorgehensweise der USA, "den Fokus nur auf die Bekämpfung der Gegner zu legen", führe nicht weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt alle Anstrengungen darauf verwenden, die afghanische Armee und Polizei in die Lage zu versetzen, "ihre Aufgaben selbstständig und kompetent zu erfüllen".

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte, er halte die in der Nato vereinbarte Gesamtstrategie "des umfassenden Ansatzes, aber auch der selbsttragenden Sicherheit" für richtig. Afghanistan müsse selbst in der Lage sein, für seine Sicherheit zu sorgen, sagte Jung dem Nachrichtensender n-tv. Deshalb werde die Bundeswehr ihr Engagement im Hinblick auf die Ausbildung der Soldaten in Afghanistan noch erhöhen. "Wir wollen im nächsten Jahr 7500 Soldaten ausbilden, um letztlich das Ziel der selbsttragenden Sicherheit in Afghanistan in einer überschaubaren zeitlichen Dimension erreichen zu können", meinte Jung.

Zugleich räumte Jung eine Schwäche der Bundeswehr gegenüber Selbstmordattentätern in Afghanistan ein. Patrouillen und Missionen zur Auffindung von Waffenlagern würden zwar verstärkt geschützt, aber "gegen solche hinterhältigen und feigen Anschläge" seien die Soldaten oft wehrlos, wenn sie nicht vorher Informationen erhielten, sagte der CDU-Politiker.

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, erklärte, ein sofortiger Rückzug würde Afghanistan "in die Terrorherrschaft der Taliban zurückwerfen". Der CDU-Politiker wertete den Anschlag auf die Bundeswehr als Beleg für die "Brutalität und Hinterhältigkeit" der Taliban. Weil diese nicht einmal auf einheimische Muslime Rücksicht nähmen, werde "die Anwesenheit der Bundeswehr von den Afghanen selbst mit großer Mehrheit gewünscht".

Bei dem Selbstmordanschlag im Norden Afghanistans waren zwei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Auch fünf afghanische Kinder kamen ums Leben. Jung berichtete zudem von zwei deutschen Soldaten, die leicht beziehungsweise mittelschwer verletzt wurden; auch ein Kind trug schwere Verletzungen davon. Bei den Toten handelt es sich um einen 25-jährigen Stabsunteroffizier und einen 22-jährigen Stabsgefreiten des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken.

Die Leichen der Soldaten sollen am Mittwoch nach Zweibrücken ausgeflogen werden, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Der verletzte Soldat solle voraussichtlich ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz gebracht werden. Am Mittwochmorgen findet in Kundus für die Opfer zunächst eine Trauerfeier statt, zu der auch Staatssekretär Peter Wichert aus Berlin anreisen wollte.

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Adler62 (21.10.2008, 15:54 Uhr)
Herr BM Jung..
hat gestern abend im ZDF heute jornal wieder einmal vehement bestritten, das es sich um einen Krieg handelt. Ich frage mich, wenn es kein Krieg ist, warum wird die BW dahin geschickt? Entweder irrt Herr BM Jung oder er sagt nicht die Wahrheit. In jedem Falle ein Armutszeugnis für ihn. Außerdem meinte er, die Mehrheit der Bürger D steht zu dem Einsatz. Komisch, ich kenne fast nur Leute die dagegen sind. Der BW Einsatz in Afghanistan gehört auf den Prüfstand. Ein Strategiewechsel muss unbedingt erfolgen. Keine Frage dem afghanischem Volk sollte geholfen werden. Über das Wie, sollte man neu nachdenken.
eurokrat (21.10.2008, 13:49 Uhr)
@georgHM
"Freizeitfaschist"
(gähn)
Sonst noch was?
georgHM (21.10.2008, 13:33 Uhr)
Özdemir der Friedensfürst
Ausgerechnet der Transatlantiker Özdemir fordert jetzt einen Strategiewechsel. In welche Richtung eigentlich?
Totaler Krieg gegen Muslime wie es der Freizeitfaschist namens "eurokrat" hier wünscht? Oder doch vielleicht lieber die Unsinnigkeit des ganzen Krieges einsehen und Koffer packen?
Und warum meldet er sich überhaupt zu Wort, der Özdemir?
Ganz einfach: nach mehreren persönlich verlorenen Wahlen meint er seine "Popularität" steigern zu können indem er 3/4 der Deutschen nach dem Maul redet und den Krieg in Frage stellt - so jemand hat noch nicht mal mehr meine Verachtung verdient.
Mein Lösungsvorschlag für diesen Krieg:
nur noch Abgeordnete, die diesen "Einsatz" befürworten, sowie ihre Familienangehörigen werden uniformiert und nach Afghanistan transportiert. Dort dürfen sie unsere Freiheit vor Ort verteidigen.
conceicao (21.10.2008, 12:47 Uhr)
"Feige und hinterhältig" - Jungs peinliche Standardfloskeln
Was hatte der Stratege Jung denn von den Talibans erwartet?
Eine Schlacht im offenen Feld hoch zu Ross?
Die Talibans bekämpfen die Bundeswehr in der Taktik, die aus ihrer Sicht am effektivsten ist.
Vielleicht sollte Jung mal die US-GI´s fragen, auf welche Art sie von den Vietcongs besiegt wurden.
Dagegen sind die Talibans in ihren Mitteln noch goldig.
conceicao (21.10.2008, 12:32 Uhr)
Die deutschen Soldaten haben keine Chance
Der Kampf ist schon lange verloren, das weiß jeder.
Es kann nur noch darum gehen, den Anschein zu wahren, dass die Soldaten ohne großen Gesichtsverlust abziehen können.
Je länger die Soldaten am Hindukusch bleiben, umsomehr Prügel bekommen sie von den Talibans.
Gisella (21.10.2008, 12:14 Uhr)
Afghanistan
-wir kommentieren doch schon jeden Artikel über unseren Einsatz in Afghanistan. -Und-was bringt es-nichts. Die übernommene USA-Floskel "Wir kämpfen dort gegen den Terror, damit wir ihn hier im Lande nicht bekämpfen müssen"habe ich in Amerika immer und immerwieder gehört. Es reicht eigentlich. Wer von uns möchte denn in seinem "Garten"Soldaten versch. Nationen sehen und das seit vielen Jahren? Die laufen inzwischen da rum , als wäre es ihr Land-auch die Deutschen.Verfehlte Politik auf Kosten unserer Männer. Und wie schon so oft gesagt-wir wissen nicht mehr, wie wir da rauskommen sollen aus dieser Misere. Na, Herr Jung,keine Idee??? Zum Schluss- was wollen wir da eigentlich-eine alte Kultur umkrempeln??? Das haben andere schon vergeblich versucht,
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